Leserbriefe

Achim Stegmüller (Lörrach)

Von Achim Stegmüller (Lörrach)

Do, 30. August 2018

Schopfheim

BRÜCKENSPERRUNG
"Hat den Anschein, dass hier andere Interessen vorrangig sind"
Zur Ankündigung der Stadtverwaltung, dass die Brücke bei Ehner-Fahrnau wegen Statikmängeln gesperrt wird.
Als wöchentlich mehrmaliger Besucher von Ehner-Fahrnau ist es mir ein Rätsel, wie die Entscheidungsträger der Stadtverwaltung auf diese wundersame Idee der Brückensperrung gekommen sind. Während meiner monatlich unzähligen Fahrten ist seit März dieses Jahres zu keiner Zeit eine Messeinrichtung zur Feststellung der Verkehrsfrequenz oder eine Geschwindigkeitsmessanlage installiert gewesen. Wie, werte Stadtverwaltung, können Sie dann ohne fundierte Nachweise über Verkehrsbelastung und Geschwindigkeitsverstöße referieren? Legen Sie doch bitte ihre Aufzeichnungen und Berechnungen offen dar. Die Brücke ist zugelassen für 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Urplötzlich soll nun diese seit Jahren stabile Brücke aus dem Nichts derart geschädigt sein, dass sie nicht mehr mit einem Fahrzeug befahrbar sein soll? Die schwersten Limousinen der Besucher haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 2,5 Tonnen, selbst SUV (Geländewagen) wiegen nicht viel mehr. Und bei 3,5 Tonnen Belastungsgrenze ist eine Sicherheitsreserve von mindestens bis zu fünf Tonnen gegeben.

Es hat den Anschein, dass hier andere Interessen vorrangig sind. Oder sollen gar Erziehungsmaßnahmen auf den Weg gebracht werden? Hat sich etwa ein Anwohner beschwert ob des Verkehrsaufkommens und man gibt einem Einzelinteresse nach? Oder geht es um das leidige Thema Schranke auf dieser öffentlichen Straße? Kann der Betreiber der Golfanlage etwas dafür, wenn permanent Vandalen die Schranke zerstören? Zur Saison wurde sie überholt, ein neuer Balken installiert und mit neuen LED-Leuchten versehen. In der Nacht vom Vatertag wurde die Schranke zerstört, sämtliche Sicherheitslichter mutwillig zertrümmert. Und nach erfolgter teurer Reparatur wurde die Schranke kurze Zeit später durch einen Fahrradfahrer derart zerstört, dass man meinte, ein Auto sei hindurchgefahren. Kann der Betreiber für die Schäden verantwortlich gemacht werden? Kann er dafür geschädigt werden, weil die Firma Monate braucht (wegen Überlastung), eine neue Schranke zu installieren? Ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Einbußen der Betreibergesellschaft.

Oder möchte Schopfheim auf dieses Tourismusangebot verzichten? Viele Besucher kommen nur nach Schopfheim wegen des Golfplatzes, ganz zu schweigen von den zehn Familien, die explizit wegen der Golfanlage nach Schopfheim gezogen sind und hier auch ihre Steuern bezahlen. Macht es Sinn, ein ganzes Gebiet der Stadt, wenn auch ein kleines, von Schopfheim abzukoppeln, gar auszuschließen? Was passiert mit Notarzt und Rettungskräften wie beim Brand in Hausen? Laut Aussage der Stadt wurde auf Nachfrage mitgeteilt, der Notarzt dürfe die Brücke benutzen, er muss nur die Absperrung beiseite räumen. Also folglich trägt die Brücke doch ein Auto? Oder nur Notarztwagen?

Nun noch zum ökologischen Teil: Der Umweg für Besucher der Golfanlage beträgt für Hin- und Rückweg acht Kilometer. Davon müssen fünf Kilometer in Tempo-30-Zonen gefahren werden – mit erhöhter Drehzahl des Motors im niedrigen Gang. Was zur Folge hat, dass der Schadstoffausstoß rapide ansteigt, von erhöhtem Lärm ganz abgesehen. Da werden Mitarbeiter und Einwohner der Stadt zur Nutzung von ÖPNV animiert, es soll mehr mit dem Fahrrad gefahren werden – und an anderer Stelle wird die Umweltbilanz mit Füßen getreten. Und die Durchfahrten der Besucher von Ehner-Fahrnau werden von den Bürgern aus Hausen argwöhnisch begutachtet. Ich hoffe innigst, dass sich hier bald Widerstand regt ob der unnötigen und umweltschädlichen Verkehrsbelastung. Ich bitte Sie, werte Entscheidungsträger der Stadt, sagen Sie, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, und was diese unsinnige Aktion soll. Sollten Ihnen Ehner-Fahrnau und die Bewohner etwas bedeuten, öffnen Sie die Brücke wieder, gerne mit Einschränkungen. Befahrbar nur mit einem Fahrzeug, zehn km/h wie bereits verordnet, zur Einhaltung könnten Überfahrschwellen montiert werden, keine Fahrzeuge über 2,5 Tonnen Gesamtgewicht zulassen und natürlich ohne Anhänger. Und zur Lärmreduzierung (wenn es diesen geben sollte) könnte man einen rutschfesten, leisen Gummibelag aufbringen. Somit wären alle zufrieden und der Sicherheit wäre auch Genüge getan. Billiger sind Schilder und ein Belag allemal als ein Neubau der Brücke. Achim Stegmüller, Lörrach