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11. März 2009 18:13 Uhr

Amoklauf: Reaktionen aus Lörrach

"Ängste der Schüler ernst nehmen"

Der Amoklauf an einer Realschule in Winnenden stimmt auch in Lörrach Lehrer und Schüler traurig und nachdenklich. Mit Krisenteams, Gedenkminuten und Gesprächen wollen die meisten Schulen ihre Schüler jetzt auffangen.

  1. Foto: Bastian Brinkmann

Seit der Amokdrohung eines Schülers, die im Dezember 2006 Angst an Baden-Württembergs Schulen ausgelöst hatte, hat sich viel bewegt: Krisenteams und -pläne wurden für den Ernstfall eingerichtet. Wie sie mit der Betroffenheit der Schüler umgehen, müssen die Schulleitungen jedoch nach wie vor selbst entscheiden.

"Wir sind gerade dabei, uns zu überlegen, welche Worte wir an die Schüler richten", sagte Hubert Bernnat vom Hans-Thoma-Gymnasium gestern Nachmittag. Bereits um kurz nach 15 Uhr saß er mit seinem Stellvertreter an den Formulierungen der Durchsage, die er für heute Morgen geplant hat. Schon in der Pause nach Bekanntwerden der Nachricht hatte er seine Lehrerkollegen über den Amoklauf informiert. Und er formulierte sofort die E-Mail an das Krisenteam der Schule. Vor etwa zwei Jahren wurde das Team aus Schulleitung, Beratungs-, Verbindungs- und Religionslehrern gebildet. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder, um die Kommunikationswege zu überprüfen, so dass jeder immer erreichbar ist. "Es geht darum, dass wir schnell ein Team zusammen haben, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen", erklärt Bernnat. Außerdem gibt es enge Kontakte zu Polizei, Feuerwehr und Landratsamt, falls wirklich mal etwas passiert. Im Moment sei es das Wichtigste, das Thema im Unterricht aufzugreifen und die Ängste der Schüler wahr- und vor allem ernst zu nehmen. Konkrete Schutzmaßnahmen für einen Amoklauf an der eigenen Schule hält Bernnat nicht für sinnvoll: "Wir sind eine offene Schule. Der Schutz kann nur aus der Gesellschaft heraus geschehen."

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Schulleiter Klaus Boos hat an der Theodor-Heuss-Realschule hingegen nach der Amok-Drohung von 2006 eingeführt, dass kein Klassenzimmer mehr ohne Schlüssel betreten werden kann, auch nicht während des Unterrichts. Zudem soll die Schule nun wieder häufiger nach Unterrichtsbeginn abgeschlossen werden. Erst vor einer Woche hatte das Krisenteam seiner Schule sich zuletzt getroffen, um den Amokplan zu überprüfen, der im Ernstfall in Kraft treten würde. Gegen die Betroffenheit seiner Schüler hilft das freilich alles noch nicht. Eine Gedenkminute für die Toten wird die Realschule einlegen, und die Lehrer werden in der ersten Stunde Zeit haben, mit den Schülern zu sprechen: "Sicherlich haben einige Schüler jetzt auch Angst", sagt Boos.

Rolf Fenselau,Leiter der Neumatt- Grund- und Hauptschule, hat in der gestrigen Gesamtlehrerkonferenz mit seinen Kollegen besprochen, wie der Vorfall in Winnenden mit den Schülern aufzuarbeiten sei. Als "Frühwarnsystem" an seiner Schule sieht er die Schulsozialarbeiterin und jeden einzelnen Klassenlehrer. "Das einzige, was hilft, ist aufmerksam hinzuhören. Nach diesem Vorfall sind Schüler und Erwachsene bestimmt noch einmal aufmerksamer als zuvor", sagt Rolf Fenselau.

Die Schulleiterin der Hellbergschule, Petra Sauer, bezeichnet den Amoklauf als "Horrorvorstellung eines jeden Schulleiters". Aber sie sagt auch, dass Schulen mit dem Krisenplan mittlerweile gut vorbereitet sind. Lehrer wurden fortgebildet, alle Kontaktwege stehen fest. "Ich bin gerade froh, dass es diese Teams gibt", sagt die Schulleiterin. Derzeit sei es der Schule das größte Anliegen, die Schüler zu stärken, sagt Sauer. Ausgrenzung und Mobbing – zum Beispiel durch Streitschlichter – zu verhindern, sei der beste Schutz, findet sie. Die persönliche Begleitung in den Klassen steht jetzt für sie im Vordergrund. Die Leiter der beruflichen Schulen waren gestern noch zu keiner Stellungnahme bereit.

Autor: Sarah Nagel