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16. Mai 2009

"Du schmeißt dein Leben weg, weil es dir egal ist"

In seinem Buch "Rausch und Terror" erzählt Bommi Baumann vom Zusammenhang von Drogen, "bewaffnetem Kampf" und Krieg

  1. In den 60ern Haschrebell, heute Ex-Terrorist: Bommi Baumann Foto: pr

Schon 1975 erschien eine erste persönliche Bestandsaufnahme. In seinem Buch "Wie alles anfing" erzählte Bommi Baumann die Geschichte der "Bewegung 2. Juni". Obwohl sich Baumann darin vom Terrorismus lossagte und kurz nach Gründung der "terroristischen Vereinigung" 1972 nach Asien entschwand, wurde das Buch verboten, heute ist es ganz legal im Handel erhältlich. Wie sein aktuelles Werk "Rausch und Terror", das einen globaleren Bogen spannt und nichts verherrlichen will: "Dieses Buch ist allen Drogentoten gewidmet", heißt es an exponierter Stelle, damit von vorneherein keine Missverständnisse aufkommen.

Natürlich macht es den zwiespältigen Reiz von "Rausch und Terror" aus, dass da einer aus dem Nähkästchen plaudert, einer der einiges er- und überlebt hat. "Plaudern" ist wörtlich zu nehmen, in lockerem Stil hat Koautor Christof Meueler das Buch gehalten. Fast als würde Baumann am Tresen sitzen und auf die Frage antworten, warum er denn nur Tee trinke, erzählt er von den Anfängen Mitte der 60er in Berlin, als der gelernte Betonbauer zu den langhaarigen "Gammlern" gehörte und die Welt verändern wollte, als Drogen für die Befreiung der Menschheit unabdingbar waren – und das genaue Gegenteil dabei herauskam: die Welt in den Fängen des Drogenkapitalismus und der eigene Körper fast zerstört.

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Das "und", die lose Verbindung zwischen "Rausch und Terror", kommt nicht von ungefähr. Die Beziehungen sind vielschichtig. Teilweise sehr lustig sind die Aktionen des "Zentralrates der umherschweifenden Haschrebellen" und die wahnwitzigen Drogenexperimente im damals noch braven und biederen West-Berlin, doch das Enthemmende der Drogen, die immer härter wurden, mündete in Allmachtsphantasien, die Rebellion eskalierte im bewaffneten Kampf, das Heroin sorgte für bewusstlose Gelassenheit. Aus Spaß wurde Ernst. "Der bewaffnete Kampf ähnelt dem Konsum von harten Drogen: Du schmeißt dein Leben weg, weil es dir egal ist." Nachdem der Freund und Mitstreiter Georg von Rauch von der Polizei erschossen wurde, flüchtete Baumann ins Exil und in die Illegalität, bis er 1981 in London gefasst wurde und für fünf Jahre ins Gefängnis musste.

Der sogenannte Hippie-Trail bewegte sich zwischen Istanbul, Teheran und Delhi, Peschawar, Goa und Bombay: "Die Grundregel Asiens lautet: Wo Moslems sind, da sind auch Drogen." Baumann steckte mittendrin, der Schmuggel von (Super-)Haschisch sorgte fürs Einkommen. Hier ist das Autobiografische angereichert mit einem Abriss der asiatischen Drogenkultur, die mit der Verbreitung von Heroin vor die Hunde ging: Wo Krieg ist, da sind auch harte Drogen und umgekehrt, lautet die einfache Formel spätestens seit Vietnam, seit Nixons heuchlerischem "war on drugs". Die Illegalität schafft eine Parallelwirtschaft, den Drogenkapitalismus, der nicht nur den Terror finanziert.

Kriegsschauplatz Afghanistan: Wo früher das beste Haschisch wuchs, operiert heute die Bundeswehr: am Hindukusch. In den Tribal Areas, im Niemandsland zwischen Pakistan und Afghanistan, werden heutzutage 90 Prozent des weltweiten Heroins produziert, dort bekämpft nun die pakistanische Armee ganz offiziell die Taliban. Der analytische Teil von "Rausch und Terror" klingt nicht weniger haarsträubend als der autobiografische, die Lösung utopisch: das Heroin legalisieren.
– Bommi Baumann: Rausch und Terror. Rotbuch, Berlin 2008. 233 Seiten, 17,90 Euro. Lesung von Bommi Baumann und Co-Autor Christof Meueler, Freiburg, Swamp, Talstr. 90, Mo, 18. Mai, 21 Uhr.

Autor: Joachim Schneider