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03. August 2012

Lieber Judo als Menschenrechtsfragen

Der russische Präsident Wladimir Putin schaut in London vorbei / Er interessiert sich vor allem für die Olympischen Spiele.

  1. Wladimir Putin (links) erklärt dem britischen Premier David Cameron die Regeln beim Judo. Foto: AFP

LONDON. Als überwiegend privaten Besuch betrachtete Moskau den Blitztrip Wladimir Putins an die Themse. Der russische Staatspräsident, der Sport liebt und selbst ein Judo-Champion in seiner Heimat war, wollte sich die Aktion bei den Olympischen Spielen in London nicht entgehen lassen. Folglich ließ sich Putin für Donnerstag einen Platz bei den Judo-Wettkämpfen reservieren. Vorher erklärte er sich bereit, schnell dem britischen Premierminister David Cameron in der Downing Street seine Aufwartung zu machen. Immerhin hatte er London das letzte Mal vor neun Jahren, noch zu Zeiten Tony Blairs, einen Besuch abgestattet.

Für die britischen Gastgeber war es ein etwas delikates Zusammentreffen. Natürlich suchte Regierungschef Cameron dem Gast den kurzen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Er erklärte sich sogar bereit, ihn in die Judo-Halle zu begleiten – solange beide "nur als Zuschauer, nicht als Teilnehmer" dorthin gingen. Vorab sollten aber auch ein paar strittige Themen besprochen werden. Vor allem wollte Cameron Putin dazu drängen, in Sachen Syrien westlichen Vorstellungen entgegenzukommen – und nicht länger zusammen mit China neue UN-Beschlüsse zu blockieren. Sehr viel näher kamen sich die beiden Politiker in dieser Frage allerdings nicht. Letztlich, räumte Cameron ein, gehe man noch immer von sehr unterschiedlichen Positionen aus – wiewohl Einigkeit darüber herrsche, "dass wir beide ein Ende dieses Konflikts und ein stabiles Syrien sehen wollen". Sein Dialog mit Putin, meinte Cameron, sei offen, konstruktiv und ernst gewesen. Dass es zu diesem Dialog überhaupt gekommen war, wurde in London schon einmal positiv bewertet. Denn gereizt ist das Verhältnis zwischen Russland und Großbritannien lange genug gewesen. Die radioaktive Vergiftung des Exil-Russen Alexander Litvinenko in London, im Jahr 2006, hat die Beziehungen nachhaltig belastet. Moskau hat sich bis heute geweigert, den Hauptverdächtigen der Briten, den Ex-Agenten Andrej Lugovoi, nach England auszuliefern. Auch bei anderen Verfahren mangelt es an Zusammenarbeit.

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Von Putin-Kritikern wie von vielen Außenpolitikern des Foreign Office wird Putin als Politiker mit autoritären Tendenzen eingestuft. Als jüngster Beweis dafür gilt der Skandal um die Punk-Frauengruppe Pussy Riot, deren drei Mitglieder zur Zeit in Russland vor Gericht stehen. Auch Cameron brachte das Thema offenbar zur Sprache. Putin war allerdings wenig gewillt, sich seinen Nachmittag von Menschenrechtsgerangel kaputtmachen zu lassen. Was den russischen Gast vor allem interessierte, war, wie sich die russischen Sportler schlagen würden.

Autor: Peter Nonnenmacher


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