Leserbriefe

Christopher Burgert (Münstertal)

Von Christopher Burgert (Münstertal)

Mi, 23. Januar 2019

Münstertal

WINDKRAFT IN MÜNSTERTAL

Fast schon religiös
Auf den Leserbrief von Bernhard Wieland: "Wenn die Fichten sterben, ist es aus mit dem Wasser" (BZ vom 14. Januar) antwortet ein Leser:

Scheinbar ist es derzeit in Mode, jedes Wetterereignis dem Klimawandel zuzuschreiben. Das Klima ist die meteorologische Beobachtung über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. Einen trockenen Sommer diesem zuzuschreiben, ist wissenschaftlich nicht haltbar und eine Manipulation des Lesers. Wer größere Zeiträume ansieht, wird feststellen, dass die Klimaerwärmung sogar für durchschnittlich mehr Niederschlag bei uns sorgt. Besonders gut verkaufen lassen sich mit dem Klimawandel Windräder, für die wir Deutschen über den höchsten Strompreis in Europa viel Geld ausgeben. Vielen Bürgern fällt inzwischen auf, dass es dabei nur vordergründig "fürs Volk" und "um den Klimaschutz" geht. In Wirklichkeit handelt es sich um ein geniales Geschäftsmodell, das weder das Klima schützt noch einer zuverlässigen Stromversorgung dient. Doch die breite Öffentlichkeit verbindet das Wachstum der Windbranche in gläubiger Erwartung leider immer noch mit einem Beitrag zum Klimaschutz. Auf dieser fast schon religiös anmutenden Welle schwimmt auch Bernhard Wieland aus Münstertal, seines Zeichens Geschäftsführer in der Windbranche . In seinem Leserbrief soll uns weisgemacht werden, man müsse die kostbaren Trinkwasserquellen und die Fichten auf der Breitnau ausgerechnet durch das Errichten von mehreren monströsen Großbaustellen mit Schwerstlastverkehr, planierendem Abtragen von meterweise filterndem Oberboden, vor dem Klimawandel schützen. Das Ganze oberhalb der Quellen. Bizarrer geht’s ja wohl kaum noch. Christopher Burgert, Münstertal

Gegen Fäkalsprache

Zur Wortwahl auf neu aufgestellten Plakaten der Gegner von Windrädern auf der Breitnau schreibt eine Leserin:

Fäkalsprache – kein Unterhaltungswert mehr. Sprachlich auf niederstem Niveau angekommen. Es ist beschämend. Da fragt man sich, wer so etwas unterstützen möchte. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die ganze Kampagne gegen Windräder am Breitnauer Kopf mit einem zahmen Auerhahn anfing, gefolgt von Unwahrheiten und Unterstellungen. Mir stellt sich hier die Frage, wer da wen hinter’s Licht führt oder in deren Sprache "wer da wen verar….!" Lucia Böhler, Münstertal

Blinder Aktionismus

Zum Beitrag "Allgemeines Plädoyer für erneuerbare Energien" (BZ vom 15. Januar) schreibt eine Leserin:

Es ist unerträglich! Im Flyer zum Klimavortrag und auf Plakaten übernimmt man sehr überzogene Prognosen von Enercon und täuscht der Bevölkerung völlig unrealistische Einspeisungen vor. Für die Firmen zählen die Euros, die dank EEG-Geldern und Bezahlung auch ohne Einspeisung reichlich fließen. Auch große Worte des EWS-"Stromrebellen" aus dem Publikum, der sich sehr wissend gibt und kurzerhand wichtige Punkte zum Tabu erklärt, überzeugen mich nicht. Dass auch seine Frau mit Suggestivfragen auftritt, um den blinden Aktionismus in Münstertal zu schüren, macht es nicht besser. Die Belastung von Umwelt und Klima für Herstellung, Transport und Aufstellen der Anlagen bleibt ebenfalls unbeachtet. Fazit: Die tatsächlichen Erträge im windschwachen Schwarzwald sind das Opfer nicht wert und vor allem: Sie helfen nicht dem Klimaschutz! Karina Schlupf, Münstertal Enercon zahlt Gutachten
Zum Beitrag "Vortrag zur Windenergie lockt viele Münstertäler an" (BZ vom 19. Januar) schreiben drei Leser:
"Ich bin neutral" – so der renommierte Hydrologe Professor Goldscheider auf der Veranstaltung der Bürgerinitiative Pro Windkraft. Der informative und sachliche Vortrag beleuchtete die geologischen Untergründe des Breitnauer Kopfes. Von den Veranstaltern wurde am Ende keine Diskussion zugelassen, wer wollte, der konnte im kleinen Kreis Fragen an den Referenten stellen. Warum das so gehandhabt wurde? Es wäre spannend zu erfahren, wie groß an diesem Abend die Gruppe derer war, die finanzielle und wirtschaftliche Interessen mit der Errichtung von Windrädern verbindet. Professor Goldscheider wäre für eine Diskussion bereit gewesen. Auf meine Frage nach dem Auftraggeber der Untersuchung stellte sich heraus, dass die Enercon, also die Firma die die Windräder bauen will, das Gutachten in Auftrag gegeben hat. Warum wurde das nicht zu Anfang klargestellt? Auch wenn Enercon keinen Einfluss auf die Ergebnisse der Untersuchung genommen hat und auch wenn die Bezahlung für das Geowissenschaftliche Institut nur einen Zustupf darstellt, wie Professor Goldscheider glaubwürdig versicherte, Neutralität oder Objektivität oder Unabhängigkeit von wissenschaftlichem Arbeiten stelle ich mir anders vor. Spätestens bei der Bewertung der Risiken wird deutlich, dass die Ergebnisse so wertneutral nicht sind. Angesichts eines Worst-Case-Szenarios kann man auch zu anderen Einschätzungen kommen. Die geplanten Windräder sollen genau auf dem Grat und genau auf der Grenze zwischen den Schutzgebieten 2 und 3 stehen. Eine unbemerkte oder ungemeldete Treibstoff-Havarie eines Baufahrzeugs: Wie schnell können maximal 800 Liter Diesel in Klüften versickern und wie schnell und tiefschürfend kann ein Bagger hartes Gestein abtragen? Es wäre nicht das erste Mal, dass behauptete technische Beherrschbarkeit durch menschliche Unzulänglichkeiten ad absurdum geführt wird.

Ingeborg Lambert-Sennrich, Badenweiler

Quellen umso wichtiger
Professor Goldscheider als Fachmann für Hydrologie hat wahrscheinlich seine Auftraggeber nicht voll befriedigen können. Auch er konnte keine Garantie für die Sicherheit der Brandenquelle übernehmen. In den letzten Wochen war die These vertreten worden, dass die Hauptgefahr für die Quelle der Klimawandel ist. Aber gerade wenn die Schüttung der Quellen nachlässt, wird es um so wichtiger, möglichst viele Quellen zu haben. Dann ist es noch fahrlässiger, eine so wichtige Quelle für die Windenergie zu opfern. Windenergie ist im Überschuss vorhanden, Trinkwasser nicht!
Otto Schelb, Münstertal

Gefälligkeitsgutachten
Im Vortrag von Professor N. Goldscheider wurde das Gutachten des Instituts für Geowissenschaften am KIT zur Sicherheit der Staufener und Münstertäler Trinkwasser-Quellen erläutert. Das Gutachten bezog sich, so der Referent, auch auf die älteren Gutachten, wie etwa von der Firma Hydrodata (siehe Internetseite der Gemeinde Münstertal). Negative Folgen durch den Bau der Windkraftanlagen auf dem Breitnauer Kopf wurden nicht gesehen. Man sollte allerdings wissen, dass der Auftrag für das Gutachten offenbar vom Enercon-Konzern kam und Hydrodata den Auftrag von der Windpark GmbH Bremen erhielt. Da kommt einem doch spontan das alte Sprichwort "Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing’" in den Sinn. Ich halte es letztendlich für unverantwortlich, auf dem Breitnauer Kopf trotz aller Risiken bei Bau und Betrieb etwa 240 Meter hohe Industrieanlagen zu erstellen und es macht mich traurig, wie eine "magische Landschaft" zweifelhaften wirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Dieter Kohlhepp, Münstertal

Wachstumswahn stoppen

Zur Debatte um die geplanten Windräder in Münstertal und zur Windkraft im Allgemeinen schreiben zwei Leser:

Auf der Bühne von "Klimaretter Windkraft" zeigt es sich: Unsere Politik macht Versprechungen auf Klimagipfeln, am Ende ist Angst und schlechtes Gewissen beim verantwortungsbewussten Bürger – jedoch versäumt man völlig, grundlegendste Regelungen zum Klimaschutz endlich anzupacken. Die da wären: Tempolimit auf Autobahnen, Verteuerung von SUV-Spritfressern, mehr Belohnung für Energiesparer, Verringerung von Flugverkehr in äußerst klimasensibler Höhe und ausartendem Kreuzfahrtentourismus auf den Weltmeeren, Förderung langlebiger Geräte und Produkte, Minderung übermäßiger Logistik samt Schweröl verbrennender Frachtschifffahrt und vieles mehr. Unpopuläre Maßnahmen, die man nicht anpacken möchte – aber das ist notwendig. Wir leben über unsere Verhältnisse und müssen von diesem Wirtschaftswachstums-Wahn mit steigendem Ressourcenverbrauch dringend ablassen. Man opfert dem Profit alles und erwartet vom Bürger, dass er selbst für die Einhaltung politischer Gipfel-Versprechungen gerade steht – oder zumindest für unrentable Windräder im windschwachen Schwarzwald stimmt … unfassbar!
Silvia Wedmann, Staufen
Das Fähnchen im Wind
Es wird Zeit, dass ein zehnjähriger Kampf mit dem Bürgerentscheid jetzt hier im Münstertal, zumindest für die nächsten drei Jahre, zu Ende geht. Die Bürger wissen hoffentlich klar, wo sie am Wahlsonntag das Kreuz machen sollten. Nach soviel Polemik und veröffentlichten Unwahrheiten fällt es schwer, die Übersicht und den richtigen Weg zu einem besseren Klima zu finden. Interessant war , dass sich das Wahlkampfthema ständig geändert hat. Zuerst war es die Umzingelung des Münstertales mit bis zu 17 Windrädern. Dann war es der Landschaftsverbrauch von 36 Fußballplätzen, die für die Windparks benötigt würden. Dann hätte es das ausgesetzte Auerwild verhindern sollen (zahme Auerhühner/Hähne). Jetzt sprechen wir über das Wasser. Auf der Breitnau wird seit hunderten von Jahren Landwirtschaft betrieben. Noch nie kamen Kolibakterien seitens der Landwirtschaft in unser Trinkwasser. Was jedoch vorkam, waren Verunreinigungen durch Wildschweine die in und außerhalb der Quellgebiete unser Wasser verunreinigten. Unsere Kulturlandschaft hat sich seit der Ansiedlung der Landwirtschaft hier im südlichen Schwarzwald ständig verändert. Kaum vorzustellen, dass man auf dem Belchengipfel heute noch einen Kahlhieb durchführen könnte, so wie er vor ein paar hundert Jahren am Belchen einmal durchgeführt wurde, um mehr Weideland für die Landwirtschaft zu schaffen. Das Münstertal ist eine Flächengemeinde mit fast 7000 Hektar und müsste sich verpflichtet fühlen, auch einen Beitrag zum erneuerbaren Energiepotential beizusteuern. Mit den beiden geplanten Windrädern kann fast die doppelte Menge Strom produziert werden, wie sie die Gemeinde im Moment verbraucht. Warum zögern wir noch?

Wolfgang Eckerle, Münstertal