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04. August 2011

Taps soll herzkrankem Jungen helfen

Ein Ehepaar aus Donaueschingen spendet für Gabrijel einen Welpen / Das Teamcanin in Löffingen übernimmt die Ausbildung.

  1. Das war Liebe auf den ersten Blick: Noch ahnt der Welpe nichts, aber Gabrijel hat sich bereits für ihn entschieden. Foto: Heidrun Simoneit

  2. Matthias Mück versorgt Gabrijel und Bruder Danijel (rechts) mit Futter, um den Welpen zu locken. Foto: Heidrun Simoneit

LÖFFINGEN. Mit zehn Hunden kamen Ulrike und Hermann Gumpper aus Donaueschingen nach Löffingen. Mit Bestürzung hatten sie über das harte Schicksal des herzkranken Gabrijel Talevic in der BZ gelesen und sich spontan entschlossen: "Da helfen wir." Der Siebenjährige wurde mit einer Herzfehlbildung geboren (Hauptschlagader zum Herzen fehlt), ist ein Schwerstpflegefall, muss täglich bis zu 18 Stunden ans Sauerstoffgerät. Seine Eltern hatten sich an Hundetrainer Uwe Friedrich von Teamcanin gewandt und suchten einen Hund für ihr krankes Kind.

V Schlapp lagen fünf schwarze und drei hellbraune Welpen im Tanneneck in Dittishausen unter dem Tisch im Schatten und dösten. Nur ihre Eltern, Vater Danny (Golden Retriever) und Mutter Lenny (Labrador-Berner-Sennenhund), begutachteten die vielen Menschen um sie herum aufmerksam. Ein Hund könnte Gabrjiel in seinem mühsamen Alltag unterstützen, ihm ein Freund sein und sein Schicksal erträglicher machen. "Wenn ein Welpe passt, schenken wir ihm den", versprach Ulrike Gumpper und übergab Hundetrainer Uwe Friedrich den ersten Vierbeiner zum Test, von dem sie glaubte, der könne am besten geeignet sein. Auch Gabrijel hatte sich spontan für den Kleinen entschieden, der bei Gumppers auf den Namen Bubi getauft wurde: "Bei uns heißen sie alle erst einmal Bubi. Wir haben noch keine Namen verteilt."

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In der Halle wartete dann der wichtige Wesenstest auf Bubi. Zahlreiche Spielsachen und Hindernisse sollten zeigen, ob er sich ängstlich, zaghaft oder eher draufgängerisch und neugierig benimmt. Lange brauchte Friedrich nicht für sein Urteil: "Dieser Hund ist top. Er ist offen, menschenbezogen, beharrlich und motiviert. Den würde ich ohne Bedenken zum Drogen- oder Blindenhund ausbilden." Bubi interessierte die Beurteilung wenig. Er nutzte die Gelegenheit, in einen dunklen Tunnel zu schauen, auf einer Wippe zu balancieren und hinter dem Futter herzurennen. Diskussionen waren anschließend überflüssig. Dieser Hund sollte es sein, kein anderer, und er wurde es.

Ab dem 20. August beginnt für Taps die etwa neunmonatige Ausbildung. Matthias Mück, der bei Friedrich Trainer in Ausbildung ist, wird sich um Taps kümmern. Mück, stellvertretender Staffelleiter der Rettungshundestaffel Hochschwarzwald, besitzt selber zwei Labradore und kennt sich mit Welpen bestens aus: "Tagsüber sind wir im Hundezentrum, abends nehme ich ihn mit zu mir nach Hause. Bei mir kann er seine Flausen ausleben, auch mal zwicken." Seine eigentliche Aufgabe, das Alarmschlagen bei einem bestimmten Laktatwert, wird er von Friedrich erlernen. Wenn der Hund ihm seine Pfote aufs Bein legt, dann wüsste Gabrijel, jetzt braucht er Sauerstoff. Das Tier müsste eine bestimmte Laktat-Konzentration (ein Stoff, über den jeder Mensch verfügt) erschnüffeln. Der Vierbeiner könnte aber auch anstatt als Warnhund, als Assistenzhund dem Jungen zur Seite stehen und beispielsweise den Rollstuhl ziehen.

Etwa 20 000 Euro kostet die Ausbildung. 2000 Euro spendeten Besucher spontan beim großen Sommerfest, bei dem Anfang August auf das Schicksal des Jungen aufmerksam gemacht worden war. Auch Trainer Friedrich beteiligt sich an den Kosten. Die Eltern Talevic gründeten die Organisation Kämpferherzen und machen mit einer Homepage auf die schwere Krankheit aufmerksam.

Informationen zum gemeinnützigen Verein unter http://www.kaempferherzen.de

Autor: Heidrun Simoneit