Der Clown ist immer auf alles gefasst

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 29. Dezember 2017

Lörrach

LÖRRACHER WEIHNACHTSCIRCUS: Pom Pom füllt die Umbaupausen / Sein Erfolg hängt vom Publikum ab.

LÖRRACH. Bis 7. Januar gastiert der Lörracher Weihnachtscircus auf dem Festplatz im Grütt mit einem Programm voller Artistik, Tierdressuren und Komik. Die BZ stellt in einer kleinen Reihe Artisten vor, die dabei sind. Heute: den Clown Pom Pom. Mit seinen Reprisen verkürzt er die Umbaupausen und verknüpft das Programm zu einer Einheit. "Das muss wie ein Mosaikbild passen, von vorne bis hinten", erzählt Pom Pom. Entsprechend baut er seine Geschichten auf.

Geboren wurde er während einer Tournee seiner Artisteneltern in Frankfurt am Main. Doch zunächst machte er einen Abstecher über eine Hotelfachschule und arbeitete im Beruf. "Ich glaube, damals war ich auch schon ein Clown, wusste es aber noch nicht", sinniert er. Der Zirkus setzte sich bei ihm durch – wenn auch relativ spät: mit 30 Jahren. Aufgewachsen sei er in schönster Umgebung Budapests bei seinen Großeltern mütterlicherseits, berichtet Pom Pom. Im Regal steht ein vergilbtes Schwarz-Weiß-Familienfoto. Auf ihm ist auch der Vater seines Onkels zu sehen, der mit dem großen Buster Keaton gearbeitet hat.

Der Zirkus war immer präsent, weil die Mutter und ihre Geschwister regelmäßig nach Hause kamen und dort auch übten. Bei einer Tante, die in England zwei Freizeitparks betreibt, führte er eines Tages als Wetteinsatz eine Glasbalance-Comedy-Nummer vor. Die gelang ihm so gut, dass er prompt für die nächste Saison engagiert wurde. "Ab heute bist du der Clown", sagte die Tante.

Plötzlich war also die Gelegenheit da, die er beim Schopfe packte. Den Clown zu spielen, so erklärt Pom Pom, sei einfach. Der Erfolg hänge vom Publikum ab. Wenn man das auf seiner Seite habe, habe man schon gewonnen. Seine Nummern habe er auf Englisch, Deutsch und Ungarisch drauf, könne aber auch ganz ohne Sprache auskommen.

Seine Partner sucht er sich aus dem Publikum. "Da ist jede Vorstellung eine neue Herausforderung, und genau das ist nie langweilig." Der Clown muss sich selbst auf die jeweilige Person einstellen, und lernt so in jeder Vorstellung etwas dazu. "Wenn nicht, sollte man etwas anderes machen", stellt er fest.

Zehn Minuten braucht Pom Pom, um sich äußerlich in den Clown zu verwandeln. Ein bisschen Weiß über die Augen und eine rote Nase malt er sich im winzigen Bad mit riesigem Spiegel. Dann noch die Haare nach außen toupieren und durchwuscheln. Auf die Frage, wie lange er denn brauche, um auch innerlich in den Clown hineinzuschlupfen, antwortet er: "Innerlich bin ich immer Clown." Kurze Zeit später hält er sich bereits beim Einlass auf und begrüßt die Besucher.

Erfahrung mit dem Publikum trügt Pom Pom selten

Ein bisschen Psychologie sei schon im Spiel, wenn er versuche einzuschätzen, wer vielleicht dafür offen sei, mit ihm zu spielen. Mittlerweile könne er gut einschätzen, ob die Augen sagen: "Ich bin nicht dazu bereit." In 85 bis 90 Prozent der Fälle liege er richtig.

"Kinder sind ein sehr direktes Publikum. Die kann man nicht täuschen", berichtet er. Immer aber gelte: "Ich als Clown im Liveentertainment muss mich auf alles gefasst machen." Zum Beispiel wie einmal geschehen, dass der Zuschauer, den er für seine Cowboynummer in die Manege geholt hat, die imaginäre Pistole plötzlich aufs Publikum richtet und auf einen nach dem anderen "schießt". So eine Situation muss man schnell in den Griff bekommen und auflösen. "Wir Clowns haben einen Führerschein mit viel mehr Kategorien als alle anderen", stellt Pom Pom fest. Es gebe eine Linie, die man nicht überschreiten dürfe. Das Wichtigste überhaupt, und das gelte für alle, seien Liebe und Respekt vor dem Publikum.

Hier beim Weihnachtscircus macht es ihm richtig Spaß, sagt Pom Pom. Das Team findet er sehr professionell. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Größe eines Circus nicht von der Größe des Chapiteaus abhängt", sagt er. Die Freude über die Zusammenarbeit beruht auf Gegenseitigkeit. Drei Jahre habe man verhandelt, bis man den Vertrag für ein Engagement unterschreiben konnte, berichtet Sandro Martorana. "Und wir haben es nicht bereut", fügt der Pressesprecher des Zirkus hinzu.

Hier gibt es Eintrittskarten: mehr.bz/weihnachtszirkus17