Ein großes Vergnügen für die Kleinen

Christa Maier

Von Christa Maier

Do, 04. August 2016

Löffingen

Das Kinderkarussell vom Unadinger Musikfest feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag.

UNADINGEN. In den 1960er Jahren war es die Kinderattraktion schlechthin: Das Kettenkarussell, das der damalige Mechanikermeister und Gründer der Firma ERO-Führungen, Erich Rothweiler, in seiner Werkstatt baute. Und noch heute ist das achtsitzige Karussell der Renner bei den kleinen Festbesuchern des Musikvereins. Neben kleineren Reparaturen wurden bisher nur der Motor und die Ketten ausgetauscht, ansonsten befindet sich das Karussell auch nach 50 Jahren im Originalzustand.

Mit seinen außergewöhnlichen Einfällen überraschte Erich Rothweiler immer wieder. Vor allem die Unadinger Vereine hatten Nutzen von seinem Ideenreichtum und handwerklichem Geschick. Während seiner 25-jährigen Musikerlaufbahn baute er zusammen mit seinem Schwager Thomas Fehrenbach das von ihm konstruierte Kettenkarussell. Fast die ganze Familie wurde dafür eingespannt, erinnert sich Gretel Rothweiler, die Witwe des Tüftlers.

Der Pfarrer war anfangs nicht so begeistert

Neben Sohn Lothar trug auch Opa Karl Rothweiler sein Scherflein bei, indem er dem Karussell den heute noch rot-gelben Anstrich verpasste. Raumausstatter und Musikvereinsvorsitzender Hugo Ketterer verschönerte das Karussell mit rot-gelben Fransen-Markissen. "Ich hab mir einen Tag vor dem Fest beim Schweißen noch die Augen verblitzt", erinnert sich Thomas Fehrenbach noch gut.

Die Inbetriebnahme fand dann wie geplant am Bruderschaftsfest 1966 statt. Auf dem Brandplatz von Albert Meßmer in der Mauchachstraße 2 (ein Blitzschlag setzte 1960 das Gebäude in Brand) drehte sich das Karussell zur Freude der Kinder zum ersten Mal. "Pfarrer Hermann Litterst war von dem neuen Kettenflieger so gar nicht begeistert", weiß Ehrenbürger Hugo Ketterer. Der Pfarrer befürchtete, dass bei den Kindern künftig das Vergnügen über der Gottesehrfurcht am Kirchenfest steht. Beides ließ sich jedoch vereinbaren, wie er später zugab.

Beim Gartenfest des Musikvereins ein Jahr später wurde das Karussell dann wieder aufgebaut. Als Karussellbremser und -kassierer stellte sich der Musiker Paul Fehrenbach zur Verfügung. Zum Vergnügen, aber manchmal auch zum Leidwesen der Kinder und Eltern nahm er es mit den Drehminuten nicht so genau, so dass die Fahrzeitüberziehung den Fahrgästen nicht immer guttat. Seit 1967 ist das Karussell bei dem Gartenfest nicht mehr wegzudenken. Heute dürfen die Kinder gratis mitfliegen.

Es war übrigens nicht der einzige "fliegende Bau" (so werden technische Anlagen bezeichnet, die für eine bestimmte Zeit aufgestellt und dann wieder zerlegt werden) aus der Werkstatt des Konstrukteurs. An Fasnet 1972 bereicherten Rothweiler und seine Helfer den Umzug mit einem Riesenrad, das sich während der Fahrt durch die Unadinger Straßen drehte. Gleich sechs musizierende Personen in Frack und Zylinder ließen sich ständig in fast schwindelnde Höhe drehen.

Seine Spezialmaschinen, mit denen er und seine Fasnetkollegen Paul Wolf und Hans Meßmer von Haus zu Haus zogen, sind älteren Unadingern noch in lebhafter Erinnerung. Und zurück zum Gartenfest: Einige Jahre verzeichnete der Hähnchenverkaufstand des Musikvereins Rekordumsätze, denn auf dem Rothweiler-Grill konnten gleich ein Duzend Gickel gebraten werden. Der Unadinger Tüftler starb 2010 im Alter von 81 Jahren. Sein Kinderkarussell wird jedoch noch lange an ihn erinnern.