Aberwitziges Versteckspiel des Dieners Truffaldino

rud

Von rud

Di, 14. November 2017

Lörrach

Bühneli-Ensemble erntet viel Applaus für "Diener zweier Herren".

LÖRRACH (rud). Begeisterten, langanhaltenden Applaus erntete das Bühneli-Ensemble am Samstagabend nach der Premiere des Lustspiels "Der Diener zweier Herren" von Carlo Goldoni für eine reife Leistung. Nach zweistündigem, aberwitzigem Versteckspiel wurden die Fragen beantwortet, ob der Titelheld mit heiler Haut aus den selbst verschuldeten Verwicklungen herauskommt und ob es für drei Liebespaare ein Happy End gibt.

Die eine gibt sich als ihr bei einem Straßenscharmützel getöteten Bruder aus, um ihrem Liebhaber nach Venedig zu folgen, die andere soll nach einer Absprache der Väter diesen scheinbar doch noch lebenden Bruder heiraten, hat sich aber unsterblich in einen anderen verliebt, und eine Zofe wird die Angebetete des Titelhelden, der aber erst einmal der Entdeckung, also dem Zusammentreffen seiner Arbeitgeber entkommen muss.

Das Stück kreist größtenteils um die Rolle des gefräßigen Dieners Truffaldino, der sich gleich zwei Herren andient, um seinen leeren Magen zu füllen – eine Glanzrolle für Rainer Sautter, der den Titelhelden im Wechsel mit Günther Geiser spielt und bei der Premiere dran war.

Mit Bravour verstand Rainer Sautter diese Rolle auszufüllen, brachte Briefe, Geldbeutel und Essensvorlieben seiner beiden Herren durcheinander und wickelte sie doch mit tumber Schläue immer wieder um den Finger. Die Liebespaare stürzte er vom Himmel in die Hölle und wieder zurück. Seine Spielfreude und sein beredtes Minenspiel trugen mit dazu bei, dass das Stück von Szene zu Szene an Fahrt gewann und sich auch dank des opulenten Bühnenbilds und der aufwändigen Kostüme zu einem farbenprächtigen komödiantischen Gemälde zusammenfügte.

Durch lebhaftes Spiel glänzten auch all die anderen Mimen: Katja Schmuck in der Hosenrolle der verkleideten Beatrice Rasponi, Felix Ebner als ihr Liebhaber Florindo, Vanessa Schneider als Blandina, Cristella Rank als Rodaura, Jannis Geiser als Silvio und Christina Rasch als Wirtin Tebalda.

Wäre Goldonis Komödie "Ein Diener zweier Herren" ein Spiel mit Masken, wie es in der Commedia del Arte im Italien des 17. Jahrhunderts üblich war, der Zeit also, in der der Autor lebte, verkörperte Truffaldino den Arlecchino perfekt. Venezianische Masken kamen bei der Bühneli-Inszenierung nichtsdestotrotz zum Einsatz, und zwar beim Kulissenumbau auf offener Bühne, denn Theaterleiter Günther Geiser hatte die Geschichte in die Zeit des Karnevals versetzt.

Das war aber bloß eine von mehreren witzigen Regieeinfällen. Geiser ließ es sich nicht nehmen, als Gondoliere Luigi am Bühnenrand entlang zu paddeln und das Publikum zu begrüßen. Er bedankte sich für 20 Jahre lange Treue und lud zur Feier dieses Bestehens zu einem Imbiss in der Pause ein.

Im zweiten Teil ließ Geiser in einem turbulenten Streitgespräch zwischen Kaufmann Pandolfo (Franz Hartmann) und Dottore Lombardi (Peter Stölzer) den Letzeren dem Souffleur das Textbuch entreißen, um seinen Gegenpart von der Richtigkeit einer Behauptung zu überzeugen. Entrüstet stürmte daraufhin Karlfrieder Geiser in die Szene, um sich sein Manuskript wiederzuholen.

Wieder einmal garantiert ein Besuch im Theater an der Brombacher Straße vergnügliche, entspannte Stunden und gute Unterhaltung.