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12. Februar 2010
Von bedeutsam bis kurios
Der langjährige Kulturmanager von Frankfurt, Hilmar Hoffmann, hat ein Buch über die Museen links und rechts des Mains verfasst.
Hilmar Hoffmann ist wieder auf der Bühne – und erneut mit einem Buch. Es heißt wie sein Lebenswerk: "Das Frankfurter Museumsufer". Wer könnte diese einzigartige blühende Museumslandschaft besser beschreiben als der Mann, der als Kulturdezernent in der Stadt des Geldes zwanzig Jahre (1970 bis 1990) die Geschicke von Kunst und Kultur gesteuert hat – nicht nur in der Hochkultur mit Oper, Schauspiel, Alter Oper oder so weltberühmten Museen wie Städel, Liebighaus, Schirn Kunsthalle. Sein Standardwerk "Kultur für alle" (1979) beweist es. Dass das Stadtparlament dem Kulturmanager zu seiner Zeit als Stadtrat zur Verwirklichung der teuren Museumsträume die nötigen Millionen bewilligte – zähneknirschend, aber immer einstimmig, wie er betont –, war jedoch nicht immer selbstverständlich.
Und ohne den politischen Wechsel im "roten Frankfurt" 1977 hin zur CDU mit Walter Wallmann als Oberbürgermeister wären die hochfliegenden Ideen des Sozialdemokraten von einem Museumsufer rechts und links des Mains ein Torso geblieben. Denn die Genossen dachten eher an das ebenfalls viel Geld verschlingende Soziale denn an das Kulturelle, frei nach Bertolt Brecht: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Kultur." Wallmann darf somit durchaus – neben dem Initiator – auch als Vater des Museumsufers bezeichnet werden. Dabei hat Hoffmann die Gründung neuer und den Ausbau alter Museen immer auch als Ergänzung zur ästhetischen Erziehung wie der musischen Bildung in den Schulen betrachtet, die er nach wie vor für defizitär hält. Heute investiert Frankfurt elf Prozent seines Haushalts in die schönen Künste, so viel wie keine andere deutsche Stadt pro Einwohner.
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Mittlerweile kann der Grandseigneur der deutschen Kulturpolitik, der in diesem Jahr 85 Jahre alt wird und der ob seiner Erscheinung mit dem wallenden weißen Haupthaar schon mit Goethe verglichen wird, stolz auf "sein" Museumsufer blicken. Er hat ihm jetzt auf 448 Seiten ein persönliches Denkmal gesetzt. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) nannte Hoffmann bei der Vorstellung des Buches lobend einen einst "bezirzenden Kulturdezernenten". Doch noch müsse er "nicht ins Museum". In der Tat, Hoffmann scheint vital und angriffslustig wie eh und je. Petra Roth sieht in ihm und Walter Wallmann die "kulturgeschichtlichen Entwickler" des modernen Frankfurts.
Hoffmanns Buch über "Das Frankfurter Museumsufer" ist mehr als nur eine Aneinanderreihung der bedeutendsten Kulturinstitute, von denen sich dreizehn, wie an einer Perlenschnur aufgezogen, in unmittelbarer Nähe zum Mainufer befinden und fast 30 unter dem Dach "Museumsufer Frankfurt" firmieren. Insgesamt zählt der frühere Kulturmanager 70 Häuser auf, viele von internationalem Rang wie das Städel, das Museum für Moderne Kunst – hier gilt das architektonisch einzigartige Gebäude selbst bereits als Kunstwerk –, das Architekturmuseum oder das Museum für Angewandte Kunst. Doch die Vielfalt in Frankfurt machen auch Häuser wie das Filmmuseum oder Kuriositäten wie das "Caricatura – Museum für Komische Kunst" und das privat betriebene Erotikmuseum "Venusberg Bar" aus, zudem mehrere Institute zur Geschichtsvermittlung wie das Historische Museum, das Jüdische Museum oder das Museum der Weltkulturen, die von Hoffmann ausführlich beschrieben werden.
Dabei vermittelt das Buch nicht nur einen Überblick über einzelne Häuser, sondern ist zugleich ein Nachschlagwerk, das durch die "biographischen Notizen" etlicher Museumsdirektoren noch an Wert gewinnt. Hoffmann lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass für ihn die Entwicklung nicht abgeschlossen ist.
– Hilmar Hoffmann: Das Frankfurter Museumsufer. Societäts-Verlag 2009, 448 Seiten, 19,90 Euro.
Autor: Heinrich Halbig
