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16. Juli 2012

Leserbriefe

SPIELERPASSVERGEHEN

Treten Sie zurück Herr Rendler!
Zum Streit um den Punktabzug für den SC Kuhbach-Reichenbach und die darauf folgende Diskussion.

Zunächst möchte ich mich für den hervorragenden Kommentar von Ihrem Redakteur Wolfram Köhli vom 6. Juli zu diesem Thema bedanken. Hier sprach ein Fachmann auf dem Gebiet des Lokalsportes mit einem gesunden Menschenverstand, den er bei den Verantwortlichen im Fußballbezirk leider vermisst hat, oder den es offensichtlich nicht gibt. Er hat sicherlich vielen ehrenamtlich Tätigen aus der innersten Seele gesprochen. Hätten diesen Kommentar mehr Vertreter beim Bezirkstag vorher gelesen, wäre die Abstimmung mit Sicherheit anders verlaufen. Vielen Dank, Herr Köhli.

Und nun zu Ihnen, Herr Rendler. Sie haben sich mit dem Gedanken des Rücktritts beschäftigt? Aber warum denn? Kamen Ihnen etwa Zweifel an Ihrer Entscheidung? Oder kam doch noch ein Funke gesunder Menschenverstand bei Ihnen durch? Vielleicht durch den oben erwähnten Kommentar eines Fachmannes? Der erste Gedanke ist bekanntlich immer der beste. Treten Sie zurück. Das bringt dem SC Kuhbach-Reichenbach natürlich die Punkte nicht zurück. Aber dafür vielleicht einen Nachfolger mit einem gesunden Menschenverstand, der im Interesse der Vereine handelt und nicht einer, der nur stur und engstirnig seine Paragraphen sieht.

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Sie hatten keine andere Wahl? Das ist lächerlich. Ich möchte dazu ein vergleichbares Beispiel anführen. Ich werde von der Polizei angehalten, weil mein Rücklicht nicht brennt. Ein klarer Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung, das kann mich eine gebührenpflichtige Verwarnung kosten. Es gibt aber auch Polizisten, die mir die Gelegenheit geben, innerhalb 24 Stunden das Auto mit repariertem Licht vorzufahren. Ohne Verwarnung, und die Polizisten verstoßen dabei nicht gegen das Gesetz. Ihnen kann das natürlich nicht passieren, weil Sie, wie das Gesetz es fordert, bei jedem Start um das Auto herumgehen und das Licht kontrollieren als gesetzestreuer Autofahrer.

Wie Sie sicherlich wissen, hat auch jeder Strafrichter, nach genauer Prüfung der Sachlage, einen Ermessensspielraum bei der Höhe der auszusprechenden Strafe. Sie scheinbar nicht, dazu gibt es ja die Paragraphen. Ich erinnere mich ungern an vergangene Zeiten in Deutschland, als Menschen streng nach Vorschrift und damals geltenden Gesetzen gehandelt und viel Unheil dabei angerichtet haben. Diese Menschen haben sich darauf berufen,
nur nach dem Gesetz gehandelt zu haben und waren sich später keiner Schuld bewusst. Ich glaubte, wir hätten aus der Geschichte gelernt.

Aber beim Bezirkstag gab es doch noch jemand, der einen gesunden Menschenverstand zeigte. Herr Müller hat in seinem Leserbrief ausführlich dargestellt, nach welchen Paragraphen der Bezirkstag ablaufen muss. Ein ganzer Wust von Bestimmungen, es scheint, als werde es beim nächsten Bezirkstag einige Bestimmungen mehr geben. Beabsichtigt ist, Raucherpausen und vielleicht auch Pinkelpausen während des Bezirkstages per Paragraph zu untersagen. Auch wer den Raum verlässt, soll in der nächsten Runde mit einem Minuspunktekonto starten. Es wäre doch gelacht, wenn dieser Paragraph nicht auf die Beine gebracht werden kann. Aber dann wurde doch noch ein Paragraph umgangen. Herr Müller kam dem SC Kuhbach-Reichenbach nach langem Überlegen bei der Staffeleinteilung entgegen. Die Staffeleinteilung war doch schon gelaufen. Welche Großzügigkeit. Ist das überhaupt legal, Herr Rendler? Da wird es doch um Himmelswillen einen Paragraphen geben, der dies regelt. Hoffentlich kein Verstoß?

Und zum Schluss ein Wort zum Schiedsrichter, der den Stein ins Rollen brachte. Wie Herr Köhli feststellt, lässt die Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass auch er schon einmal den Spielerpass in seinen Händen hatte. Wo waren da seine Argusaugen? Kannte er damals noch nicht die Paragraphen? Ich habe mich mit Schiedsrichtern unterhalten, die uns schon mehrfach gepfiffen haben und die diese Sache anders gelöst hätten, nämlich mit gesundem Menschenverstand. Gott sei Dank gibt es diese. Das gibt mir Mut, für die schönste Nebensache der Welt, den Fußball, trotzdem optimistisch in die Zukunft zu sehen.

Aber nicht wenn für diesen Schiedsrichter dieser Vorfall die erste Treppenstufe auf dem Weg zum Funktionär im Fußballbezirk Offenburg darstellt. Solche Leute werden gebraucht. Eigentlich hätte er gute Chancen, denn er kennt ja die Paragraphen und hat keinen gesunden Menschenverstand.

Hubert Beck, Reichenbach

Autor: Hubert Beck, Reichenbach