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21. Februar 2012

Deftige Mehlsuppe zum kernigen Witz

Die Ratssuppe – ein Hochgenuss für fasnächtliche Feinschmecker / Drochehüler-Orden für einen Abwesenden.

  1. Foto: Barbara Ruda

  2. Mehlsuppe essen ist, der Käsefäden wegen, gar nicht so einfach. Foto: Barbara Ruda

  3. Das Stadtrotschörli konzentrierte sich in seinen Coverversionen bekannten Liedguts mit dem lokalen Geschehen – da wurde unter anderem die FDP, die es im Rat ja so gar nicht mehr gibt, zur „Freie Drämle Partei“. Den Drochehüler-Orden vergaben Stephan Vogt (rechtes Bild, li.) und Karl-Heinz Sterzel heuer in Abwesenheit, und zwar an Jochen Schicht (Mitte, auf dem Orden), dem Leiter des Städtischen Fachbereichs Kultur und Medien. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Der Drochehüler-Orden wurde heuer in Abwesenheit verliehen: Jochen Schicht, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur und Medien und ein ausgewiesener Muffel, was die Lörracher Fasnacht betrifft, wurde gleichwohl mit Orden und prächtiger Urkunde geehrt. Er verpasste nicht nur diese Würdigung, sondern auch gute zwei Stunden sackstarke, kernige Fasnacht: Die Ratssuppe im "Lasser".

Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel leitete souverän und mit viel Witz durch ein Programm, das seine Themen nahezu durchweg vor der Haustür fand – wie sich das gehört. Lörrach hat seine Bürgermeisterin eingebüßt, die sich bravourös mit den närrischen Gebräuchen arrangierte, und einen Bürgermeister gewonnen, der das alles nun noch lernen muss. Dies war eines der Kernthemen – und ein zweites die geschätzte Nachbarstadt Weil am Rhein, die die Narren wohl erfinden müssten, wenn es sie nicht gäbe.

Das Stadtrotschörli also sang in souveräner Aneignung bekannter Gassenhauer Marion Dammann hinterher, machte aber auch die Tram-Träume einer Lörracher Rats-Gruppe, den helvetischen Einkaufstourismus oder die Kreisverkehrsdebatte zum Thema. Axel Leuger beklagte auf närrische Weise die Schwierigkeit, ein leeres Blatt mit klugen Gedanken zu füllen. Stephan Vogt schweifte weit über Lörrachs Stadtgrenze hinaus und wagte einen kühnen, mehr als 90 Titel starken Ritt durch die Literaturgeschichte, der vor Bibel, Duden, Feuchtgebieten und Kochbüchern nicht Halt machte. Hansi Gempp empfahl sich als Bürgermeister-Berater, und Andreas Glattacker servierte zur traditionellen Mehlsuppe seinen närrisch gereimten Rückblick auf die Kampagne. Dabei bekam auch Protektor Jürgen Schernhammer sein Fett weg, der sein Amt würdig vertrat, zum Fasnachtsredner aber wohl nicht geboren ist. Glattacker: "Si Job isch nit schwätze, si Job isch lösche". Schernhammer schlug sich in der Rede, mit der sein Ehrenamt an diesem Vormittag wieder los wurde, dann übrigens sehr honorig.

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Gastredner Hubert Bernnat hatte sichtlich Freude daran, wieder ein germanistisches Narrenstück abzuliefern. Dass er auf die rechte Verwendung des Apostroph Wert legt, ist ja hinlänglich bekannt. Um so erfreuter zeigte er sich, dass das Motto der zu Ende gehenden Fasnacht – "mir hän’s g’wüsst" – gleich zweimal das sensible Häkchen an der richtigen Stelle zeigt. Seine Analyse der Fasnachtsmotti durch Raum und Zeit geriet zur traurigen Bilanz – sein Vortrag dagegen zum humoristischen Meisterstück.

Bleibt anzufügen, dass bei der Ratssuppe der junge Christoph Schult zum Zunftmeister ernannt wurde, er senkt das Durchschnittsalter dramatisch. Dass ein besonderer Dank Dieter Roth galt, der sich seit 44 Jahren für die Fasnacht engagiert. Dass sich unter den vielen, die sich königlich amüsierten, Fasnachts-Honoratioren, Felix Drechsler aus Basel, viele Mitgliedern aus Verwaltung und Gemeinderat, Vertreter von Handel, Wirtschaft und Polizei befanden. Und dass Oberbürgermeisterin Heute-Bluhm sich ein närrisches Schlusswort nicht nehmen ließ. Friss’n weg, d’r Schnägg!

Autor: Sabine Ehrentreich