Das Gestalten steht im Mittelpunkt

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Di, 18. Juli 2017

Lörrach

Mit einem großen Stiftungsfest feiert die Kaltenbach-Stiftung ihre Gründung vor etwas mehr als 50 Jahren.

LÖRRACH. Unrund kann auch schön sein. Kein halbes Jahrhundert, sondern die "50plus" feierte die Lörracher Kaltenbach-Stiftung am Samstag mit einem offenen Fest auf ihrem Areal in Stetten. Einblick in ihre Arbeit gaben dabei alle Fachbereiche von der Schulsozialarbeit über die Ferienbetreuung, die Jugendhilfe und Kindertagesstätten, die Kooperation Volkshochschule und einiges mehr. Gleich mehrere Kränze wurden zum Auftakt dem Gründerehepaar Dieter und Christine Kaltenbach gewunden, die die Stiftung 1965 ins Leben gerufen hatten.

Oberbürgermeister Jörg Lutz nannte ihr Werk einen "Glücksfall für die Stadt". Längst ist das Einsatzgebiet der Stiftung aber über die Grenzen Lörrachs hinaus und bis nach Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen, Kandern, Steinen und Weil am Rhein gewachsen. Landrätin Marion Dammann gab dementsprechend ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Stiftung auch weiterhin räumlich und inhaltlich ihre Fühler ausstrecken möge, um den Bedarf der Zukunft vorauszuahnen.

Im Sinne des Stiftungszwecks, durch spielerische und gestalterische Prozesse einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und Orientierung von Menschen aller Altersklassen zu leisten, sind heute mehr als 100 Mitarbeiter im Einsatz. Kinder und Jugendliche stehen dabei oft im Mittelpunkt, nicht zuletzt in der bereits seit 1978 bestehenden Kooperation mit der Volkshochschule sind aber auch Erwachsene angesprochen.

Wichtig sei es von Anfang an gewesen, dem Wortsinn nach echte Spielräume zu schaffen, so Beatrice Kaltenbach-Holzmann vom Stiftungsvorstand: "Hier ist nicht ein Ort, wo geredet und diskutiert wird, sondern es wird gestaltet." Im jüngsten Stiftungskind, der Kaltenbach-eigenen Kindertagesstätte Am Bächle, wird deshalb auch viel im Sinne der Montessori-Pädagogik gearbeitet, nach der bekanntlich das Begreifen vom Greifen kommt.

Schulsozialarbeit, betreutes Wohnen, offene Jugendarbeit

Allzu dogmatisch betrachtet die Dinge indes niemand und geredet, diskutiert und zugehört wird selbstverständlich auch. In der Schulsozialarbeit, die inzwischen an fünf Orten im Kreis angeboten wird, gilt das ebenso, wie im betreuten Jugendwohnen mit derzeit 19 Plätzen in Lörrach, Rheinfelden und Weil am Rhein, oder in der offenen Jugendarbeit, die sich ebenfalls etabliert hat.

Ganztags von einem musikalischen und tänzerischen Bühnenprogramm untermalt, stellten sich alle Bereiche vor, präsentierten Projekte und Arbeitsergebnisse, lockten zumal die Jüngeren zu Mitmachaktionen oder gaben Auskunft, sei es aus Sicht der Betreuer, Kursleiter oder Nutznießer von Angeboten. Am Rande ging es auch immer wieder um die Anfänge. Während sich etwa Sebastian Kaltenbach an das "Hüttendorf" erinnerte, von dem aus sich später alles Weitere entwickelt habe, wollte Anwohner Christian Bucher nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass die Stiftung in den 1990er Jahren auch bei der Bebauung von Stetten-Süd und den im Vorfeld wie in der Folge teilweise recht harten Interessenskollisionen habe vermittelnd eingreifen können. "Nachher hatten wir hier einen befriedeten Stadtteil", freute sich Bucher im Rückblick.

Die Verbeugung vor den Gründern der Stiftung und die Erinnerung an deren bis heute weiter gelebte Leitgedanken wurde beim Rundgang über das Gelände auf diese Weise durch immer neue Aspekte ergänzt. Ganz im Sinne von Dieter und Christine Kaltenbach, die persönlich begrüßt werden konnte, dürfte jedenfalls das vielen Autoren zugeschriebene und mehrfach variierte Tageszitat sein. Es kam von Bernd Schandera, der sich mit Iris Teulière seit 2016 die Geschäftsführung teilt: "Tradition heißt nicht die Asche anbeten, sondern das Feuer weitertragen."