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18. April 2010 14:40 Uhr

Parade für den Südwesten

CSD in Lörrach: Botschaft unterm Regenbogen

Politiker unterstützten die Forderung nach dem Ende der Diskriminierung Homosexueller beim Christopher Street Day Südwest in Lörrach. An den Marktständen in der Innenstadt gab es ernsthafte Gespräche, bei der Parade die bunten Akzente.

  1. Parade mit Politik: Zu Techno-Rhythmen Forderung nach dem Ende der Diskriminierung. Foto: Barbara Ruda

  2. Lilo Wanders: Stargast auf dem Parade-Wagen Foto: Barbara Ruda

  3. Parolen bei der Parade Foto: Barbara Ruda

Regenbogenbunt, laut und lebensfroh präsentierten sich am Samstag beim Christopher Street Day (CSD) Südwest rund 200 Schwule und Lesben aus Lörrach, der Region und von weiter her – fünfmal so viele wie bei der Premiere vor einem Jahr. Unterstützt wurden sie von prominenten Gästen wie Lilo Wanders. Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, wurde allerdings zum Ofer der Aschewolke: Er bekam keinen Flug.

Die CSD-Teilnehmer feierten selbstbewusst ihren Lebensstil und ihre sexuelle Identität, wobei die meisten in allenfalls durch kunterbunte Accessoires aufgepeppten Alltagsklamotten oder mit entsprechenden Parolen bedruckten T-Shirts auftraten. Das kam dem Anliegen der Homo- und Transsexuellen entgegen, von der Gesellschaft endlich als völlig normal akzeptiert zu werden.

Eine Prise Karneval

Der Regenbogen als Zeichen der Hoffnung war überall präsent in Lörrrach und strahlte im Sonnenschein. Ein paar Paradiesvögel, wie man sie auch auf den großen Paraden in Berlin oder Köln sieht, brachten eine Prise Karneval ins Spiel, und ein wenig Technoparaden-Stimmung kam auch aurf – dank der hämmernden Rhythmen der beiden großen Wagen der jungen Rosekids aus Freiburg und der Deutschen Aidshilfe.

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Von hier aus winkte Stargast Lilo Wanders in langer roter Robe den Menschen zu, die entlang der neuen Umzugsstrecke Spalier standen – ein-, zweitausend mögen es gewesen sein. Viele waren einfach aus Neugierde gekommen, andere wollten einen Blick auf Lilo Wanders oder die anderen prominenten Gäste erhaschen.

"Für uns ist Lörrach der geilste Arsch der Welt" Stephan Runge
Außer einem kleinen Zwischenfall mit einem Eierwurf in der Grabenstraße machte Lörrach seinem Image als "junge, weltoffene, lebensfrohe und tolerante Stadt", wie es CDU-Stadträtin Ursula Vollmer in Vertretung der Oberbürgermeisterin bei der offiziellen CSD-Eröffnung formuliert hatte, alle Ehre. Die Lerchenstadt ist Provinz – klar, aber darin ganz groß. "Für uns ist Lörrach der geilste Arsch der Welt", sang Popschlagersänger Stephan Runge.

Viele Parolen und Forderungen, welche die Umzugsteilnemer auf Bändern und Plakaten mit sich trugen, wurden in Diskussionen und bei den Ansprachen auf dem Senser Platz und bereits am Vorabend bei der Opening-Gala im Alten Wasserwerk in Reden vertieft. So verdeutlichte man den ins Motto "In Gedenken an Paragraph 175 – Liebe ohne Vorurteile" gegossenen gesellschaftspolitischen Anspruch der Veranstaltung.

Stickelberger: Baden-Württemberg nicht so tolerant wie Lörrach

Die wichtige Botschaft war, dass im Kampf um völlige Gleichberechtigung zwar schon viel erreicht worden ist, Homosexuelle im täglichen Leben aber immer noch Diskriminierungen ausgesetzt sind – seien es "Runzeln, die sich hinter mancher Stirn noch befinden" (Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae von Bündnis 90/Die Grünen), oder dass eine Lebenspartnerschaft zwischen Männern oder Frauen immer noch nicht auf dem Standesamt geschlossen werden kann, sondern auf dem Ordnungsamt, wo sich die gleichgeschlechtlichen Partner "in eine Reihe mit Parksündern stellen müssen" (Dr. Barbara Höll, MdB Die Linke).

Auch der Schirmherr und lokale Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger (SPD) merkte kritisch an, dass Baden Württemberg insgesamt, was die in Lörrach zu spürende Toleranz angehe, große Rückstände aufweise. So stünde im neuen Beamten-Dienstrecht kein Wort über die Gleichstellung Homosexueller. Diesbezüglich sei sogar Bayern einen Schritt voraus.

Wolfgang Erichsen, schwuler Bürgermeister von Heidelberg (Bündnis 90/ Die Grünen), der in seiner Stadt im Standesamt verpartnert, bezeichnete Baden-Württemberg "mit einem homophoben Ministerpräsidenten" an der Spitze denn auch als "letzte Insel der konservativen Glückseligkeit". Wie alle anderen Redner forderte er, endlich den Artikel 3 des Grundgesetzes zu ändern und auch die sexuelle Orientierung eines Menschen unter den Schutz des Grundgesetzes zu stellen.

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Autor: Barbara Ruda