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07. Mai 2010
"Viele Leute wollen schöne Ausgaben"
BZ-INTERVIEW: Ulrich Pröfrock von der Freiburger Buchhandlung X für U über die vergangenen 25 Jahre im Comic-Geschäft.
Im Juni 1985 wurde in Freiburg die Comic-Fachbuchhandlung X für U eröffnet. In den 25 Jahren seither hat sie nicht nur den Standort zweimal gewechselt, von der unteren Bertoldstraße an den Rathausplatz und dann in die Rempartstraße, sie hat auch die Wandlungen des Comic-Marktes in Deutschland mitgemacht. Mit Inhaber Ulrich Pröfrock (54) sprach Thomas Steiner.
BZ: Herr Pröfrock, wann mussten Sie sich das letzte Mal eine Bemerkung wie "Das ist doch Schund" anhören, wenn Sie erzählt haben, dass Sie Comics verkaufen?Ulrich Pröfrock: Och, die gab es schon lange nicht mehr, die Zeiten sind vorbei. Seit zehn Jahren kommt das höchstens noch als Gag.
BZ: Der Comic ist anerkannt als respektable Kunst?
Pröfrock: Er wird wahrgenommen als Teil der Unterhaltungsliteratur wie vieles andere auch. Seit auch in den Feuilletons regelmäßig Artikel über Comics erscheinen, ist klar, dass das mehr ist als Knollennasen-Männchen.
BZ: In den 25 Jahren hat sich die Comic-Landschaft sehr verändert – in Stichworten: vom US-Underground-Comic zum japanischen Manga.
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BZ: Wie ist es mit Comics von deutschen Zeichnern, ist das mehr geworden?
Pröfrock: Die Deutschen sind eher im grafisch erzählerisch angelegten Comic ein Faktor geworden, da gibt es eine ganze Reihe von Zeichnern, die international beachtet werden. Zum Beispiel Martin TomDiek, Anke Feuchtenberger oder Uli Oesterle, der dieses Jahr beim Comicfestival in Angoulême, einem der wichtigsten der Welt, mit seinem "Hector Umbra" in der Endauswahl zum Comic des Jahres war. Witzigerweise war in der Auswahl ein zweiter Deutscher, der hier zu Lande kaum bekannt ist: Jens Harder mit seinem Buch "Alpha". Er wurde bisher mit einer Ausnahme nur in Frankreich verlegt.
BZ: Auch die Form, in der Comics verlegt werden, hat sich in den vergangenen 25 Jahren geändert: vom Heftchen über die Alben zu gebundenen Graphic Novels.
Pröfrock: Da wird mittlerweile eine ganz andere Preisebene von vielen Lesern akzeptiert, die mit Comics groß geworden sind und heute in Lohn und Brot stehen. Für die sind Comics Teil ihrer Lektüre und da möchten sie schöne und dauerhafte Ausgaben haben. Es macht auch für die Verlage Sinn: Von vielen Titeln lassen sich nur noch relativ kleine Stückzahlen verkaufen. Wenn ich nur mit 800 verkauften Exemplaren bei einem Album rechnen kann, dann rechnet sich die Produktion eher, wenn ich ein Hardcover mache. Die Herstellungskosten sind nicht so viel mehr, aber ich kann im Preis drei, vier Euro höher gehen, weil das Kunden sind, die das annehmen.
BZ: Was ist denn derzeit das Teuerste in Ihrem Laden?
Pröfrock: Eine französische Ausgabe des Autors Céline, vom prominenten Zeichner Jacques Tardi illustriert. Die hat der berühmte Gallimard-Verlag zusammen mit einem kleinen renommierten Comicverlag in einer Auflage von nur 50 Stück verlegt. Jedem Exemplar liegt eine Originalgrafik von Tardi bei, das kostet dann 1500 Euro.
BZ: Das ist ja echtes Kulturgut. Und was ist das Billigste in Ihrem Sortiment?
Pröfrock: Das geht im Antiquariat bei 50 Cent los. Und bei der Neuware bei 2,50 Euro für ein Simpsons-Heft.
BZ: Wenn man sich im Laden umschaut, stehen da sehr viele Neuerscheinungen. Kommt der Händler noch hinterher?
Pröfrock: Nein. Und das ist ein Riesenproblem. Wenn man alles zusammenrechnet, gibt es fast 2000 Comic-Neuerscheinungen im Jahr in Deutschland. Das ist absurd viel für einen Markt, der zwar größer ist als früher, aber immer noch verhältnismäßig klein im Vergleich zu anderen Ländern. Für uns bedeutet das, dass wir im Gegensatz zu früher schon mal gar nicht mehr alles lesen können. Und wenn wir, wie früher, alles Lieferbare vorrätig haben wollten, bräuchten wir jeden Monat zwei Regalmeter mehr. Das geht bei unserer Fläche nicht.
BZ: Was geht denn in Freiburg gut? Gibt es Unterschiede zu anderen Städten?
Pröfrock: Verblüffende Unterschiede, die ich mir nicht erklären kann. Ich habe einen gut befreundeten Kollegen in Osnabrück, das auch eine Universitätsstadt ist. Wenn wir zum Beispiel Lewis Trondheim sehr gut verkaufen, dann gehen bei ihm nur wenige Exemplare. Dafür verkauft er im Fantasy-Bereich zwei- oder dreimal so viel wie wir. Warum? Ich weiß es nicht.
GRATIS-COMIC-TAG: TOM KOMMT
Nach US-amerikanischem Vorbild veranstalten deutsche Comic-Verlage und -Händler am Samstag, den 8. Mai, den ersten Gratis-Comic-Tag. Es werden 30 Comics im Heftformat gratis verteilt, um potenziellen Lesern das Spektrum des Marktes zu zeigen. Die Freiburger Buchhandlung X für U hat zusätzlich den Cartoonisten Tom eingeladen, dessen Touché-Strips auch in der Badischen Zeitung gedruckt werden. Er wird von 12 bis 14 und von 15 bis 18 Uhr Knollennasen-Männchen nach Wunsch der Kundschaft zeichnen.
Autor: tst
Autor: tst
