100 Millionen Euro im Visier

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Fr, 17. November 2017

Lörrach

Lörracher Kreiskliniken peilen für 2018 einen Umsatzrekord an / Fusion mit "Eli" angelaufen.

LÖRRACH. Die Kliniken des Landkreises Lörrach wachsen, 2018 soll beim finanziellen Volumen erstmals die 100-Millionen-Euro-Grenze überschritten werden. Ausgebaut wird dieser Tage der Bereich für Schlaganfall-Patienten, außerdem ist die Fusion mit dem St. Elisabethen-Krankenhaus angelaufen.

Im Wirtschaftsplan für 2018 stehen 103,5 Millionen Euro an Gesamterlös. Nach Abzug der Personal- und Sachkosten bliebe ein Ergebnis von gut 1,1 Millionen Euro. Fast 4,9 Millionen Euro werden in die Instandhaltung investiert. Zugrunde gelegt werden bei der Kalkulation steigende Fallzahlen, mit 25 200 wären es rund 600 mehr als im Jahr 2016.

Auf Nachfrage von Kreisrat Willibald Kerscher (Unabhängige), ob dabei die Schließung des Krankenhauses in Bad Säckingen berücksichtigt worden sei, antwortete Kliniken-Geschäftsführer Armin Müller, das sei nicht möglich gewesen, denn als der Plan im August aufgestellt wurde, sei von der Schließung noch keine Rede gewesen. Allerdings verzeichnen die Kreiskliniken schon dieses Jahr etwas mehr Patienten aus dem Kreis Waldshut. Die Patientenzahlen aus dem Landkreis Lörrach sind indessen leicht zurückgegangen, so dass man davon ausgeht, dieses Jahr etwa die Patientenzahl von 2016 zu erreichen, nämlich rund 24 600.

Schon ab kommender Woche sollen in der Neurologie acht statt bisher vier Plätze für Schlaganfall-Patienten zur Verfügung stehen, so dass dieser Bereich der medizinischen Notfall-Versorgung künftig rund um die Uhr betrieben werden kann. Eine weitere Neuerung ist, dass die Firma Datamed verkleinert wird, die künftig Kliniken Lörrach Service Gesellschaft heißt und Mitarbeiter beschäftigt, die an die Kliniken ausgeliehen werden. Im Gegenzug stellen die Kliniken mehr Mitarbeiter direkt an.

Mehrleistungen werden nicht vollständig vergütet

Zu Unmut bei Patienten, Ärzten und Pflegepersonal führt immer wieder, dass Patienten fragen, warum sie schon nach Hause müssen, die Kostenträger aber mahnen, warum der Patient nicht schon längst nach Hause geschickt wurde. Hier wünscht sich Müller dringend eine Änderung der politischen Rahmenbedingungen, auch weil die gegenläufigen Einschätzungen einen höheren Dokumentationsaufwand erforderlich machen, von Missstimmungen ganz abgesehen. "Aber durch die Tatkraft aller Mitarbeiter werden wir auch im nächsten Jahr ein positives Ergebnis erreichen", sagte Müller. Die Kontrolle von Qualität und Mitarbeiter-Zufriedenheit sei ein fortlaufender Prozess, antwortete er auf Nachfrage von Wolfgang Roth-Greiner (FDP). Als ärgerlich bezeichnete es Müller aber, dass man von Kostenträgerseite für Mehrleistungen abgestraft wird, indem die Kliniken sie nicht vollständig vergütet bekommen. Der Bau des Zentralklinikums macht sich im Wirtschaftsplan noch nicht bemerkbar, weil da zu viel noch in der Schwebe ist, sagte Müller auf Frage von Paul Renz (CDU). Indessen ist der Prozess des Zusammenschlusses mit dem St. Elisabethenkrankenhaus schon angelaufen. Daraus ergeben sich bereits Synergien und finanzielle Verbesserungen, aber bis zum vollständigen Zusammenschluss seien noch viele Gespräche nötig, sagte Müller.

Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Schopfheim macht inzwischen keine Verluste mehr, für kommendes Jahr ist ein Überschuss von rund 30 000 Euro eingeplant. Damit würde sich der Bilanzverlust aus den Vorjahren auf 892 000 Euro reduzieren. Da die Kliniken-Gesellschaft als Mutter des MVZ haftet, ist es nicht nötig, ihn in der Bilanz des MVZ auszugleichen, antwortete Armin Müller auf Nachfrage von Artur Cremans (SPD), der feststellte, dass solche Versorgungszentren in Zukunft immer wichtiger würden.