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10. Februar 2012

Auf leisen Pfoten

Der Dubliner Verlag Ithys Press hat aus einem Joyce-Brief an den Enkel ein "Kinderbuch" gemacht.

Ein neu entdecktes Werk des irischen Schriftstellers James Joyce (1882 – 1941) veröffentlicht? Ein Kinderbuch, von dessen Existenz die Welt nichts wusste? So ähnlich preist ein jüngst gegründeter Verlag in Dublin "Die Katzen von Kopenhagen" an, die er jetzt mit einem Fanfarenstoß herausgebracht hat. Das 40-Seiten-Opus soll "das etwas jüngere Zwillingsschwesterchen" der Joyce-Geschichte "Die Katze und der Teufel" sein, die seit 1957 auf dem Markt ist. Der Verlag Ithys Press bietet den Neuling in 170 durchnummerierten Spezial-Exemplaren zu je 300 Euro und in 26 mit den Buchstaben des Alphabets markierten Super-Deluxe-Exemplaren zu je 1200 Euro an.

Der Coup ist in der Zürcher James-Joyce-Stiftung freilich auf wenig Begeisterung gestoßen. Ein Freiexemplar aus Dublin hat die Stiftung ausgeschlagen. Kein Wunder: Sie fühlt sich vom Ithys Verlag kräftig an der Nase herum geführt. Die nun so teuer verkaufte "Kindergeschichte" geht nämlich auf einen speziellen Brief in ihrem Dokumentenschatz zurück. In diesem Schreiben an seinen Enkel Stephen hatte Joyce 1936 während eines Dänemark-Aufenthalts dem Vierjährigen seine kleine Katzenstory erzählt. Eine Kopie des Briefes hatte sich Ithys-Verlegerin Anastasia Herbert von der Stiftung besorgt. Die Stiftung gewährt Forschern Einblick in ihre Joyce-Dokumente. Sie verbietet aber einen Abdruck ohne besondere Genehmigung.

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"Völlig im Dunkeln" sei man gehalten worden und übel getäuscht, klagt nun die Stiftung bitter. Frau Herbert findet, man solle sich in Zürich mal nicht so haben. Das Copyright für Joyces Werk sei ja Anfang dieses Jahres ausgelaufen – 70 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers. Die Stiftung habe kein Recht, "Die Katzen von Kopenhagen" in ihren Archiven zu begraben. Der Ithys-Verlag begreift sich also als eine Art Freiheitsbewegung für unterdrückte Texte. Oder als eine Selbstbedienungs-Guerilla der Wohlbetuchten in Dublin. Sie hat außer dem erschlichenen Joyce-Text bloß einen einzigen anderen Titel (über "Liebe und Neugier") im Programm – und wenig Interesse daran, ihre "Katzen" mehr als 200 reichen Kunden zugänglich zu machen.

Autor: Peter Nonnenmacher