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11. Juli 2009
Die Großen begeistern die Kleinen
Am Schülerforschungszentrum "phaenovum" geben Zwölftklässler Mathematik- und Physikkurse für Grundschüler.
LÖRRACH. Im Schülerforschungszentrum "phaenovum" geben Zwölftklässler seit diesem Schuljahr Mathe- und Physikkurse für Grundschüler. Mit den Kursen sparen sie sich eine mündliche Prüfung im Abitur und begeistern Grundschüler für Naturwissenschaften – unter anderem mit Lochkameras, Schwimmbadbesuchen und Alarmanlagen.
Ein Kaleidoskop aus Pappröhre und Spiegelfolie zu bauen sei nicht kompliziert, sagt Ulrike Heitmann aus der 12. Klasse des Hans-Thoma-Gymnasiums (HTG). Aber die Spiegelung ist viel zu verschwommen. Zumindest wenn man Grundschüler damit begeistern will. Also ging Heitmann für ihren Seminarkurs in den Baumarkt, besorgte Abflussrohre und Spiegelfliesen und baute daraus ein paar Kaleidoskope – zum Ausprobieren, bevor ihre ganz speziellen Mathestunden für Grundschüler von der Hebelschule überhaupt begannen. "Zum Glück habe ich eine kleine Schwester, an der ich üben konnte", sagt Heitmann. Für die ganze Mühe entfällt für Heitmann immerhin eine mündliche Prüfung im Abitur. Dafür musste sie zwei Nachmittage für Grundschüler gestalten, jeweils einen im ersten und einen im zweiten Halbjahr des laufenden Schuljahres.Werbung
Einen Mathe- und einen Physikkurs für Grundschüler hatte das HTG in diesem Jahr erstmals angeboten – pro Halbjahr und Kurs jeweils an sechs Nachmittagen. Es sollte vor allem um Randthemen gehen, die im Unterricht nicht behandelt werden. Und Mitmachen sollten die Kleinen können. So haben Grundschüler und Gymnasiasten zusammen zum Beispiel Fingerabdrücke untersucht, Lochkameras und Alarmanlagen gebaut und im Schwimmbad mit einem Eimer Wasser geangelt. Zu jedem Kurs durften sich zehn Grundschüler von der Hebelschule im Rahmen ihrer musischen Nachmittage anmelden, die sie dreimal im Jahr wählen dürfen – bei Hermann Kleins Tochter war es zuletzt etwa Briefmarkensammeln. Klein, Erfinder der Aktion vom Schülerforschungszentrum, hat den Kontakt hergestellt: "Aus den Kursen sind richtig kleine Freundschaften entstanden. Die Kleinen hingen an den den Großen dran", erzählt Klein.
Sechs Schüler aus der zwölften Klasse kümmerten sich pro Kurs um zehn Grundschüler. "Das Süßeste war, als zwei Mädchen anfingen, mir Briefe zu schreiben", erzählt Ulrike Heitmann. Zwölf Schüler vom HTG haben den Seminarkurs "Grundschule" als Alternative zur mündlichen Prüfung gewählt. "Der Arbeitsaufwand ist allerdings enorm", sagt Klein. Zusätzlich zu den zwei Nachmittagen, die vorzubereiten sind, müssen die Schüler bei allen Terminen anwesend sein, Protokoll führen, eine schriftliche Seminararbeit abliefern und in einem Kolloquium, einer Art kleinen mündlichen Prüfung, die Arbeit verteidigen. Mit den Seminarkursen wollte der Mathelehrer vom HTG das Schülerforschungszentrum "phaenovum" für weitere Schüler öffnen und ein Zusatzangebot zu den Wettbewerben schaffen.
Klein hatte auf der Bildungsmesse "Didacta" vom "Service-Learning" gehört. "Da heißt es: raus aus der Schule und für andere etwas tun", erklärt Hermann Klein. Das Schöne an dem Projekt: Beim Tun für andere lernen die Schülerinnen und Schüler selbst eine Menge – Unterricht vorbereiten, selbstständig Arbeiten, Verantwortung übernehmen. Und natürlich: Kaleidoskope bauen. Während das für Heitmann die größte Herausforderung war, fiel es Klein am schwersten, seine "Großen" einfach machen zu lassen. Schließlich geht es darum, Leidenschaft für die Naturwissenschaften zu vermitteln. "Das sind völlig andere Anforderungen als im Unterricht", sagt Klein.
Wann baut man zum Beispiel mal ein Spiegelbuch, arbeitet mit dem Buchstabenkrankenhaus oder einem Spiegelprisma wie Heitmann in ihrem Kurs für das zweite Halbjahr. In das Prisma kamen Münzen, die sich durch die Spiegelung vermehrten und fertig war das Donald-Duck-Experiment. Zu allen Einheiten hat sie Arbeitsblätter entwickelt.
Die Kurse kamen so gut an, dass die Schüler noch einen Projektnachmittag an der Fridolinschule geleitet haben – diesmal schon ohne Klein. Die Seminarkurse sollen auf jeden Fall weiter angeboten werden, nur wie genau ist noch nicht klar. Zumindest soll sich das Angebot in Zukunft nicht nur an Hebel-Schüler wenden: "Damit sich keiner benachteiligt fühlt", sagt Klein.
Autor: Sarah Nagel
