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05. Juli 2012

Lieder aus dem Kloster, stille Bilder – Kontrast pur

Robert Eugler, Bühnenbildner der Carmina Burana, stellt aus.

EMMENDINGEN. Das Publikum horchte auf. "Sie hörten ein Lied aus dem Kloster Benediktbeuren," sagte Sparkassen-Regionaldirektor Klaus-Dieter Sauer nach dem fulminanten musikalischen Auftakt zur Ausstellung "Sternsäulen aus der Carmina Burana", die am Mittwochabend in der Kundenhalle der Sparkasse eröffnet wurde. Diese mitreißend-feurigen Klänge – und ein Kloster? Ja, denn in Benediktbeuren wurden zur Zeit der Säkularisierung jene mittelalterlichen Lied- und Gedichttexte entdeckt, die Carl Orff seinem Klassiker zugrunde legte. Und Werner Englert, Musiklehrer am GHSE und Leiter der privaten Musikschule Musiclab, ließ dieses klassische Werk neu entstehen.

Das geht auf ein Schulprojekt von 1996 zurück, erzählte Englert: Die Schüler wünschten sich alte Musik in der Musiksprache von heute. Die Carmina Burana bot eine Steilvorlage, das Ergebnis mit Schüler- und Lehrerband wurde allein fünfmal in Emmendingen als Open Air aufgeführt. 2011 dann erfolgte eine weitere Verdichtung: Acht Solisten, Lehrer oder Ehemalige des Musiclab, ersetzen den großen Chor; gestern Abend boten sie mitreißende Appetithäppchen. "Unser Traum ist eine Welttournee", verriet Englert.

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Die Carmina Burana prägt ein ebenso archaischer wie weltlicher Bezug zur Natur; der Jahresrhythmus steht auch für die kosmische Ordnung. Die zwölf Säulen aus dem Bühnenbild symbolisieren die zwölf Sternzeichen und die Verbindung von Himmel und Erde. Sie ragen solide in der Schalterhalle auf, unübersehbar. Robert Euglers Bilder dagegen hängen hoch oben an den Betonträgern der Halle und bilden ein sanftes Farbspiel – der Kontrast könnte nicht größer sein und doch hat beides derselbe Künstler geschaffen.

Wie fremde Gestalten aus einer anderen Welt wirkten sie in der Sparkasse, die zwölf Sternsäulen, meinte die Kunsthistorikerin Yvonne Ziegler. Die Säulen sind im Halbkreis angeordnet, beginnend mit dem Widder als Frühlingspunkt. Die Sternzeichen an den golden schimmernden, strukturierten Säulen charakterisieren bizarr geformte Äste, Adlerfedern, ein Kalebasse oder eine getrocknete Melone. Ziegler erklärte diese künstlerische Nutzung des Naturmaterials mit Euglers Biografie: Vor seiner künstlerischen Ausbildung in Freiburg und Karlsruhe absolvierte er eine Ausbildung als Gartenraumgestalter.

Auch Farbe sei für Eugler etwas Stoffliches, Elementares, erklärte Ziegler. Und so sind seine Sterne nicht einfach weiß auf schwarz, sondern sie bestehen aus Leuchtpigmenten. So plakativ die Säulen, so dezent sind die Bilder. Ein Schimmer Farbe auf weißem Grund: Aus der Nähe würde der Betrachter die unterschiedliche Durchlässigkeit der Ei-Tempera-Farben erkennen. Doch die Bilder thronen hoch über ihm, scheinen monochrom und ändern doch schon beim Weitergehen ihre Farbe und Intensität, je nach Lichteinfall und Distanz. Es sei gewagt, solche Bilder an einem Ort der Geschäftigkeit zu zeigen, forderten sie doch die Fähigkeit des Verweilens, meinte Ziegler. Doch vielleicht seien sie gerade deswegen ein still ruhender Gegenpol zum Umtrieb in der Kundenhalle. Also bitte hochschauen!

Sternsäulen der Carmina Burana, bis 25. Juli täglich in der Sparkasse am Marktplatz

Autor: ja