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21. Juli 2012
LESETIPP
EINE REISE IN DIE BITTERE NOT VON DAMALS
Ideal wäre ein ausgedehnter Urlaub irgendwo in Dänemark. Oder im Süden Skandinaviens. Am idealsten die Insel Bornholm, das Capri des Nordens. Dort hat Martin Andersen Nexø in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Kindheit verbracht, aber es war keine, die ihn entfernt die heute vom Tourismus gepriesenen Vorzüge dieses Eilands hätte erleben lassen. Die bittere Armut der einfachen Landbewohner und Gelegenheitsarbeiter, mit einem Wort: der Besitzlosen, prägte Dänemarks bedeutendsten Arbeiterschriftsteller und machte ihn zum bedingungslosen Sozialisten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übersiedelte. Trotzdem ist sein vierteiliger, gut 1300 Seiten starker, bekanntester Roman "Pelle der Eroberer" gerade für die Tage der Muße eine überaus spannende Lektüre. Man gräbt sich tief ein in diese scheinbar so ferne Welt der permanenten Existenznöte des Titelhelden, der nach der bitteren Not auf dem Land als Kind und Jugendlicher in der Hauptstadt Kopenhagen die Unterdrückungen des nackten Kapitalismus erfahren muss. Allein Pelle lässt sich nicht unterkriegen, begründet das Gewerkschafts- und Genossenschaftswesen und verliert nie seinen Glauben an das Gute im Menschen. Vor allem bleibt er immer der Natur nah. Diese Mischung von Entwicklungsroman, Sozialkritik und Naturerleben macht "Pelle der Eroberer" vielleicht gerade heute zu einer besonders lehrreichen und spannenden Lektüre. Und lässt einen wieder ein ganz klein wenig bescheiden werden.
– Martin Andersen Nexø: Pelle der Eroberer. Aus dem Dänischen von Mathilde Mann. Aufbau Verlag, Berlin 1996. 1306 Seiten, 20 Euro.
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Autor: Alexander Dick, Kulturredaktion



