Ein Abend mit vielen Zugaben

Heidrun Simoneit

Von Heidrun Simoneit

Mo, 10. Dezember 2018

Löffingen

Offene Bühne begeistert zum Ende der 800-Jahr-Feier mit Gesang, Sketchen und einem Rückblick auf Reiselfingens jüngere Geschichte.

LÖFFINGEN-REISELFINGEN. Es war der letzter große Auftritt der 800-Jahr-Feier: Mit einem langen Abend der Unterhaltung verabschiedeten die Reiselfingen die Festlichkeiten in ihrem Jubiläumsjahr. In der sehr gut gefüllten Dietfurthalle wurde viel Gesang geboten, sorgten Sketche für Vergnügen und gab es auch interessante Rückblicke. "Die offene Bühne ist für alle, die sich trauen. Jeder kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist", eröffnete Ortsvorsteher Martin Lauble den abwechslungsreichen Abend.

Die Akteure präsentierten ein Programm, das alle Besucher ansprach. Lautstarke Zugaberufe waren keine Seltenheit.

"In so einem kleinen Ort stand man immer unter Beobachtung", erinnerte sich der ehemalige Lehrer Berthold Müller. Der 76-Jährige hatte aus seinem großen geschichtlichen Fundus eine längst vergessene Zeit ans Licht geholt. Mit seiner spannenden Diashow dokumentierte er eine schulpolitische Entwicklung und die Entstehung der Dietfurthalle von 1964 bis 1986. Bilder, älter als 50 Jahre, inzwischen etwas verblasst, manchen fehlte die Schärfe, sorgten für volle Aufmerksamkeit und manches Erinnern und Erstaunen der in die Jahre gekommenen Reiselfinger. Als Müller 1964 als Volksschullehrer tätig wurde, gab es noch durchschnittlich 80 schulpflichtige Kinder im Ort. In einem Raum wurden die Klassen eins bis vier mit 45 Kindern unterrichtet. Im anderen Raum waren die Klassen fünf bis acht mit mehr als 30 Schülern untergebracht. 1966 wurde das neunte Schuljahr eingeführt. 1974 kam das Aus für die kleine Dorfschule. Die ersten beiden Klassen zogen nach Löffingen, die dritte und vierte Klasse wurde in Göschweiler unterrichtet – sie waren die ersten Fahrschüler.

Wie der Schulalltag damals gestaltet wurde, warum das Hallenbad nicht gebaut wurde, warum Müller, der damals über dem heutigen Thekenraum wohnte, plötzlich sein Domizil wegen des Hallenbaus verlassen musste, erläuterte der ehemalige Lehrer mit 50 Dias. Müller erinnerte sich gerne an die Zeit, den nahen Kontakt zu Eltern und Vereinen und verriet natürlich, was es mit der ständigen Beobachtung auf sich hatte: "Das war Pfarrer Walter, der gegenüber lebte und verborgen hinter einer Gardine vom oberen Fenster aus einen idealen Beobachtungsposten hatte. Der sah genau, wann ich nachts nach Hause kam, oder wen ich zu Besuch hatte." Heute lächelt Müller über derlei Eifer des Gottesmannes und bekennt: "Das war eine schöne Zeit."

Thomas Schwörer aus Bubenbach führte als De Schwö durchs Programm und zeigte zwischendurch seinen eigenen komödiantischen Unterhaltungswert.

Die Reiselfinger Landfrauen hatten sich ein Programm mit Musik und Dichtkunst ausgedacht. Dabei traten sie mit männlicher Verstärkung vor das von Steffi Ruf gestaltete Bühnenbild einer intakten ländlichen Idylle mit grünen Wiesen und heimeligem Holzhaus. Sie trafen mit ihren Volksliedern, die sie in spannende Geschichten verpackt hatten, den Geschmack des Publikums.

D’Ufezofer, eine entspannte Band mit gestandenen Musikern, die noch nie auf einer großen Bühne gestanden hatten, überzeugte mit Musik voller Kraftausdrücke, mit viel Humor und einem genauen Blick auf alltägliche Herausforderungen im manchmal schwierigen Eheleben. Themen wie Hausarbeit, Kranksein, Saunabesuch und Fremdgehen gefielen nicht nur den Besucherinnen.

Auch Funny Moon (Markus Gebhart und Uli Kaiser, beide aus Neustadt und schon bühnenerprobt) setzte gekonnt auf die Humorkarte. Kaiser, als naive Blondine in rosa Stiefeln, Gebhart zwischendurch als lüsterner Alter, zogen so manches Klischee durch den Kakao. Beliebtes Thema: die Frauen, das unbekannte Wesen. "Sie reitet stolz auf ihrem Besen, liebt Schmuck von Tiffany, will einen Traumprinzen", analysierte Gebhart. So unbekannt war ihm das weibliche Wesen an seiner musikalischen Seite aber gar nicht. Ob dreiwöchige Grünkohldiät oder der erfolglose Versuch, das geliebte blaue Auto in der Garage unbeschadet zu parken – auch dieses Duo kam nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Kollekte statt Eintrittskarte

Dabei präsentierten beide die turbulenten Geschehnisse rund um den abgesagten Neustädter Skisprung-Weltcup. "Weißt du, ich war da als Vorspringerin geplant", verriet die unsportliche Blondine, die vom Wintersport keine Ahnung hat, "der Generalsekretär hat gesagt, er fängt mich nach 145 Metern auf." Die Neustädter halten eben zusammen. Komme da geflogen, was wolle.

Gegen Mitternacht klang der Abend der offenen Bühne aus. Die Gäste konnten noch den eigens zum Jubiläumsjahr gestalteten Bierkrug erwerben, außerdem ging ein Klingelbeutel durch die Reihen, denn der Veranstalter hatte auf Eintritt verzichtet. Dann gab FasaMu alles, mit Schlagern und Volksliedern setzten die Reiselfinger Fasnetmusiker den Schlusspunkt der Veranstaltung.