Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
24. September 2009
"Das Volk muss aufstehen und sich wehren"
Ulrich Maurer (Die Linke) machte in Lörrach Wahlkampf
LÖRRACH. "Ich habe schon viele Wahlkämpfe erlebt, aber noch keinen, bei dem dem Volk so Sand in die Augen gestreut wurde." Der das sagt, ist Ulrich Maurer, Bundestagsabgeordneter der Linken und ehemaliger Landesvorsitzender der SPD, die er 2005 aus Protest gegen die Politik von Gerhard Schröder verließ. Gestern Abend war Maurer auf den Lörracher Bahnhofsvorplatz gekommen, um Adelbert Ringwald, Bundestagskandidat für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim, in dessen Wahlkampf zu unterstützen.
Zunächst sprach Ringwald ein paar Sätze, prangerte den "Raubtierkapitalismus" an, forderte, dass "Die Umverteilung von Unten nach Oben" aufhören müsse und kritisierte: "Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste werden sozialisiert."
Ulrich Maurer überzog die Regierungsparteien mit Schelte, weil sie beispielsweise zum Steuersatz keine konkreten Aussagen machen würden. "Die Kunst von Frau Merkel besteht darin, nichts zu sagen. Wenn sie ehrlich wäre, würde sie auf ihre Wahlplakate schreiben: Lasst Euch überraschen." Maurer kritisierte auch die niedrigen Mindestlöhne in Deutschland. "Es geht anders, das zeigen andere Länder", sagte er und verwies auf das Beispiel Frankreichs unter Nicolas Sarkozy ("Wer ihn nicht kennt: Das ist der Mann von Carla Bruni").
Werbung
Arbeitslosigkeit, Bankenkredite, Zwei-Klassen-Medizin – die Liste der Vorhaltungen war lang. "So kann’s nicht weitergehen. Das Volk muss aufstehen und sich wehren", rief Maurer dem Grüppchen Zuhörer auf dem Bahnhofsvorplatz zu. Andernfalls würde es zu Massenarbeitslosigkeit kommen, weil die Bürger kein Geld mehr zum Ausgeben hätten, da Exportwachstum nur wenigen helfen würde: "Der Bäckermeister um die Ecke kann keine Filiale in China eröffnen."
Maurer rief dazu auf, die Linke zu wählen, wenn nicht aus Überzeugung, dann zumindest um den etablierten Parteien zu zeigen, dass ihre Politik nicht gewünscht sei. "Wenn die Linke gewinnt, kann schwarz-gelb verhindert werden und es bleibt bei einer großen Koalition. Aber sie werden unseren heißen Atem im Nacken spüren und sich vielleicht nicht mehr an die Rente mit 67 trauen."
Autor: Michael Reich


