Die Orgel kann auch Jazz

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 11. Juni 2018

Lörrach

Bei der Con-Boni-Orgelnacht zeigen sechs Organisten und Organistinnen und ein Saxophonist die Vielfältigkeit des Instruments .

LÖRRACH. Von Bach bis Jazz war alles geboten am Samstag bei der dritten Orgelnacht in der Kirche St. Bonifatius. Knapp fünf Stunden lang zogen sechs Organistinnen und Organisten im Wortsinn alle Register, um die Zuhörer mit verschiedensten Facetten der "Königin der Instrumente" zu verzaubern. Kurz vor Mitternacht mündete der Orgelmarathon in eine Überraschungssession auf der Orgelempore.

Kirchenmusiker Andreas Mölder, künstlerischer Leiter der Benefizkonzerte "Con Boni", hat für diese Orgelnacht zum Patrozinium versierte Kollegen aus Lörrach und Schopfheim gewinnen können. Zwischen den 40-minütigen Beiträgen konnten sich die Orgelfreunde bei einem vom Gemeindeteam organisierten Umtrunk vor der Kirche stärken.

Cornelius Holdermann eröffnete den Reigen majestätisch mit Bachs Magnificat-Fuge und beeindruckte in einer Paraphrase von Marcel Dupré über ein Marienlied. Auch mit Fantasien von Richard Elliott über Spirituals und französische Noels gefiel Holdermann.

Abwechslung brachten Matthias Kreutz und die Geigerin Caroline Läufer ins Programm. Farbig, fröhlich, mit Verve und vitalem Schwung umrahmte Kreutz seinen Auftritt mit zwei wirkungsvollen Werken des Franzosen Lefébure-Wély. Auch selten Gehörtes wie ein heiteres Feststück von Elsbeth Forrer aus dem 19. Jahrhundert hat der Organist aufgestöbert. Reizvoll klang die Kombination Violine und Orgel in Edward Elgars "Salut d‘amour", wo Caroline Läufer ihre Geigenstimme gefühlvoll mit viel Sentiment einsetzte.

Der französischen Orgelmusik widmete sich Willi Tittel. Im kontemplativen "Le Jardin Suspendu" von Jehan Alain zeigte der Organist sein sensibles Gespür für die geheimnisvolle Klangmagie. Im Cantabile von César Franck erzeugte Tittel einen weich schwebenden Klang und in Francks Choral E-Dur eine mächtige, groß angelegte Steigerung bis zur grandiosen Apotheose.

Mit Jazzigem brachten Heinzpeter Schmitz und der Rheinfelder Saxophonist Ralf Geisler swingende Spiellaune in den Abend. Einen für Saxophon arrangierten Sonatensatz von Händel mischten die glänzend harmonierenden Musiker mit eigenen Ideen auf. Es war ein purer Hörgenuss, wie geschmeidig sich Geislers Saxophonstimme mit schwereloser Leichtigkeit über den Orgelklang aufschwang. In freien Improvisationen über Jazzstandards wie Duke Ellingtons "In a sentimental mood" und in zwei Gospels und Spirituals ließ der Saxophonist sein Instrument wunderbar singen, voller jazzigem Drive, Emotionalität und Intensität.

Im reinen Bach-Programm von Birgit Tittel durfte sich die Orgel von verschiedenen Seiten präsentieren. Dynamisch, motorisch, mächtig im breiten Fluss der Musik, klar im großräumigen Klang spielte sie Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552. In drei Bearbeitungen Bachs über Katechismus-Choräle von Martin Luther leuchtete Birgit Tittel kunstvoll die Verzierungen der Melodien in diesen Bachschen Nachdichtungen aus. Zum Abschluss brillierte Andreas Mölder mit orchestraler Farbenpracht und packender konzertanter Geste in Bachs Concerto a-Moll, einer Bearbeitung nach Vivaldi. Mit zupackendem Elan, Energie und quirliger Orgelverve trumpfte er zum Schluss in einer Toccata von Dubois auf.

Danach konnten die Nachtschwärmer auf der Orgelempore Improvisationen über das Bonifatiuslied, Swingendes für Orgel und Saxophon und eine Sonate des Italieners Vincenzo Panerai für Orgel zu sechs Händen, effektvoll gespielt von Mölder, Willi Tittel und Matthias Kreutz, genießen: furioses Finale einer langen und doch kurzweiligen Orgelnacht, deren Erlös der Musikschule Lörrach zugute kommt.