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01. Juni 2010

DRK und Feuerwehr wollen Verletzte schonend befreien

Gemeinsame Übung soll technische und medizinische Rettung aufeinander abstimmen

  1. Das Autodach ist entfernt, jetzt kann das Spine-Board zwischen Patient und Sitz geschoben werden. Die patientenorientierte Rettung übten am Samstagvormittag Löffinger Feuerwehrleute und Rettungssanitäter auf dem Benz-Gelände. Foto: Christa Maier

LÖFFINGEN. Das Zusammenwirken technischer und medizinischer Rettung zur schonenden Befreiung Verletzter war Hintergrund einer spektakulären Übung von Einsatzkräften der Löffinger Feuerwehr und Rettungswache. An der "Patientenorientierten Rettung" eines Verkehrsunfallopfers am Samstagmorgen auf dem Benzgelände wirkten zudem Winfried Grohmann, Notarzt und Feuerwehrmann aus Wutach, sowie der Kommandant der Feldberger Feuerwehr, Markus König, mit.

Erstmals im Einsatz war ein "Spineboard", das die schonende Rettung unterstützt und ab sofort das Rettungsequipment der Feuerwehr ergänzt. "Hauptziel der Rettung ist es, die verunglückte Person in kürzest möglicher Zeit einer intensivmedizinischen Betreuung in einem Krankenhaus zuzuführen", unterstrich der stellvertretende Kommandant der Seppenhofer Feuerwehr, Stefan Oschwald, bei der theoretischen Einführung. Bis zur Einlieferung ins Krankenhaus sollte nicht mehr als eine Stunde vergehen. Über das Vorgehen – hier stehen schnellstmögliches Vorgehen, zügige Befreiung oder detailliertes Vorgehen unter Berücksichtigung aller Maßnahmen zur Wahl – entscheide allein der Notarzt.

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Nach den Erfahrungen von Winfried Grohmann ist es für den Patienten schon beruhigend, wenn eine Person – egal ob Feuerwehrmann oder Sanitäter –die Betreuung übernimmt. Dieselbe Stimme und derselbe Ansprechpartner hielten die Traumatisierung geringer. "Die Befreiung aus dem Fahrzeug macht den Patienten am meisten zu schaffen", weiß der Notarzt. Daher sei ein stilles und möglichst geräuscharmes Arbeiten erforderlich. Den jüngsten Einsatz an der B 31 mit drei eingeklemmten Verletzten in zwei Autos bezeichnete er als "Einsatz höchster Kategorie", aus dem alle etwas mitnehmen konnten. "Miteinander lernen zu kommunizieren ist Sinn der Übung" verdeutlichte Grohmann, der weitere Übungen mit gemischten Gruppen aus verschiedenen Wehren ankündigte.

Standardisierte Abläufe im ganzen Hochschwarzwald seien das Ziel, um die Zusammenarbeit und die Personenbefreiung so professionell wie möglich zu gestalten. "Eine Definition der Einsatzregeln wäre wichtig", sagte Christian Heizmann, der auf den "Wahnsinns-Wandel" im Bereich der Rettung hinwies.

Dann ging es an die Praxis: Das "Unfallfahrzeug" wurde unterbaut, die Scheiben abgeklebt und anschließend zersplittert. Mit Rettungsschere, Säge, Spreizer und Stempel bearbeiteten anschließend die zwölf Feuerwehrmänner das "Unfallauto", immer darauf bedacht, dass dem darin befindlichen Patienten keine weiteren Verletzungen oder zusätzliche Schmerzen zugefügt wurden. Nach dem Entfernen des Autodaches wurde das Spineboard zwischen Autositz und dem zwischenzeitlich stabilisierten Patienten geschoben. Mehrere Helfer zogen unter Anleitung des Spineboard erfahrenen Feldberger Kommandanten den Verletzten auf das Brett, das dann zusammen mit dem fixierten Patienten schonend aus dem Fahrzeug gehoben werden konnte. Dass ein vorsichtiges Agieren auch aus Gründen des Eigenschutzes sehr wichtig ist, wurde immer wieder betont. "Es gibt mittlerweile Autos, die haben 20 Airbags" weiß Feuerwehrmann Andreas Maier, der entsprechende Erfahrungen mit einem explodierenden Airbag im Einsatz machte. Noch fast eine halbe Stunde nach der Batterieunterbrechung könne eine Airbag-Auslösung erfolgen, so dass es wichtig sei, die Position der Airbags zu erkunden und zu kennzeichnen. Abgesehen von der unterschiedlichen Platzierung der Batterien, deren Suche den Einsatz hemme, stellen die modernen Kfz-Techniken auch neue Gefahrenquellen dar. So würden beispielsweise die entspiegelten Rückspiegel bei Zerstörung Gas ausströmen lassen, und die Hybrid- und Elektroautos mit Hochvoltelektronik an Bord können nach einem Crash die Helfer in enorme Gefahr bringen.

Autor: Christa Maier