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09. April 2009
Das Leiden Jesu in leuchtenden Wachsbildern
Der Lörracher Dieter Schmidt gestaltet den Bamlacher Kreuzweg auf Kerzen / Glasmosaiken werden in Wachsbilder umgesetzt / "So etwas macht man nur einmal".
LÖRRACH. Der Kreuzweg in Bamlach über der Rheinebene hat es nicht nur dem Lörracher Dieter Schmidt angetan, aber ihm besonders. Darum fing er eines Tages an, die Glasmosaiken des Münchner Künstlers Edzard Seeger (1911–1990) auf Kerzen zu übertragen. Daraus ist ein eigenes Kunstwerk geworden, wenn auch bis zur Vollendung noch drei Bilder fehlen.
Kerzen gestalten ist nichts für Hektiker. Da sind Fingerspitzengefühl und Geduld vonnöten. Bei diesem Kreuzweg ist besonders viel Geduld gefordert. Man ahnt es beim genaueren Betrachten dieser aus kleinen und kleinsten vielfarbigen Wachsplättchen zusammen gesetzten Bilder. Auf 19 mal 14 Zentimetern hat Dieter Schmidt bisher elf der 14 Stationen des in der Region bekannten Kreuzweges von Bamlach neu gestaltet.Kreuzwege sind im Mittelalter entstanden und ermöglichen den Christen, den Jerusalemer Leidensweg Jesu nachzugehen und dessen Stationen, von der Verurteilung durch Pilatus bis zum Tod am Kreuz und der Grablegung danach, in die biblische Überlieferung wie legendenhafte Erzählungen eingeflossen sind, zu meditieren. Gerade in dieser Woche vor Ostern, besonders morgen am Karfreitag, gedenken Christen des Leidens und Sterbens Christi.
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Auf dem Bamlacher Stationenweg tun sie das seit 1858. Er hat 14 Stationen und ein großes Kreuz. Im Laufe der Zeit haben die Bildstöcke sehr gelitten, wurden wiederholt restauriert. 1969 entschloss man sich die unansehnlich gewordenen Kreuzwegbilder zu ersetzen. Seither gehen Wanderer und Wallfahrer entlang der Glasmosaiken des Münchner Künstlers Edzard Seeger. Auch Dieter Schmidt ist diesen Weg zusammen mit seiner Frau Marlies oft gegangen.
So intensiv wie beim Gestalten der Bilder auf den Kerzen hat er sich dabei nie mit den Motiven beschäftigt. 60 bis 70 Stunden pro Bild kommen dabei zusammen. Da bleibt nicht aus, dass der gelernte Fotogravurzeichner, der sein Berufsleben lang bei KBC gearbeitet hat, sich in die Szenen vertieft. "Manche Stationen fallen einem schwerer als andere", sagt er. Etwa diejenige, die zeigt, wie Jesus ans Kreuz genagelt wird.
Vor etwa zwölf Jahren hat Dieter Schmidt seine erste Kerze gestaltet. Pfarrer Matthias Ibach hatte den Anstoß gegeben, als der ein Geschenk für den Besuch in der damaligen peruanischen Partnergemeinde Huaraz gesucht hat. Dieter Schmidt nahm die "Herausforderung" an. Die künstlerische Begabung hat er ja, wenngleich er sich in seiner Bescheidenheit vehement dagegen wehrt, seine Tätigkeit als "künstlerisch" zu bezeichnen.
Dieser Kreuzweg auf Kerzen ist ein Kunstwerk, das ein Unikat bleiben wird. "So etwas macht man nur einmal", sagt Dieter Schmidt. Dass er jetzt, da nur noch drei Stationenbilder zu machen sind, nach mehr als sieben hundert Stunden den Abschluss dieses Werkes vor Augen hat, lässt ein wenig Wehmut aufkommen. Schließlich sei das ja keine Arbeit. Es ist wohl ein ähnliches Gefühl wie bei Jakobsweg-Pilgern, die nach wochenlanger Wanderung das Ziel in Santiago und damit das Ende ihres Weges vor Augen haben. Dass er diesen Kreuzweg überhaupt begonnen hat, habe auch mit Glauben zu tun.
Ob der fertige Kerzen-Kreuzweg einmal in geeigneter Weise ausgestellt wird, hat Dieter Schmidt noch nicht entschieden. Eine Kerze aus seiner Hand ist von Sonntag an in der Kirche St. Bonifatius zu sehen. Wieder einmal hat er die Osterkerze für die Gemeinde gestaltet.
Autor: Nikolaus Trenz
