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06. September 2010

Immer mehr Modemacher entdecken die Tracht

Alltagstaugliche Naturstoffe für Kinder und das Zusammenspiel von Tradition und Avantgarde für die Damen.

  1. Kim Schimple mit Tracht Foto: DPA

  2. Bauernbluse aus Breitnau Foto: BZ

  3. Trachtenschmuck: Susanne Frigge Foto: Frigge

LANDKLUFT FÜR KINDER

Sonja Weis ist in ihre Heimat zurückgekommen. Die 38-Jährige ist in Breitnau im Schwarzwald geboren und lebt jetzt wieder dort. Sie genießt das Leben in der Natur und wollte, dass ihr siebenjähriger Sohn und ihre vierjährige Tochter auch im Schwarzwald aufwachsen. Weil Sonja Weis zudem Modedesignerin ist, kam sie vor knapp einem Jahr auf die Idee, für ihr Label "e1nzelstück" ländliche Kleidung für Kinder zu entwerfen. Im vergangenen Winter gestaltete sie eine erste kleine Kollektion. In diesem Sommer hat sie erstmals Geschäfte in Freiburg und Hinterzarten beliefert. Basis der Entwürfe mit dem Oberthema "Landkluft" sind Bauernblusen aus Stoffen mit Streifen oder Vichy- Karos, verziert mit Biesen, Borten oder Applikationen. Dazu hat die Designerin T-Shirts, Tücher, Bodys und Häkelmützchen entworfen – gefertigt werden die Stücke von Kleinstbetrieben in der Region. "Ich will keine Massenware herstellen", sagt Weis. Das hat auch seinen Preis; knapp 60 Euro kostet eine handgefertigte Bauernbluse für die Kleinen.

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Auf die Idee mit der Kindermode ist Weis gekommen, weil sie als junge Mutter mit dem Angebot nicht zufrieden war. Die Kinderkleidung sei oft abgehoben und nicht alltagstauglich oder von schlechter Qualität, so Weis. Für ihre Kollektion benutzt sie nur Naturstoffe.

Sonja Weis sieht die Arbeit für ihr Label als ihren Zweitjob. In erster Linie ist sie Mutter. "Als Freiberuflerin kann ich Kinder und Arbeit jetzt gut vereinbaren. Das macht viel Spaß", erzählt Weis. Nach der Schule hat sie eine Schneiderlehre gemacht, danach ließ sie sich an der staatlichen Modeschule in Stuttgart ausbilden. Anschließend war sie unter anderem bei Modefirmen wie Hugo Boss und Portofino angestellt. "Eine Festanstellung in der Branche wäre mit zwei Kindern nicht zu vereinbaren gewesen. Durch meine Arbeit jetzt werde ich zwar nicht reich, aber dafür glücklich", sagt die Frau aus Breitnau.
– Die Kollektion gibt es in den Geschäften Schwarzundwald, Rathausgasse 12, Freiburg, und Kuck-Guck, Erlenbruckstraße 3, Hinterzarten.
     
UNIKATE UM DEN HALS

Susanne Frigge hat, während sie in Badenweiler lebte und arbeitete, modernen, schlicht-eleganten Schmuck designt. Ornamente und verspielte Zierde waren ihre Sache nie. Der Umzug nach Traunstein hat das verändert. "Hier sind die Menschen sehr authentisch volkstümlich." Sie tragen ihre Tracht, ihr Gwand, täglich und selbstverständlich, hat die Goldschmiedin bemerkt – und beschlossen, sich an Trachtenschmuck zu versuchen. "Der Spagat war, Schmuck zu machen, der modern ist, aber zur historischen Tracht passt." Frigge begann mit aus Silberplaketten ausgestanzten Hirschen, die sie auf samtene Kropfbänder setzte. Bald kamen Perlen oder Edelsteine hinzu, aus den samtenen Bändern wurde französische Borte. Dann entdeckte die Goldschmiedin, dass kleine Porzellanteilchen mit Rosen oder grafischen Ornamenten, in Silber oder Gold gefasst, als Anhänger an Ketten auch sehr gut in das Thema passen. Das Porzellan findet Susanne Frigge auf Flohmärkten oder im Antiquariat – und dann kann es sein, dass sie ein ganzes Service kaufen muss, um den Knopf auf dem Deckel einer Kaffeekanne zu bekommen, den sie will. "Ich sehe das Detail im Porzellan und weiß bereits, wie das Schmuckstück aussehen wird," schildert Susanne Frigge.

Der Fülle an Material sind bei der 45-Jährigen keine Grenzen gesetzt: "Ich nehme das, was passt," sagt sie – und fertigt daraus lauter Unikate. Die verkauft sie nicht nur in ihrer neuen bayerischen Heimat – sondern bundesweit über das Internet oder auf Messen. Weil sie nicht nur zur Tracht passen, sondern auch zum T-Shirt oder zur Bluse. SCHWARZWALDTRACHT
Kim Schimpfle hat sich mit ihren ausgefallenen und dennoch tragbaren Kleidern einen Namen über Freiburg hinaus gemacht. Mit ihrem Label Courage hat sich die Autodidaktin über Jahre einen festen Kundenstamm aufgebaut. Nun begibt sich die 35-Jährige zum ersten Mal in die industrielle Fertigung. Das Projekt heißt "Schwarzwald Couture", Premiere hatte die Kollektion vor einer Woche bei der Trachtenmodemesse in Salzburg.

Warum dieses zweite Stand- oder Spielbein? Kim Schimpfle reizt das Zusammenspiel von Tradition und Avantgarde. Dabei will sie Tracht auf keinen Fall imitieren, sondern lediglich Elemente von ihr aufgreifen. Das, was von der Tradition übrig bleibt, ist nicht meist viel – und das ist gut so. Nie wirken die trachtigen Elemente aufdringlich, krachledern oder übertrieben. Also nicht das Partyoutfit für das Oktoberfest, sondern Mode für jeden Tag: Ob weiße Wäschespitze, schwingende Dirndlröcke, die mit angedeuteten Pettycoats verblüffen, ob knappe Shorts mit traditionellen Eichenlaub-Taschen oder taillenkurze Jäckchen mit Puffärmelchen – die feinen Details fallen oft erst bei näherem Hinsehen auf.

Die Umsetzung ist stets leicht und spielerisch, nie spießig oder bieder. Und, so hofft Kim Schimpfle, auch international verständlich. "Tracht gibt mir ein Alleinstellungsmerkmal."

Weitere Informationen:      http://www.e1nzelstueck.de      http://www.susanne-frigge.de      http://www.schwarzwaldcouture.de

Autor: Laetitia Obergföll