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12. Februar 2015

"Die Mischung macht’s"

Die drei Jungen bei der Narrenzunft Lörrach: Auf Augenhöhe mit den Alten und begeistert dabei.

  1. Jugend auf der Zunftabendbühne: Noch U 30 zeigen sich im Zunftmeisteranzug die Akteure (von links) Christoph Schuldt und Philipp Buser, hinter den Kulissen wirkt Andreas Kühn. Foto: Nikolaus Trenz/Barbara Ruda (3)

  2. Christoph Schuldt als Rentner, in diesem Jahr seine Lieblingsrolle Foto: Barbara Ruda

  3. Andreas Kühn als „stummer Diener“ zu sehen, sonst hinter der Bühne Foto: Barbara Ruda

  4. Philipp Buser hier als Hofnarr, eine von vielen Rollen. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Sie agieren wie die Alten. Dem Jugend-Trio der Narrenzunft Lörrach merkt man die Kürze seiner Zeit in der Zunft kaum an. Stark verbessert zeigen sich in diesem Jahr Christoph Schuldt (26) und Philipp Buser (29) im Lörracher Narrenspiel, Andreas Kühn (28) verstärkt vor allen das Team hinter der Bühne. Die Drei gehören ganz selbstverständlich zum Zunftmeisterteam, sind akzeptiert und integriert und begeistert dabei.

Alt und Jung
"Mir sin Fasnächtler." Darum sind sie in der Narrenzunft, die in Lörrach ihre spezielle Art der Saalfasnacht pflegt: Die in ausgefeilten Szenen ausgespielten Themen, immer im Team, mindestens zu zweit – vom Ansager als Solist abgesehen. Der Solovortrag hat seinen Platz bei der Ratssuppe am Rosenmontag und beim Schnäggeässe am Elften-Elften. Im Mittelpunkt steht der Zunftabend. Rund sieben Monate sind alle dafür im Einsatz. Das lässt das immense Engagement hinter dem unterhaltsamen Spiel erahnen. Bis Samstagabend werden rund 1950 Menschen das Programm in der Alten Halle in Haagen erlebt haben. Ihnen Freude zu machen, dafür machen die Drei mit. Rein narrenformal steht der zunftmeisterliche Ritterschlag bei Zweien noch aus. Schuldt ist schon Zunftmeister, Buser Zunftgesell, Kühn der Stift. Die Beförderung am Elften-Elften wird kaum etwas ändern. Den Zunftmeisteranzug tragen sie jetzt schon gern und stolz. Und die Drei erleben sich voll akzeptiert und auf Augenhöhe mit den anderen. "Wir lernen viel von den Alten, aber wir bringen auch junge Themen ein." Mit großem Respekt reden sie von den älteren Kollegen, vor allem von deren Erfahrung und Souveränität, mal eine Panne oder einen Texthänger zu überspielen. Aufs Ganze betrachtet, sagen die Jungen selbstbewusst: "Die Mischung macht’s." Jung und Alt, die verschiedenen Temperamente und Begabungen.

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Der Zunftmeister
Christoph Schuldt ist der Jüngste der Drei und am längsten dabei. Oberzunftmeister Stephan Vogt hat ihn 2011 zur Zunft gelockt. Ganz unbekannt war ihm das Metier nicht, denn Vater Hans-Werner Schuldt gehörte schon in der Abteilung Bühnenaufbau/Kulissen zur Zunftmeisterriege. Sohn Christoph bekam eine Einladung zur traditionellen Manöverkritik. Die Frage, ob er mitmachen wolle, hat er dann bejaht. Fasnachtserfahrung brachte er von der Guggemusik 53 mit. Nach einer Saison setzte der gelernte Industriemechaniker aus, um als Feinmechanikermeister zurückzukommen. Sein berufliches Können setzt er bei einer Schweizer Dienstleistungsfirma für Novartis ein. Er ist in Haagen auch bei der Feuerwehr. "Wenn man’s nicht mit Leidenschaft macht, macht man so etwas nicht", sagt Christoph Schuldt zu seinem Zunftengagement.

Der Geselle
Philipp Buser ist seit 2013 dabei. Vater Ralf fand den Weg zur Zunft schon vor einigen Jahren. Der Sohn machte zunächst Straßenfasnacht: bei den 53ern, den Schlurbi und den Soggeflickern als Schnitzelbanksänger. Dann trat eine Fasnachtspause ein, in der feststellte, dass ihm die Fasnacht fehlte. Aber er wollte in einem Verein mitmachen, wo sich alle einbringen. "Ganz oder gar nicht" heißt sein Motto fürs Engagement. Disziplin kennt der gelernte Kfz-Elektriker auch in seinem Beruf am Flughafen Zürich, wo er bei Swiss als licensed aircraft avionic engineer arbeitet, für Elektronik und Kommunikationstechnik der Flugzeuge verantwortlich ist. Bei der Zunft fungierte der Vater als Türöffner. Die Freude an Musik und Schauspiel hat Philipp Buser mitgebracht. Er ist ganz sicher: "Ich habe meinen Platz gefunden."

Der Stift
2012 stieß Andreas Kühn zur Zunft. Eher durch Zufall, erzählt er. Fasnächtlich hatte er sich schon zwei Jahre bei der Bloodere Clique engagiert. Auf der Suche nach Abwechslung wurde er gefragt, ob er bei der Zunft hinter der Bühne mitarbeiten wolle. Hans-Werner Schuldt und Kühns Vater kennen sich gut. Andreas Kühn wollte erst mal eine Saison testen, ob ihm das gefällt. Er blieb und sorgt im Team hinter den Kulissen dafür, dass auf der Bühne Rahmen und Requisiten stimmen. Das macht dem gelernten Zimmermann, der unterdessen als Industriemechaniker bei DMT in Lörrach arbeitet, viel Spaß. Zwischen den Szenen läuft alles nach minutiösem Ablaufplan ab. Das ist ganz schön stressig. Im Premierenzunftabend vorige Woche funktionierte der Poller in der Auftaktszene nicht richtig. Da ist man hinter der Bühne machtlos und hofft, dass den Kollegen etwas einfällt. Andreas Kühn macht gern hinter der Bühne mit. Und sagt: "Ich bin stolz dabei zu sein, denn Zunftmeister wird nicht jeder."

Autor: Nikolaus Trenz