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29. Oktober 2011
Die letzte Olive vor dem sicheren Tod
Amnesty International feiert seinen 50. Geburtstag – das Museum stellt informativ-künstlerische Plakate der Organisation aus.
LÖRRACH. Mit einer Ausstellung erinnert die Amnesty International-Gruppe Lörrach an das 50-jährige Bestehen der Menschenrechtsorganisation. Im Hebelsaal des Museums können Interessierte bis zum 27. November Plakate, Filme und Zeitungsartikel anschauen. Sie erzählen die Geschichte einer Bewegung, die sich zu Beginn ausschließlich für politisch Verfolgte einsetzte, um schließlich als weltweit agierende Menschenrechtsorganisation aufzutreten.
Ein zum Tode Verurteilter darf sich eine letzte Mahlzeit wünschen. "Olive" steht als einziger Begriff auf einem der schwarzen Vierecke, die das gelb schwarze Plakat übersähen. Eine Olive – in Anlehnung an das letzte Abendmahl Jesu. In jedem der vielen Quadrate auf dem Plakat steht ein Wunsch für eine Henkersmahlzeit: Brathähnchen mit Kartoffelbrei ist da zu lesen. Aber auch: Gerechtigkeit und Weltfrieden. 17 Plakate von Amnesty International hängen momentan im Hebelsaal des Museums am Burghof. Sie sollen daran erinnern, dass die Menschenrechtsorganisation seit 50 Jahren gegen Todesstrafe und Folter kämpft. Im letzten halben Jahrhundert hat sich die Bewegung unermüdlich für die Einhaltung der Menschenrechte stark gemacht.Werbung
Anlässlich ihres 50. Geburtstags hat die siebenköpfige Lörracher Gruppe von Amnesty eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Sie gehört zu der Ausstellungsserie Vielfalt. Bis zum 27. November werden die Plakate, die direkt aus der Zentrale in London stammen, kostenlos zu sehen sein. Sie dokumentieren die Geschichte und Entwicklung der Menschenrechtsorganisation.
Betritt man den Hebelsaal, fällt als erstes eine weiße Skulptur auf, die am Boden kniet. An den Wänden hängen Plakate in Schwarz und Gelb, seit dem Jahr 2008 die weltweit einheitlichen Farben von Amnesty. Die Plakate, die in sauberen Reihen an den Wänden hängen, sind chronologisch angeordnet und erzählen die Entwicklung einer Organisation, die sich alle zehn Jahre neuen Herausforderungen angenommen hat.
Das erste Foto zeigt Anwalt Peter Benenson. Der Begründer von Amnesty International las im November 1960 in der Londoner U-Bahn einen Artikel über zwei Portugiesen, die zu sieben Jahren Haft verurteilt wurden – sie hatten auf die Freiheit angestoßen. Ein Jahr später veröffentlicht Benenson in der Zeitung The Observer den Artikel "The Forgotten Prisoners". Er forderte die Leser auf, die Regierungen unter Druck zu setzen, um die Freilassung der Gefangenen durchzusetzen. Dreißig Zeitungen druckten das. Aus der zeitlich begrenzten Kampagne Amnesty International entstand eine Organisation.
Von der Entstehungsgeschichte schlägt die Ausstellung den Bogen zur weiteren Entwicklung von Amnesty. Lag der Schwerpunkt in den siebziger Jahren noch auf dem Kampf gegen Folter, so richtete die Organisation ihr Augenmerk in den 80ern verstärkt auf den Schutz von Flüchtlingen. Jedem Jahrzehnt sind drei Plakate gewidmet. Das Ende des Kalten Krieges stellte die Menschenrechtsbewegung schließlich vor neue Herausforderungen. Amnesty-Aktivisten konnten wegen des Falls des Eisernen Vorhangs plötzlich weltweit recherchieren. Sie deckten Menschenrechtsverletzungen auf und machten sie publik. Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 rückte Guantanamo in den Fokus der Aktivisten. Das Gefangenenlager wurde zum Synonym für die unmenschliche Behandlung von Häftlingen.
Die Ausstellung im Hebelsaal dokumentiert den Wandel von einer Gefangenenhilfsorganisation in zu einer Bewegung, die als Impulsgeber für die politische, wirtschaftliche und kulturelle Durchsetzung von Menschenrechten kämpft. In den letzten Jahren setzt sich Amnesty verstärkt für die Rechte von Frauen ein.
Auch wenn die Ausstellung im Hebelsaal auf den ersten Blick sehr minimalistisch wirkt, bietet sie doch einen anschaulichen Eindruck von der Arbeit der Organisation. "Amnesty hat sich dafür entschieden, keine Bilder mit Hinrichtungen und Folterszenen auszustellen", sagt Gabi Pimper. "Erstens sollen auch Schüler die Ausstellung besuchen können, außerdem wollte man das Leiden dieser Menschen nicht ausschlachten." Die Lörracher Gruppe wurde im Jahr 1976 gegründet und trifft sich zweimal pro Woche im Nellie.
Autor: Nadine Zeller
