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08. August 2016

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Rainbow-Stars wollen sich wieder stärker politisch engagieren / Gleichstellung und Aufklärung.

  1. Andreas Bühler, Jonny Schuler, Sonja Summ, Roland Mertins und der Landtagsabgeordnete Josha Frey (von links) freuen sich über das Auferstehen der schwul-lesbischen Gruppe. Foto: Thomas Loisl Mink

LÖRRACH. Die Rainbow-Stars sind nach drei Jahren Dornröschenschlaf wieder zurück. Die Gruppe für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Queere, die in Lörrach schon dreimal einen Christopher Street Day veranstaltet hat, will in Zukunft wieder verstärkt politisch aktiv werden und sich für Gleichstellung und Aufklärung einsetzen.

Mit einer Feier im Dreiländermuseum gab die Gruppe das Startsignal für das Wiederaufleben ihrer Arbeit. Seit 2000 waren die Rainbow-Stars in Lörrach um Umgebung aktiv, im Jahr 2007 fand in Lörrach der erste schwul-lesbische Markt statt, berichtet Jonny Schuler. 2009 gab es in Lörrach den ersten Christopher Street Day (CSD), den man ausdrücklich nicht als Unterhaltung, sondern als politische Demonstration für die Gleichstellung Homosexueller und Transsexueller verstanden wissen möchte. 2010 holten die Rainbow-Stars sogar den Haupt-CSD Baden-Württembergs nach Lörrach, Lilo Wanders trat auf und Gruppen aus dem ganzen Land und aus der Schweiz nahmen teil. Ein dritter CSD 2012 in Lörrach stieß allerdings nicht mehr auf allzu große Resonanz. Politisch hatte sich inzwischen einiges verbessert, mit dem Antritt der grün-roten Landesregierung durften Homosexuelle auf Standesämtern Partnerschaften schließen und mussten keine überhöhten Gebühren mehr bezahlen.

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Als schockierend bezeichnet Schuler das Abschneiden der AfD bei den jüngsten Wahlen – auch ein Grund, weshalb man wieder politisch aktiv werden will. Coming-Out-Beratung, Jugendarbeit und Aufklärung über Geschlechtskrankheiten möchten die Rainbow-Stars leisten, sich aber auch in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Schließlich kann auch die sexuelle Orientierung ein Fluchtgrund sein.

Der Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger (SPD), der feststellte, dass in Sachen Gleichstellung viel erreicht wurde, man aber noch nicht am Ziel sei, und OB Jörg Lutz, der die Wiedererweckung begrüßte, hatten Grußworte geschickt. Der Landtagsabgeordnete Josha Frey (Grüne) war persönlich gekommen und versicherte, dass Grün-Schwarz die Gleichstellungsmaßnahmen nicht zurückdrehen werde. "Auch um den Bildungsplan ist es ruhig geworden, nachdem einige vielleicht doch mal gelesen haben, was drinsteht." Die Politik brauche Gruppen wie die Rainbow-Stars.

"Schwul" ist für viele immer noch ein Schimpfwort

Sonja Summ, Gründungsmitglied der Rainbow-Stars, blickte zurück auf die Anfänge, als man in der Alten Feuerwache im ersten Stock einen Raum hatte, während sich im Erdgeschoss eine Hip-Hop-Gruppe traf. Damals sei ein Stein durch ein Fenster geflogen und hätte fast jemanden getroffen. Die Rainbow-Stars wechselten ins Nellie Nashorn. Summ berichtete auch von Infoständen in der Stadt, wo einmal ein Mann wütete, bei Hitler hätte es das nicht gegeben, und ein christlich geprägter Mann sie aufforderte, umzukehren, da sie sonst in die Hölle komme.

Roland Mertins wies auf den 1872 in Kraft getretenen Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches hin, der Homosexualität unter Strafe stellte. Die Nazis haben ihn noch verschärft, erst 1994 wurde er ganz aufgehoben. Seitdem ist der 17. 5. (wegen Paragraph 175) der Festtag der Schwulen. Andreas Bühler von den ehemaligen Young Stars Bad Säckingen, die nun mit den Rainbow-Stars zusammengehen, stellte fest, "schwul" sei für viele immer noch ein Schimpfwort. In zehn Ländern steht die Todesstrafe auf Homosexualität. Er betonte, es sei völlig falsch zu glauben, das Sexuelle stehe bei der Gruppe im Vordergrund. Vielmehr gehe es um Liebe, Partnerschaft, Verantwortung. "Wir hoffen, dass wir dazu beitragen können, dass Menschen ihr Glück finden."

Die Rainbow-Stars haben eine regelmäßige Sendung bei Radio Dreyeckland Freiburg, Welle 102,3 oder Livestream auf www-rdl.de

Autor: Thomas Loisl Mink