Leserbriefe

Hans-Peter Karrer (Bad Säckingen)

Von Hans-Peter Karrer (Bad Säckingen)

Sa, 23. Juni 2018

Bad Säckingen

FASTENBRECHEN
Ein Armutszeugnis der besonderen Art
Zum Artikel "Islamische Gemeinde bricht das Fasten" von Samstag, 16. Juli

Gut vorbereitet und organisiert war das Fastenbrechen der Moscheegemeinde zum Ende des Ramadan. Seit einigen Jahren lädt die Moscheegemeinde interessierte Personen, Kirchenvertreter, Stadtverwaltung und Gemeinderatsmitglieder dazu ein. Ein Armutszeugnis besonderer Art zeigt sich wieder einmal beim diesjährigen Fastenbrechen. Trotz Zusage und Einladung hat der Rathauschef kurzfristig abgesagt. Nachdenklich stimmt auch die Beobachtung, dass keiner der gewählten Stellvertreter des Bürgermeisters den Weg gefunden hat. Zumal nach dem Pressebericht annähernd die Hälfte der Besucher des Fastenbrechens Flüchtlinge seien. Mag sein, dass aus der Vergangenheit gewisse Unstimmigkeiten und Missverständnisse bestehen, aber im Dialog sollte es möglich sein, dass manche Fronten abgebaut werden.

Sehr lobend hört man die Worte von Vielfalt und Dialog, von Willkommenskultur und Integration, von sozialer Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Doch die Flüchtlingspolitik durchzieht ein offener Riss. Die einen dürfen und sollen sich integrieren, die anderen sollen ausreisen, schnell und möglichst direkt aus den Landesunterkünften, sonst werden sie abgeschoben. Ist das vielleicht der Grund der Zurückhaltung und Abwesenheit oder ist es gesellschaftliche Gleichgültigkeit? Gewünscht ist doch, dass Flüchtlinge und Einheimische den Austausch suchen und sich gegenseitig kennenlernen. Natürlich werden Probleme bleiben. Der Versuch allerdings, den anderen besser zu verstehen und die eigene Positionen zu überdenken, ist sicher ein Weg, beide Seiten zusammenwachsen zu lassen. Es geht um die zentrale Frage, in welcher Gesellschaft wir leben und wie wir heute und in Zukunft miteinander umgehen wollen.
Hans-Peter Karrer, Bad Säckingen