Lesermeinung

Klaus Miehling

Von Klaus Miehling (Freiburg)

So, 09. September 2018

Leserbriefe Lörrach

STRAFRECHT

ZUM ARTIKEL "HILFT NUR NOCH WEGSPERREN?" VOM 2. SEPTEMBER:

Lange Haftstrafen schrecken ab

Wie wäre es, einmal die Fakten zur Kenntnis zu nehmen? Während der Resozialisierungsgedanke immer mehr in den Vordergrund trat, verdreifachte sich die Anzahl der Straftaten von den 50er bis zu den 90er Jahren. Nachdem in den 80ern ausgerufen wurde, Haftstrafen im Jugendstrafrecht weitgehend zu vermeiden, explodierte die Jugendkriminalität in den 90ern geradezu. Der Charakter eines Menschen ist spätestens am Ende der Pubertät verfestigt und nicht mehr veränderbar. Resozialisierung kann also gar nicht funktionieren; Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel.

Das Argument, wer zu höheren Haftstrafen verurteilt wird, werde eher rückfällig, hat einen entscheidenden Denkfehler: Um in Deutschland zu einer Haftstrafe (ohne Bewährung) verurteilt zu werden, muss man entweder ein notorischer Wiederholungstäter sein oder ein besonders schweres Verbrechen begangen haben. Dass solche Menschen besonders häufig rückfällig werden, hat also mit der kriminellen Energie, die sie besitzen, zu tun.

Wenn man Menschen von Straftaten abhalten will, muss man logischerweise das Begehen von Straftaten unattraktiv machen. Wie erreicht man das? Erstens durch eine hohe Aufklärungsquote, und zweitens durch hohe Strafen. Gewiss, es gibt auch Verbrechen im Affekt oder unter Drogeneinfluss, bei denen solche Überlegungen nicht angestellt werden – aber das ist nur ein Teil. Und selbst hier spielt das Wissen um mögliche Konsequenzen unbewusst eine Rolle, so dass der Impuls zur Tat unwahrscheinlicher wird, wenn die Folgen unangenehmer sind.
Nicht zuletzt bewirkt die Haft, dass der Verurteilte – zumindest außerhalb der Gefängnismauern – keine weiteren Straftaten begehen kann. Somit sind lange Haftstrafen auch ein Beitrag zur Prävention.

Die Strafen werden offenbar längst nicht mehr "im Namen des Volkes" verhängt. Kaum jemandem ist noch vermittelbar, dass – wie eben geschehen – ein Mörder, der einem 15-jährigen Mädchen etwa 70 noch zu erwartende Lebensjahre raubt, zu nur achteinhalb Jahren Haft verurteilt wird und dann als noch junger Mensch wieder freikommt.
Wer sich also gegen härtere Strafen ausspricht, der tut dies wider die Vernunft – oder aber er hat mehr Sympathie für die Verbrecher als für die Opfer.
Klaus Miehling, Freiburg

PALÄSTINA

ZUR AGENTURMELDUNG "KEIN GELD MEHR FÜR PALÄSTINENSER-HILFSWERK" VOM 2. SEPTEMBER:

Einstellung der Zahlungen nur logisch

Auch wenn es sich um die Rubrik "Kurz gefasst" handelt, ist es schade, dass Sie nicht erwähnen, warum die USA die Zahlung der Gelder ( an die Palästinenserorganisation UNRWA, die Red. ) einstellt. Die Zahlungen an die UNRWA kommen leider nicht nur der Bevölkerung, die es sicher sehr nötig hat, zugute. Von den Zahlungen werden auch Terroristen bezahlt, die Anschläge gegen Israelis verüben. Je schwerer der Anschlag, desto höher fällt die Zahlung aus. Die Schulbücher, die mit dem Geld hergestellt werden, informieren, wenn überhaupt, nur abfällig über Israel. Auf Landkarten, die in den Schulbüchern abgebildet sind, existiert Israel nicht. Die Vernichtung Israels ist nach wie vor erklärtes Ziel der Hamas und der Fatah. Eine Grundlage für Friedensgespräche ist das sicher nicht. Bezüglich des Flüchtlingsstatus sind die Palästinenser die einzigen Flüchtlinge, die diesen weitervererben können. Das bedeutet, die Anzahl derer, die auf ein "Rückkehrrecht" bestehen, wächst stetig. Eine Einstaatenlösung wird somit immer schwieriger, da die innere Sicherheit Israels dadurch gefährdet werden würde. Wie jeder in den Nachrichten mitbekommen kann, sind nicht alle Palästinenser Israel wohl gesonnen.

Sie schreiben, dass mehr als 700 000 Palästinenser 1948 vertrieben wurden oder flüchteten. Dies entspricht nicht ganz der Wahrheit. Vielmehr gibt es Hinweise, dass die Regierungen der benachbarten arabischen Länder die Palästinenser aufriefen, ihre Häuser zu verlassen, bis sie den nur einen Tag alten Staat Israel vernichtet haben. Anschließend sollten alle wieder zurückkehren. Dem Angriffskrieg der arabischen Armeen konnte Israel standhalten. Die Palästinenser kehrten aber nicht zurück.

Mit dem Geld, das die UNRWA seitdem von der UN erhalten hat und der humanitären und medizinischen Unterstützung, die Israel den Palästinensern gewährt, müsste es den Palästinensern eigentlich viel besser gehen. Deshalb ist die Frage, wohin das Geld geht mehr als legitim und wenn keine Antwort kommt, ist es nur logisch, dass das Geld eingestellt wird.Anke Sobott, Lörrach
Leserbriefe können wir nur abdrucken, wenn sie mit vollem Namen und mit Wohnort unterzeichnet sind. Kürzungen behalten wir uns vor. Sie erreichen uns unter "Leserservice & Kontakt" auf http://www.der-sonntag.de