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22. März 2010

Dank an die Quitte

Der Paula-Rombach-Preis ging an drei junge Lyriker.

Die Lyrik war von jeher der Deutschen liebstes Kind. Und wer hätte sich noch nie einem Gedicht versucht, das dann irgendjemand sehr passabel fand. So nimmt es nicht wunder, dass die Ausschreibung für den diesjährigen Paula-Rombach-Literaturpreis zur Gattung Lyrik den vier Juroren die Rekordzahl von 116 Einsendungen bescherte. Zum dritten Mal wurde nun der im zweijährigen Turnus ausgelobte und mit 5000 Euro dotierte Preis im Haus zur Lieben Hand der Universität Freiburg vergeben. Gestiftet hat ihn der Verleger Andreas Hodeige zu Ehren seiner Großmutter Paula Rombach, Mitgründerin der Badischen Zeitung und des Freiburger Rombach Verlags.

Beteiligt an der Ausschreibung und beratend tätig ist die Universität Freiburg, namentlich das deutsche Seminar, vertreten durch die Professoren Achim Aurnhammer, Günter Schnitzler und die Teilnehmer ihres Oberseminars "Literaturkritik". Das Engagement der Studenten ist zu begrüßen, richtet sich der Preis doch ausschließlich an Studierende, Bedienstete und Alumni der Universität Freiburg. Jeweils fünf Gedichte konnte jeder Teilnehmer einreichen, von denen mindestens drei den Juroren (Achim Aurnhammer, Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Günter Schnitzler und Bettina Schulte) als literarisch interessant ins Auge fallen sollten.

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Anleihen bei Hofmannsthal und George

Eine Vorliebe fürs Traditionelle stellte Aurnhammer in seiner Eröffnungsrede fest: Odenform, Variationen des mittelalterlichen Tageliedes, Anleihen beim hohen Ton eines Hugo von Hofmannsthal und Stefan George. Auch in der Metaphorik dominierten überkommene Motive: Sonne, Mond und Sterne seien beliebte Begleiter, so der Literaturwissenschaftler, der drei thematische Schwerpunkte ausmachte: Liebe, Vergänglichkeit, Identität. Drei Einsender konnten die Jury am Ende überzeugen: Johannes Kaiser, 51, Schulleiter in Villingen, und Ines Berwig, 26, Studentin, teilen sich den ersten Preis. Ein zweiter Preis wurde an Klaus Digel, 22, ebenfalls Germanistikstudent, vergeben, dessen "eigenwillige Wiederbelebung des Naturgedichts aus der Perspektive der Erinnerung" Anerkennung fand. Da darf schon mal ein Gedicht mit den Worten "Danke liebe Quitte" enden. Johannes Kaiser überzeugte die Jury mit rhythmisch harten, beklemmenden Versen in alemannischer Mundart ("Beschriibig vo miinere Chammer"), während Ines Berwig mit lakonischen Mitteln Angstvisionen zu erzeugen wisse ("wenn ich den Kopf in den Ofen stecke weiß ich: hier bin ich sicher"). Eine akustische Kostprobe der prämierten Poeme lieferte nach der Preisverleihung durch Rektor Hans-Jochen Schiewer die Rezitationsgruppe "Laut&Lyrik" des Deutschen Seminars. Die fünf jungen Sprecherinnen und Sprecher unter Leitung von Wilfried Vogel verliehen den Texten mit chorischem und szenischem Sprechen zusätzlichen Reiz. Insbesondere Berwigs Gedicht "Kopflos" gewann im exzellenten lautmalerischen Vortrag eine ungeheure Prägnanz – die der geschriebene Text so denn doch nicht hat.

Autor: Stefan Tolksdorf