Traditionelles Schnäggeässe in Lörrach

Doppel-Amtszeit für Jörg Lutz

Nikolaus Trenz

Von Nikolaus Trenz

Mi, 11. November 2015 um 17:40 Uhr

Lörrach

"Mir ticke anderscht" heißt das Motto der Lörracher Fasnacht 2016. Beim Schnäggeässe im Lasser-Saal wurden alte Rechnungen beglichen und neue Ämter bekleidet.

LÖRRACH. Oberbürgermeister Jörg Lutz ist der neue Protektor der Lörracher Fasnacht 2016. Das Motto für die neue Saison heißt: "Mir ticke anderscht." Das verkündeten Narrenzunft und Narrengilde gemeinsam am 11. 11. beim traditionellen Schnäggeässe im Lasser-Saal. Vor dem Auftakt der neuen wurden die Altlasten der alten Saison aufgearbeitet. Da Drochehüüler-Ordensträger Markus Muffler (Burghof) am Rosenmontag verreist war, bekam er den Orden jetzt.

Es war lange nicht so voll im Lasser-Saal an einem Elften-Elften und die Traditionsspeise Schnecken mundete, erstmals serviert von den neuen Brauhaus-Pächtern Corinna und Frank Berberich. Dazu hatten die Zunftmeister ein kurzweiliges, pointenreiches Programm gestrickt. Man weiß ja, wie sie ticken, weiß, was man am Schnäggeässe (11.11.) und der Rotssuppe (Rosenmontag) zu erwarten hat. Diesmal fielen beide Ereignisse zum zweiten Mal zusammen. Der Drochehüüler Markus Muffler kam jetzt zur verspäteten Entgegennahme des "Lörracher Verdienstordens erster Klasse" (Muffler) und verteidigte sich, nicht indem er das kabarettistisch retournierte, sondern indem er die Argumente für seine Kulturarbeit in Reime kleidete. Die Narrenehrung wurde ihm zuteil, weil der Burghof-Geschäftsführer zu wenig Populäres, also Volksmusikalisches, ins Programm hievt und weil er von der lokalen Lasser-Brauerei als Sponsor zu Rothaus wechselte. Für die freundlich-gereimte Rede gab’s freundlichen Applaus. Muffler fremdelte nicht bei den Narren, hat sichtbar seine Freude an der alltagsphilosophischen und lokalkolorierten, gelungenen Unterhaltung. Höhepunkte waren die Auftritte der Zunfturgesteine Karl-Heinz Sterzel, der sich in seiner kabarettistischen Art über Mensch und Technik Gedanken machte, und Hans Gempp, der "Lörrach in den Wechseljahren" (von der Doppelnamen-Epoche zu den kurzen Namen, wobei Lutz mit der Berufung der Stadtplanerin Monika Neuhöfer-Avdic einen Rückfall in alte Zeiten erlitten habe). Dazu der wie immer überaus kurzweilig-witzige Gastredner Bernhard Winterhalter (Alt-Vogt von Kandern) mit Anekdoten aus dem Rentnerleben und OB Jörg Lutz mit seiner Protektorenrede. Die Aufgabe des Protektors könne zweifach zu deuten sein, meinte er, als Beschützer der Fasnacht und als Beschützer vor der Fasnacht. Letzteres ließ er dann doch in den Hintergrund treten, versprach aber, genau zu trennen zwischen den beiden Ämtern OB und Protektor. Beide würden sich in der Doppel-Amtszeit siezen. Ach ja, dann hatte er noch den großen Wurf für den Lärmschutz parat: statt umstrittener Tempo 30-Bereiche, Ohropax für die Anwohner.

Den ersten Teil des von Oberzunftmeister Stefan Vogt launig moderierten Fasnachtauftaktes bildeten die Jugendspiele der Zunft: Nico Vogt wurde nach kurzem Debütauftritt als Zunftstift aufgenommen, Andy Kühn wurde zum Zunftgesellen befördert. Die bereits etablierten Jungzunftmeister Christoph Schuldt und Philipp Buser tischten ideen- und pointenreich und mit reichlich Applaus bedachte Beilagen zum Schnäggeässe auf, ebenso die alten Zunft-Hasen Ralf Buser und Klaus Ciprian-Beha. Andreas Glattacker lieferte wieder die Losungsgedanken und streifte von der Fifa bis zu Flüchtlingen die aktuellen Themen.

Die traditionellen Amtshandlungen des Tages, Proklamation des Mottos und des Protektors, vollzogen Oberzunftmeister Stefan Vogt und der stellvertretende Obergildenmeister Klaus Breitenfeld gemeinsam. Das Preisgeld für den auf den Plaketten realisierten Mottoentwurf bekam Dieter Weber aus Brombach. Die Fasnacht 2016 wird kurz. Am 27. Januar ist Zunftabendpremiere, am 8. Februar schon die Ratssuppe.