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12. November 2011

Auch in der Krise wird gelacht

Unterhaltung beim "Schnäggeässe" / Motto: "Mir hän’s gwüsst!" / Stadtbrandmeister Jürgen Schernhammer nächster Protektor.

  1. Der Jüngste: Zunftstift Christoph Schuldt Foto: Nikolaus Trenz

  2. Plakette mit dem neuen Motto „Mir hän’s gwüsst!“; darauf Angela Merkel, die als Eule Geld nach Athen trägt und der Narr, der Europa mit dem Rettungsschirm hält. Foto: Nikolaus trenz

  3. Der Gast: Hubert Bernnat erklärt am Lego-Modell „d’Verwaltig“ Foto: Nikolaus Trenz

  4. Der Gast; Hubert Bernnat erklärt am Lego-Modell „d’Verwaltig“ Foto: Nikolaus Trenz

  5. Protektor der Fasnacht 2012: Obergildenmeister Jörg Rosskopf (links) und Oberzunftmeister Karlheinz Sterzel (rechts) präsentieren Stadtbrandmeister Jürgen Schernhammer als neuen Protektor. Foto: Nikolaus Trenz

  6. Der Jüngste: Zunftstift Christoph Schuldt Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Die Schnecken sind gegessen, wie das am 11.11. in Lörrach Usus ist. Dabei haben die Narren traditionsgemäß Losung und Protektor präsentiert. Die Fasnacht 2012 steht in der Kreisstadt unter dem Motto "Mir hän’s gwüsst!" Als neuem Protektor legten Gilde und Zunft Stadtbrandmeister Jürgen Schernhammer die Schärpe um. "Schärpen bringen Glück", startete er optimistisch ins Amt, das er am 6. Januar von Noch-Protektorin Gudrun Heute-Bluhm übernehmen wird. Das sei wie der Umstieg vom Ferrari auf einen Smart, beschrieb er die Schwere der Aufgabe. Er wolle zeigen, dass die Fahrt im Smart auch ihren Reiz hat.

Am denkwürdigen Datum 11.11.11 ließ Oberzunftmeister Karlheinz Sterzel den Ruf erschallen "Friss’n weg, dr Schnägg" und dann das für Lörrach fasnachtstypische Slowfood servieren. Manchen waren noch die verbrannten Schnecken vom vorigen Jahr in Erinnerung, der Basler Felix Drechsler erinnerte daran in einem lebendigen Vortrag, und sie orientierten sich auf der Speisekarte um. Wer dem Traditionsessen des Fasnachtsauftakts treu blieb, musste dies nicht bereuen. Und Gleiches gilt für die von den Zunftmeistern und ihren Gästen dazu aufgetischten Beiträgen. Alles gut verdaulich, bei diesem 15-Gänge-Menü. Am denkwürdigen Datum also ein denkwürdig langes "Schnäggeässe" von gut zweieinhalb Stunden. Das gab’s nicht mal vor Jahresfrist am Beginn der Lörracher Jubiläumsfasnacht. Das 75-Jährige ist gefeiert und die Zunft in bester Verfassung aus der spielfreien Zeit zurückgekehrt.

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"Mir han’s g’wüsst", könnte man das nun in Anwendung des neuen Mottos kommentieren. So weit wollen wir nicht gehen, wir haben es ihnen und uns gewünscht. Und natürlich nehmen sie sich die kleinen Begebenheiten des Alltags (Rentner auf Busreise) ebenso vor, wie die großen Krisen. Letztere inspirierten den Motto-Entwurf von Benny Kunimünch und die Interpretationen dazu vom stellvertretenden Oberzunftmeister Stephan Vogt. Aber, so der Motto-Interpret, der Hinweis aufs Gewussthaben reicht nicht, besser machen sei gefragt. Weshalb er Bürgern Einmischung wünschte und zum Beispiel in Anspielung an den Papstbesuch den Kirchen für ökumenische Fortschritte das Beispiel von Gilde und Zunft empfahl: Miteinander reden.

Ja, es ging auch nachdenklich zu an diesem 11.11., aber mehrheitlich lustig. Beides erwartet man von den Narren. Und dass man auf jeden Fall viel lachen kann. So wurde auch den schwierigen Themen die witzige, auch mal die satirische Seite abgewonnen, etwa wenn Felix Rudolf von Rohr ("Ich bi kei Schwyzer, ich bin e Basler") die Freuden der Eidgenossen über den Euro-Franken-Kurs in griechischem Hexameter-Versmaß darbot.

"Lön’s euch guet go", empfahl Zunftmeister Ralf Buser als Rezept in der Krise.

Er und seine Kollegen unterhielten die Gäste bestens: Axel Leuger (auf verrückter Romfahrt mit Senioren), Christoph Schuldt (Zunftgesell mit Beförderungsgarantie), Klaus Ciprian-Beha (ob Karneval oder Fasnacht, Narren gibt es überall), Andreas Glattacker ("Die ganze Welt spielt Wirtschaftskrise, nur die Schweizer spielen wieder mal nicht mit") und Hans Gempp mit einem Rückblick auf das, was in Lörrach los war, von der OB-Wahl (nachdem der "Duemriger" aus sozialen Gründen verzichtet hat, war der Weg frei für Frau Heute-Bluhm) bis zu den Affen im Rosenfelspark .

Ein Erklärstück der besonderen und seiner beliebten Art lieferte wieder Hubert Bernnat. Diesmal arbeitete er den Unterschied zwischen Verwaltung (eine Tätigkeit zur Organisation und Planung) und "Verwaltig" (Was die im Rathaus machen, versteht der Bürger draußen nicht). Da spielt die Drehtür des Rathauses eine besondere Rolle: Hier macht der Rathausmitarbeiter die folgenschwere Verwandlung vom Bürger draußen zum "Verwaltigsmitglied" drinnen durch. Dass dabei auch das ach so hohe Rathaus eine Rolle spielte, war dann nicht mehr überraschend. Die Empfehlung, es bei der Bebauung des Postareals umzulegen, hatte aber das leicht durchschaubare Motiv des Schulleiters, dass dann der HTG-Turm wieder das höchste öffentliche Gebäude der Stadt wäre.

Gern gehörter Gast am "Schnäggeässe" ist unterdessen der Kanderner Bürgermeister Bernhard Winterhalter, der in Kapitänsuniform in gewohnt gekonntem Vortrag teilhaben ließ, wie der mit einem Schwaben und einem Schweizer das Schifffahrtspatent am Bodensee erwarb.

Nach diesem Fasnachtsintermezzo ist für die Zunftmeister das nächste Projekt der Zunftabend. Premiere in der Haagener Halle ist am 8. Februar 2012.





Autor: Nikolaus Trenz