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04. Februar 2012

Die Jagd nach fünf Regenschirmen

Handys, Fahrräder, Taschen und ein Fagott: ein Erfahrungsbericht von der Lörracher Online-Versteigerung des Fundbüros.

  1. Lörracher Online-Schnäppchen nicht nur für Fans von Schirmen. Foto: Claudia Gabler 

LÖRRACH. Seit drei Jahren versteigert das Lörracher Fundbüro im Internet ein- bis zweimal pro Jahr Fundstücke, die ihr Besitzer nicht abgeholt hat. BZ-Mitarbeiterin Claudia Gabler hat ihren Computer eingeschaltet und sich an dem munteren Bieten beteiligt – und festgestellt, dass das gar nicht so einfach ist, aber trotzdem Spaß machen kann.

Ich bin ein haptischer Mensch. Bevor ich etwas kaufe, muss ich es anfassen. Egal ob Socken, Pfirsiche oder Autos – ausschlaggebend für eine positive oder negative Kaufentscheidung ist für mich, wie sich die Dinge anfühlen. Gleichzeitig bin ich ein leidenschaftlicher Fan der Secondhand-Kultur: Warum etwas Neues kaufen, wenn bei einem anderen das Objekt der Begierde ungeliebt auf dem Dachboden liegt? Warum den Neupreis zahlen, wenn ich etwas für ein Fünftel des Geldes bekommen kann? Und vor allem: Warum weiteren Abfall produzieren, wo die Welt bereits jetzt an ihrem Müll erstickt?

Also stelle ich die eine Leidenschaft hinter die andere und beschließe, mich endlich für den großen Markt der Online-Auktionen von gebrauchter Ware zu öffnen. Doch der Platzhirsch Ebay und seine kleinen Konkurrenten wie Hood.de sind mir noch immer zu groß. Für den Anfang wünsche ich mir lokale Gebundenheit. Hier bot sich für mich als Lörracher Bürgerin die Online-Versteigerung des Fundbüros an. Seit drei Jahren versteigert die städtische Stelle für verlorene und gefundene Gegenstände über die Webseite der Stadt ein- bis zweimal jährlich Verlorengegangenes, das mindestens ein halbes Jahr vergeblich auf das Abholen durch seinen Besitzer gewartet hat.

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Ein Monat vor Beginn der Versteigerung wird diese öffentlich bekanntgemacht, die angebotenen Gegenstände können im Internet angeschaut werden. Entdeckt dort jemand etwas aus seinem Besitz, wird es aus der Auktion genommen. Für alles andere galt diesmal der Auktionsstart 19. Januar um Punkt 18 Uhr. Über einen Zeitraum von zehn Tagen wurden 240 Artikel (darunter viele Fahrräder, einige Handys, Taschen, Kleidung, Schmuck) zu 178 Positionen angeboten. Eine Position ist eine Bündelung zweckgleicher Artikel, das Lörracher Fundbüro bot hier unter anderem an: zahlreiche Handy-Bündelungen in Form von zwei oder drei gleichwertigen Geräten, diverse Taschen-Bündelungen und eine Oberteile-Bündelung in Form von drei neuwertige Herren-T-Shirts in XXL.

Mir hat es besonders die Bündelung aus fünf Stock-Regenschirmen angetan, denn neben meiner Leidenschaft für Haptik und Gebrauchtwaren hege ich eine große Leidenschaft fürs Schirme-Verlieren. An Parapluies kann man in meinen Augen also nie genug haben. Das Mindestgebot für das Quintett liegt bei einem Euro, will man es sofort erwerben, kostet es drei Tage nach Auktionsstart 14,32 Euro. Die Lörracher Auktion unter dem Dach von "sonderauktionen.net" bietet also nicht nur bei ausgewählten Artikeln die Möglichkeit zum Sofortkauf, sondern für alle angebotenen Posten. Doch 14,32 Euro sind mir zu teuer – und schließlich bin ich ja angetreten, um zu steigern. Also überbiete ich meine beiden Vorgänger, biete 1,50 Euro und bitte um eine Erinnerung per E-Mail, wenn ein Gebot meines um mindestens einen Euro übersteigt. Der Preis sinkt mit dem Lauf der Versteigerung, auch das zeigt das System sekundengenau an.

Bereits am nächsten Morgen werde ich über ein neues Gebot in Höhe von zwei Euro informiert und ich erhöhe um einen halben Euro. In 50-Cent-Schritten geht das Spiel weiter, ich bin inzwischen zum Kurzurlaub in Berlin und kann nur noch sporadisch in Internetcafés meine Chancen aufs Schirm-Quintett überprüfen, bis ein anderer acht Tage nach Beginn der Versteigerungsauktion den Zuschlag bekommt: die Stockschirm-Bündelung ist für 5,71 Euro verkauft worden. Von der Nachricht erfahre ich rund 36 Stunden nach dem Zuschlag, es ist inzwischen elf Uhr abends des letzten Versteigerungstags und ich komme gerade aus der Vorstellung eines Ostberliner Theaterhauses. Gerade mal fünf Restposten aus dem gesamten Auktionsangebot sind noch zu haben, darunter eine Sporttaschenbündelung aus vier rucksackähnlichen Plastiktaschen. Ich biete lustlos fünf Euro. Später werde ich erfahren, dass ich nachts um zwei auch in dieser Sache überboten wurde, dass ein Trekkingrad mit 290 Euro den höchsten Preis dieser Versteigerung erzielt hat und sogar ein Fagott unter den Hammer gekommen ist. Ich sehe aus dem Fenster eines Ostberliner Internetcafés, der Schnee fällt leise über Berlin.

Autor: gab