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15. November 2017

Der Schmerz wird zur Skulptur

BZ-KUNSTA(U)KTION (19): Paolo Pinna lernte die Bildhauerei auf Sardinien, wo auch die Idee zur Skulptur Schutzengel entstand.

  1. Paolo Pinna Foto: Barbara Ruda

  2. Paolo Pinnas Skulptur „Schutzengel“ aus Alabaster hat eine besondere Geschichte. Sie stellt einen Schutzengel dar. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler aus der Region stellen wieder Arbeiten für die BZ-Kunsta(u)ktion zur Verfügung. Sie werden am 2. Dezember in der Volksbank Dreiländereck gezeigt und direkt verkauft oder versteigert. Ein Teil des Erlöses geht wie gewohnt in die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". In einer Serie stellt die Badische Zeitung die beteiligten Künstlerinnen und Künstler vor, heute Paolo Pinna.

Das Werk in der Auktion
Zu dem Alabaster-Engel, den Paolo Pinna für die Versteigerung ausgewählt hat, gibt es eine Geschichte zu erzählen: Angefangen hat diese auf Sardinien, genauer gesagt auf der südlich davon gelegenen Insel San Antioco. Dort stammt der Bildhauer her, und dort besitzt er ein von seinem Vater geerbtes Haus und Grundstück. Im Mai war er in der schönen Landschaft dort zu Fuß unterwegs, als er stolperte und mit dem Rücken auf die Kante eines Betonrings fiel. "Im ersten Moment dachte ich, ich stehe nie wieder auf", berichtet er. Pinna lag mehrere Tage lang flach. "Ich bin der Typ, der wenn er etwas erlebt, die Gefühle sofort in Holz oder Steine umsetzen muss. Da kam mir die Idee, diese Erfahrung mit Schmerzen und Alleinsein in einer Skulptur zu verarbeiten." Einen Schutzengel habe er zwar nicht gesehen, aber gespürt. Aus dem weißen Alabasterstein, der ihm in die Hand fiel, arbeitete und hob er die Durchsichtigkeit dieses esoterischen Wesens heraus, beließ es in der Anonymität, gab ihm kein Gesicht, doch eine Form. Mit diesem Werkstoff habe er durch die Kurse, die er gibt, viel Erfahrung. Die Oberfläche seines Engels polierte Pinna nicht, sondern ließ sie rau. "Matt ist die interessanter. Die Kleidung wird als Struktur hereingekratzt."

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Einordnung in das Gesamtwerk
Gegenwärtig arbeitet Paolo Pinna an einer Trilogie aus Lindenholz: ein Mönch, ein Porträt und ein Torso. Und auch unfertige lange Giacometti-artige Holzfiguren bevölkern sein Atelier. "Eigentlich will ich von denen wegkommen", erzählt der Künstler, "aber das Holz will im Augenblick nichts anderes hergeben." Entscheidend sei immer die Struktur, die eine Holzskulptur braucht – ob er sie mit einer kleinen Säge herausholt oder raspelt.

Biografie
Paolo Pinna lernte bei einem sardischen Bildhauer. Zunächst arbeitete er in Holz, was auf Sardinien Tradition ist. Die Steinbildhauerei lernte er in Lörrach, wohin ihn die Liebe geführt hatte. Schließlich machte er sich selbständig und lehrte mehr als ein Vierteljahrhundert an der Volkshochschule. Bildhauerkurse gab er zunächst in der Toskana, bis er damit in seine Heimat wechselte.

Persönliche Sicht auf Auktion
"Ich finde zunächst die Idee, warum die Versteigerung überhaupt stattfindet, gut, dass die 30 Prozent der Einnahmen an bedürftige Menschen aus der Region gehen. Aber auch die Begegnung mit anderen Künstlern und die Atmosphäre gefällt mir", sagt Paolo Pinna.

Was ihn gerade beschäftigt
In diesem Jahr ist Paolo Pinna viel verreist und merkt, dass er immer viel Zeit braucht, bis er wieder in die tägliche Arbeit hereinkommt. "Meine Werkstatt ist eigentlich wunderschön, aber wenn du gehst und zwei Wochen weg bist, musst du dich hinterher fragen, wo du vorher gerade standest." In Sardinien, wo der Bildhauer die größte Werkstatt und damit auch die Freiheit hat, Kurse zu geben, tankt er Kraft, hat auch Freude bei der Arbeit. Aber es ist eben Arbeit. Wenn er mit dem Schiff reist, so erzählt er noch, dann sieht er viel und muss so viel aufnehmen. Zu Hause muss er dann erst einmal mit dem Kopf hinterherkommen. Mit dem bleibt er noch länger auf der Reise.

Von Paolo Pinna in der Auktion: "Schutzengel", Skulptur aus Alabaster, 40x17x12 Zentimeter, auf Steinsockel, 2017, Mindestgebot 520 Euro.

Alle Texte zur BZ-Kunsta(u)ktion 2017 gibt es online: mehr.bz/bz-kunst17

Der Ablauf

Alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler geben ein Werk in die Versteigerung. Am 2. Dezember sind alle Werke ab 11 Uhr in der Volksbank Dreiländereck, Tumringer Straße 237, zu sehen. Die Versteigerung beginnt um 17 Uhr. Zusätzlich zu den Kunstwerken, die in der Auktion angeboten werden, stellen alle Künstler weitere Werke aus ihrem aktuellen Schaffen aus. Auch diese Arbeiten stehen zum Verkauf und auch dabei geht ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen."  

Autor: BZ

Autor: Barbara Ruda