Franz Dobler

LESESTOFF: Mehr Milieustudie als Krimi

Annette Hoffmann

Von Annette Hoffmann

So, 29. Juli 2018

Literatur & Vorträge

Wenn am Ende von Franz Doblers Roman "Ein Schlag ins Gesicht" Robert Fallner die Klingelmelodie seines Handys ändert, wird es ein guter Tag gewesen sein. Fallner, Protagonist von Doblers erstem Kriminalroman "Ein Bulle im Zug" ist mittlerweile ausgestiegen, doch fast wünschte man ihm, er wäre der Bahn nie untreu geworden. Zumal er bei seiner neuen Stelle als Sicherheitsmann in der Firma seines Bruders auf noch viel zweifelhaftere Fortbewegungsmittel zurückgreifen muss. Nun hat er nicht nur im Dienst einen Menschen getötet, sondern ist auch Ex-Bulle und schlimmer noch Ex-Freund von Jacqueline. Und der Fall, mit dem sein Bruder ihn betraut, ist ziemlich vertrackt. Ein ehemaliges Pornosternchen – Fallner kennt Simone Thomas noch aus dem Streifen "Die Satansmädels von Titting" – wird auf rabiate Weise gestalkt. Fallners Arbeitshypothese: Es gibt einen guten und einen bösen Stalker und dann muss da noch jemand sein, der Thomas richtig übel mitspielt. Gut möglich aber, dass da der Ex-Bulle schon ein bisschen wirr ist. Denn die Schauspielerin mag ihre besten Zeiten in den 70er Jahren gehabt haben, aber ihr Sex-Appeal reicht noch aus, Fallner den Kopf zu verdrehen. Auch wenn Jacqueline natürlich schmerzlich vermisst wird. Ihre schicksalshafte erste Begegnung fügt Franz Dobler als Bonusmaterial an. Wie auch über vier Seiten Quellenhinweise. Ist ja auch zu schön, wenn zwei Menschen einander derart zärtlich zugetan sind, wenn sie auch sonst, auf den Roman hin gesehen, nicht so nett miteinander umgehen.
"Ein Schlag ins Gesicht" ist sprachlich hardboiled, auf der erzählerischen Seite jedoch ein raffiniertes Bezugssystem unterschiedlichster Genres. Dobler nimmt auf den Film noir Bezug, auf den Sex-Film, es finden sich Anspielungen auf Jörg Fauser und Heimito von Doderer und natürlich auf Musik. Und schließlich ist der Roman, in dem ungezählte Male ins Gesicht geschlagen wird, auch eine Milieustudie, die München von einer sehr rauen Seite zeigt. Zwischen High und Low wird kein Unterschied gemacht, das Spiel mit Referenzen drängt den Fall in den Hintergrund. Spannend ist nicht das Stalken, auch wenn es bei der Auflösung sehr menschelt. Sondern Doblers Auseinandersetzung mit Genres. Es ist übrigens Enrico Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod", was Fallner nicht mehr hören kann.Annette Hoffmann
Franz Dobler, Ein Schlag ins Gesicht, Heyne Hardcore, Stuttgart 2016, 348 S., 10,99 Euro.
Lesung: Samstag, 4. August, 21.30 Uhr (Einlass ab 20 Uhr) Spechtpassage (Wilhelmstraße 15/1) Freiburg, im Rahmen von "Unter Sternen".

Tags zuvor liest Thomas Gsella bei "Unter Sternen" zu gleicher Zeit am gleichen Ort "Das Allerbeste aus 50 Jahren".