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30. Mai 2009
KRIMINALROMANE: In der Army oder tot
Suhrkamp bringt eine neue Krimireihe heraus
Hin und wieder mogelten sich Krimis in das Programm des Verlags, der in Wissenschaft, Literatur und Philosophie Historisches geleistet hat. Nun will Suhrkamp offensichtlich auch etwas vom großen Krimi-Kuchen abhaben und startet eine eigene Abteilung mit zwei, drei Veröffentlichungen pro r Monat. Die ersten Bücher lassen darauf schließen, dass sich die Noch-Frankfurter in keiner Weise vom Krimigeschehen hierzulande abheben wollen. Schon das Design schwankt zwischen Retro-Chic und schrill, passt sich damit dem an, was en vogue ist. Auch inhaltlich lässt sich keine Linie erkennen. Was "Der deutsche Freund" des Autorenduos Christian Dorph/Simon Pasternak und Kathryn Miller Haines’ "Miss Winters Hang zum Risiko" gemeinsam haben, ist der Papierverbrauch: Beide Schmöker sind über 450 Seiten dick. Und beide Debüts sind als Reihen angelegt: Offensichtlich setzt Suhrkamp auf Leserbindung.
"Miss Winters
Hang zum Risiko"
Dabei liest sich Haines’ Ausflug in das New York des Zweiten Weltkriegs ganz hübsch. Schnoddrig und gewitzt erzählt die junge Schauspielerin Rosie Winter aus ihrem Alltag zwischen Broadway und Off-Broadway, Gelegenheitsjobs, Vorsprechen, dem Darben als Zweitbesetzung, Lebensmittel- und Energierationierung, von verrückten Regisseuren und aufgeblasenen Kolleginnen. Ein Haufen Mädels tummeln sich da, sie alle wohnen in der gleichen Pension, Schauspieler scheint es so gut wie keine zu geben. Die Männer sind Schläger, blöde Bullen, größenwahnsinnige Theaterdichter, in der Army oder tot, wie ihr Chef, der Detektiv Jim McCain. Der war einem geheimnisvollen Theaterstück auf der Spur, bis er stranguliert im Schrank hing. Liegt quasi in der Natur der Sache, dass nun Rosie und Freundin Jayne dem vermaledeiten Manuskript hinterher sind – und nicht nur sie. Kann man mögen, muss man aber nicht.
"Der deutsche Freund"
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Nichts und niemanden zu mögen gibt es in "Der deutsche Freund". Arg gebeutelt schon die ermittelnden Polizisten: Ein junger Vater, der sich als Schwuler geoutet hat und keiner mehr sein will, der andere verliert seine Frau an Krebs und bandelt mit einer Schönheit an, die er verhaftet hat, die dritte kämpft mit einem gewalttätigen Ex-Mann, der das Kind verprügelt. Konfrontiert wird dieser hochexplosive Haufen mit einem bestialischen Ritualmord an einem reichen Bauunternehmer in einem unheimlichen Schwulenclub. Schlaglichtartig – laut Buchdeckel – soll das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts erhellt werden: Pädophilie, Nazi-Seilschaften, Kalter Krieg, türkische Kinderschlepperbanden, verrückt gewordene Grönländer und noch mehr Elend, Gestank und Gewalt packen Dorph/Pasternak in ihr Debüt, als wär’s das Normalste der Welt gewesen 1979 in Dänemark. Seltsam. Es bleibt spannend, wie es mit den Suhrkamp-Krimis weitergeht, zumal der Mai mit Don Winslow auch einen großen Kriminal-Schriftsteller zu bieten hat.
– Christian Dorph/Simon Pasternak: Der deutsche Freund. Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2009. 463 Seiten, 9,95 Euro.
– Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko. Aus dem Amerikanischen von Kirsten Riesselmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2009. 488 Seiten, 9,95 Euro.
Autor: Joachim Schneider
