Der Engel fliegt rückwärts

Christa Maier

Von Christa Maier

Di, 30. Januar 2018

Löffingen

Ein engagiertes Team hat sich im Vorfeld mit der Reiselfinger Kirche auseinandergesetzt und darüber ein Faltblatt erstellt.

LÖFFINGEN-REISELFINGEN. Die erste Veranstaltung zum Dorfjubiläum aus Anlass des 800-jährigen Bestehens hat Reiselfingen mit dem Neujahrsempfang der Stadt bereits hinter sich. Das Jubiläum gibt Anlass zur Feier, aber auch eine Gelegenheit, sich mit der Geschichte der Kirche und des Glaubens der Menschen auseinanderzusetzen. Dies hat ein engagiertes Team um Elli Fuß, Heike Fuß, Roswitha Glunk, Pia Kaltenbrunn, Clemens Knöbel, Christel Vogt und Martin Weber getan und darüber ein Faltblatt erstellt.

Darin wird die Geschichte der Pfarrkirche St. Fridolin seit der erstmaligen Erwähnung 1275 bis zur Bildung der aus allen Löffinger Pfarreien bestehenden Seelsorgeeinheit im Jahre 2005 aufgerollt. Der bewegten Vergangenheit der Glocken, der Orgel und der Turmuhr sind gesonderte Kapitel gewidmet. Etliche Bilder ergänzen die Broschüre.

Beim Fotografieren des von Hofmaler Franz Josef Weiß im Jahre 1771 erstellten Deckengemäldes, das bei einer Generalsanierung 1959 übermalt und im Jahre 2002 bei einer weiteren Kirchenrenovation wieder freigelegt wurde, fiel Martin Weber etwas auf, was schon kurz nach der Fertigstellung die Gemüter erregte: Der Flügel eines abgebildeten Engels ist falsch herum gemalt. "Wir haben die einzige Kirche, in der ein Engel rückwärts fliegt", kommentiert Clemens Knöbel die Darstellung launig. Auch die Hände von Maria sind etwas unharmonisch geraten.

Die Darstellung der "unförmigen Bilder" müsste nachgebessert werden, verlangte damals das zuständige Amt in Löffingen. Es kam zu hitzigen Anschuldigungen, und letztlich entsandte Fürst Josef Wenzel (1762 – 1783) eigens einen Gutachter nach Reiselfingen. Am Ende entschied der Landesvater zu Gunsten des Hofmalers: die Überarbeitungen fanden nicht statt. Soweit die Recherchen des Kirchenteams, das nach Aussage von Christel Vogt vor allem im Archiv des Freiburger Ordinariats fündig wurde.

Eine Zusammenfassung der Kirchengeschichte wird man auf einer Tafel festhalten, die rechtzeitig zum Patrozinium am 10. und 11. März an der Außenwand der Kirche angebracht wird. Das Programm für das zweitägige Kirchenfest steht: Demnach wird am Samstag, 10. März, um 19 Uhr in die Pfarrkirche zu einem von Marc Kaltenbrunn organisierten Konzert mit fünf verschiedenen Musikgruppen eingeladen.

Die Eröffnung übernimmt der Inklusionschor unter Leitung von Annette Scherzinger. Neben Susanne Foucault, auf der Laute spielt, bereichern Olga B. mit Walzer, Klezmer, Filmmusik und klassischen Stücken das Konzert. Zudem sind Blechbläser sowie Kirchenmusiker Andreas Rütschlin zu hören. Rütschlin ist mit Andreas Bratek befreundet, der den Auftritt als Dank für die gute Aufnahme in Reiselfingen nach seiner Ausreise aus der damaligen DDR sponsert. Die Konzertbesucher erwartet zudem vor und nach dem Konzert eine Lasershow mit alten Kirchenbildern. Der Eintritt ist frei, eine Spendenkasse steht jedoch bereit.

Der Sonntag, 11. März, beginnt um 9.30 Uhr mit einer heiligen Messe in der Pfarrkirche, zelebriert von Erzbischof Stefan Burger und Dekan Eugen Dannenberger. Umrahmt wird der Gottesdienst vom Musikverein und dem Kirchenchor Bachheim.

Eine Übertragung in die Dietfurthalle ist geplant. Eine Sakramentsprozession in althergebrachter Weise, also mit den Figuren von St. Fridolin und der Maria sowie mit gelb-weiße Fähnchen tragenden Kindern, mit Musikverein und Feuerwehr schließt sich an.

In neuem Glanze wird dabei die Monstranz erstrahlen, die von Goldschmiedemeister Markus Probst unentgeltlich gereinigt und überholt wurde. Danach wird zum Suppensonntag bei Kartoffel- und Nudelsuppe in die Dietfurthalle eingeladen.

Um 13.30 Uhr und um 15 Uhr sind Kirchenführungen geplant. Im Pfarrhaus ist eine Ausstellung über alte kirchliche Gegenstände, die auf dem Dachboden des Pfarrhauses, im Schneekreuz und in diversen Häusern gefunden wurden.