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11. März 2014

Alte Meister zum Vorbild genommen

Der Künstler Hanspeter Goldian schuf fünf detailreiche Kulissen für den Zunftabend 2014 / Leidenschaftlicher Landschaftsmaler.

  1. Kulissen wie diese von der Bridge-Gallery malte Hanspeter Goldian für den Zunftabend 2014. Foto: Barbara Ruda

  2. Hanspeter Goldian Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH/MALSBURG-MARZELL. Mit seinen detailreichen Bühnenbildern, welche die Illusion von Dreidimensionalität erwecken, begeisterte Hanspeter Goldian die Gäste der diesjährigen Zunftabende in Lörrach. Fünf vier Mal vier Meter große Kulissen hat der gebürtige Lörracher für die Zunftmeister gemalt – in seiner Werkstatt in Hägelberg, wo er sie zwischen Decke und Boden aufspannen konnte. Von der Bridge-Gallery beispielsweise, vom Senigallia-Platz oder vom Alten Marktplatz.

Hanspeter Goldian ist dabei verfahren wie immer, hat die Leinwand in drei Teile geteilt, um ein Raster zu bekommen. Von der Mitte ausgehend entwickelte er dann das Bild organisch von innen heraus. Farbe, so erläutert der Kunstmaler, bekommt erst der Vordergrund, der ins Auge sticht, es folgt der Hintergrund und zum Schluss der Raum dazwischen. Aus den drei Ebenen wird schließlich ein Ganzes und entfaltet atmosphärische Wirkung. Die Arbeit an den Zunftabendkulissen habe ihm Spaß gemacht, auch wenn es nicht die feinere Malerei war, die er sonst pflegt. Die Zeit der Bühnenmalerei, wie sie früher betrieben wurde, sei eigentlich vorbei.

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"Naturalistische Malerei ist heute nicht mehr gefragt", weiß er und beklagt die kleine Dekadenz, die sich in der Gegenwartskunst ausbreitet. "Mit dem heutigen Kunstbegriff hat meine dekorative Malerei nichts zu tun", sagt einer, der auf den klassischen Grundlagen fußt. "Ein Bild, welches einer Konzeption entspringt, hat einen Wert. Ein ganzes Universum ist mit ihm verflochten."

Landschaftsmalerei ist Hanspeter Goldians Leidenschaft – so sehr, dass ihm schon längere Zeit vorschwebt, in Lörrach und Umgebung eine Gruppe für Landschaftsmalerei zu gründen und zu etablieren und in diesem Rahmen dann etwa Kurse anzubieten. Das Markgräflerland biete wunderbare Motive. Ihn selbst zieht es früh morgens raus mit dem Malkoffer, um zu sehen, wie sich der Hintergrund der Landschaft ins Licht hereingibt und sich auflöst, und um einen schönen Winkel im Wald zu suchen, der ihn begeistert. Die Magie ist heute noch die gleiche wie vor Jahrzehnten, als er als Fünfjähriger an der Hand des Vaters spazieren ging und den von Sonnenlicht durchfluteten Wald mit all seinen Farben und Licht und Schattennuancen bestaunte.

Nicht wie die Impressionisten mit ihrem, wie er sagt, oberflächlichen Erscheinungsbild geht Hanspeter Goldian vor, sondern wie die Alten Meister mit Lasuren, Pigmenten und Lack, so dass die Materialien plastisch und real werden. Im ersten Lehrjahr als Schlosser – das war zwar der total falsche Beruf, wie der junge Mann am ersten Tag feststellte, aber er hat sie trotzdem fertig gemacht – wurde ihm das Zeichnen in Zentralperspektive gelehrt.

Plastizität durch Lasuren, Pig mente und Lack

Nachdem er eine Familie gegründet hatte, lernte er zwei Jahre bei einem frei schaffenden Illustrator zeichnen, das Gerüst der Malerei. Später betrieb er eine Zeitlang in Kandern einen kleinen Kunsthandel. In das private Studium der Wandmalerei wie auch von Traktaten berühmter Renaissancemaler wie Leonardo da Vinci hat er gleichzeitig sehr viel Zeit investiert. Bald erhielt der Freiberufler mehr und mehr Aufträge für Fassaden- und Wandmalerei – hier nutzt er hie und da auch den Trompe-l’Oeil-Stil, der mittels perspektivischer Darstellung eine dreidimensionale Räumlichkeit vortäuscht und die Optik der Architektur erweitert – für Pilaster, Friese, Bänder und Bordüren. Er entwickelte auch Dekore nach alten Stoffmustern und Schriften und illustrierte ein Märchenbuch. Einmal hat Goldian auch das Baptisterium einer Freikirche ausgestaltet. Das Ornament, erzählt der Kunstmaler, sei eigentlich schon immer sein Thema gewesen.

Noch eine andere Idee ist mit der Zeit in dem Künstler gereift: "Wie wäre es, die Geschichte Lörrachs als Wandmalerei zu illustrieren?", fragt er. Das könne eine Attraktion werden für Menschen, die zu Besuch in die Lerchenstadt kommen – ähnlich wie in Mulhouse. Gerade renoviert er die Arbeitsräume im Keller seines Hauses in Malsburg-Marzell. "Das Atelier ist eigentlich in mir, ich bin das Atelier", stellt er fest. Trotzdem ist er nicht abgeneigt, sich auch eine kleine Werkstatt in Lörrach einzurichten.

Autor: Barbara Ruda