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16. Oktober 2010
Diana Stöcker: „Wirtschaft braucht auch die Breite“
BZ-INTERVIEW mit Geschäftsführerin Diana Stöcker über das Schülerforschungszentrum und das Verhältnis zu Schule, Wirtschaft und Hochschule.
eute ist es soweit: Auf dem Campus Rosenfels wird das neue Schülerforschungszentrum in Betrieb genommen. Mit der Fertigstellung des Neubaus sind nun erstmals alle Abteilungen unter einem Dach. Welche Impulse das dem "phaenovum" gibt, wie langfristig die Finanzierung aussieht und wie sich Breiten- und Spitzenförderung vertragen, wollte die BZ von Diana Stöcker wissen, die als Innocel-Geschäftsführerin auch das Schülerforschungszentrum betreut.
HBZ: Schülerforschungszentrum – das hört sich schwer nach Eliteförderung an.Stöcker. Am Anfang haben wir auf die Säulen gebaut, die es in Lörrach schon gegeben hat: das IT-Seminar vom Innocel und dem Steinbeis-Transferzentrum an der Dualen Hochschule und die Physik AG des Hans-Thoma-Gymnasiums. Diese beiden Vorläufer hatten sich in der Tat an begabte, hoch interessierte Jugendliche gerichtet. Unser Ziel war aber, mit dem Schülerforschungszentrum nicht nur Eliteförderung zu betreiben, sondern einen breiter gefassten Ansatz zu wählen. Wir wollen den Fachkräftenachwuchs für die Zukunft sichern. Dabei kann man keineswegs nur auf die Hochbegabten zurückgreifen.
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BZ: Dann trifft es also nicht zu, dass für die guten Schüler wieder einmal ein besonderes Angebot geschaffen wird, während die große Masse weiter einen Schulalltag mit Unterrichtsausfall, Raumnot und mäßig motivierten Lehrkräften erlebt?
Stöcker: Nein. Die Firmen, die uns unterstützen, legen großen Wert darauf, dass wir auch Breitenförderung betreiben. Die Firmen wissen, dass sie die naturwissenschaftlich-technisch begabten Nachwuchskräfte ohnehin erreichen. Die Wirtschaft ist aber auch darauf angewiesen, dass sich viel mehr Jugendliche als bisher für Natur- und Ingenieurswissenschaften interessieren. Das schafft man nur, wenn man Schüler auch in der Breite anspricht und für die Breite Angebote macht.
BZ: Es gibt aber durchaus Lehrer, die der Ansicht sind, dass Schulbildung sehr grundlegend sein müsse und dass Aufgabe der allgemein bildenden Schulen nicht sein könne, der Wirtschaft Fachleute zu servieren. Ist das etwa weltfremd?
Stöcker: In der Schule geht es darum, allgemein fachliches Wissen zu vermitteln. Aber das Schülerforschungszentrum ist keine Schuleinrichtung, sondern ein gemeinnütziger Verein, an dem sich Unternehmen, Schulen Privatpersonen und kommunale Partner beteiligt haben. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, das Wissen der Kinder in Naturwissenschaft und Technik zu vertiefen, ihnen die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen und – wenn sie interessiert sind – sie beim Weg in solche Berufe zu begleiten.
BZ: Bekommt das Schülerforschungszentrum nun inhaltlich einen weiteren Schub, wenn alle Fachbereich unter einem Dach arbeiten?
Stöcker: Ganz sicher. Die Lehrer sind zu gleichen Zeiten im Haus, kommen miteinander ins Gespräch und entwickeln daraus gemeinsame Arbeiten oder Projekte. Wenn die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichsleitern sehr gut und interdisziplinät läuft, wirkt sich das sicher auch auf die Schüler aus.
BZ: Wie hat sich das trinationale Netzwerk des Schülerforschungszentrum entwickelt?
Stöcker: Wir hatten von Anfang an einen sehr guten Kontakt zu Schulen in St. Louis und Guebwiller und zum Bäumlihof-Gymnasium in Riehen. In allen Partnerschulen gibt es engagierte Lehrer, die über unsere Treffen in Kontakt stehen. Außerdem bieten wir gemeinsame, trinationale Exkursionen und Ferienkurse an. Wir planen außerdem, Schulklassen aus der ganzen Region für besondere Themen ins "phaenovum" einzuladen, weil sie hier Projekte bearbeiten können, für die in den einzelnen Schulen die Ausstattung fehlt. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten kann das vorhandene Netzwerk nun klar verortet werden.
BZ: Ist auch geplant, trinationale Teams für Wettbewerbe aufzustellen?
Stöcker: "Jugend forscht" ist ein nationaler Wettbewerb, bei dem internationale Teams nicht vorgesehen sind. Aber wir haben in der Region den trinationalen LifeSciences-Wettbewerb vom Biovalley-College-Network. Außerdem bereiten wir gerade einen weiteren trinationalen Robotik-Wettbewerb vor. Die normalen Wochenkurse sind prinzipiell auch für Schweizer und französische Schüler offen. In der Praxis zeigt sich bei der Kooperation mit Frankreich, dass das oft an der Sprache, an den Verkehrsverbindungen und am anderen Schulsystem scheitert. Deshalb bleiben Ferienkursen bei der Zusammenarbeit mit Frankreich wichtig. Aus der Schweiz kommen bereits einige Schüler zur regelmäßigen Mitarbeit ins "phaenovum".
BZ: Wie wird die Finanzierung des "phaenovum" gesichert, wenn die Interreg-Förderung ausläuft?
Stöcker: Die Interreg-Förderung läuft noch bis 2012, wir haben jetzt etwas mehr als die Hälfte hinter uns gebracht. Die EU-Hilfe war für die Anlaufphase und für die Bewältigung des Neubaus entscheidend. Aber schon im Interreg-Antrag haben wir klargemacht, dass der trinational aufgestellte Trägerverein künftig die Basis für das Schülerforschungszentrum sein wird. Wir brauchen ab 2012 keine neuen Strukturen. Wir werden dann unseren Betrieb noch stärker als bisher über Patenschaften aus der Wirtschaft abdecken. Derzeit gibt es 45 Patenschaften. Das ist eine sehr tragfähige Ausgangslage.
BZ: Werden diese Patenschaften auch künftig direkt auf einzelne Schüler bezogen sein oder eher als allgemeine Zuwendungen gewährt?
Stöcker: Das kommt darauf an. Im IT-Bereich wird es weiterhin direkt auf die Schüler bezogene Patenschaften geben – auch weil die Teilnehmer Praktika in den Unternehmen absolvieren. Bei Physik und Life Sciences ist es unterschiedlich. Manche Unternehmen legen Wert auf den persönlichen Kontakt, bei dem dann geschaut wird, ob aus dem Schüler vielleicht ein künftiger Mitarbeiter werden kann. Andere Firmen unterstützen uns eher als Ganzes.
BZ: Können Sie schon absehen, ob aus dem Schülerforschungszentrum tatsächlich Nachwuchspersonal bei den Unternehmen ankommt?
Stöcker: Die Zeit seit der Vereinsgründung ist natürlich zu kurz. Aber wenn man etwa auf die frühere Physik-AG von Herrn Kretschmer oder auf das IT-Seminar zurückschaut, zeigt sich doch sehr deutlich, dass viele frühere Teilnehmer tatsächlich diesen beruflichen Weg eingeschlagen haben.
BZ: Welche Rolle spielt das Schülerforschungszentrum als Bindeglied zwischen Schule und Hochschule, speziell zur Universität Basel und zur Dualen Hochschule Lörrach?
Stöcker: Die Kontakte zur Dualen Hochschule sind traditionell sehr gut. Unser IT-Seminar hat ja dort seine Wurzeln, dessen Leiter Axel Sikora arbeitet an der Dualen Hochschule. Ganz eng ist auch die Zusammenarbeit mit der Uni Basel, sowohl bei Life Sciences als auch mit dem Swiss Nano Institut. Das wird intensiviert. Thilo Glatzel, der bei den Nano-Sciences Nachfolger von Bernd Kretschmer ist, arbeitet als Wissenschaftler an der Uni Basel.
Autor: Willi Adam
