Ratssuppe am Rosenmontag in Lörrach

Dritter Drochehüüler für die OB

Nikolaus Trenz

Von Nikolaus Trenz

Mo, 03. März 2014 um 17:12 Uhr

Lörrach

LÖRRACH. Es kam, wie es kommen musste: An der Ratssuppe am Rosenmontag dekorierten die Zunftmeister Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm mit dem Drochehüüler-Orden.

Die Begründung für diese silberne Zitrone der Narrenzunft Lörrach liegt auf der Hand: Der Wechsel ins Amt der Hauptgeschäftsführerin des baden-württembergischen Städtetages nach Stuttgart nur drei Jahre nach der zweiten Wiederwahl.

In der Silvesterausgabe hatte die BZ vorausahnend gefragt, ob die OB wohl schon für den Drohehüüler-Hattrick nominiert sei? 2002, als sie den OB-Sessel in Freiburg anstrebte, bekam Gudrun Heute-Bluhm den Orden wegen des "gebrochenen Kontraktes mit dem Bürger". Und jetzt, weil nur drei Jahre nach der Wahl "ihr unablässiges Streben nach Höherem zum wiederholten Male Nahrung" finde. Die Dekorierte trug’s mit Fassung, zumal man bei diesem Orden nicht wisse, ob er Ruhm oder Schande bedeute, und verteidigte sich: Sie werde in Stuttgart schließlich für Lörrach und alle anderen Städte kämpfen um größere Stücke vom Steuerkuchen. Und sie werde in Lörrach wohnen bleiben. So ist sie nun die erste Dreifach-Drochehüülerin der Geschichte dieses Ordens. Mit Standing Ovations feierte das Publikum im Lasser-Saal die frisch gekürte Ordensfrau. Das Stadtrotschörli winkte ihr ein wehmütiges Good bye.

Der bevorstehende OB-Abschied inspirierte auch Zunftmeister. Klaus Ciprian-Beha schenkte ihr zur Vorbereitung auf den kulinarischen Kulturschock zwischen badischer Gourmetküche und Schwäbischem Allerlei Linsen und Seidenwürschtle. Und Hansi Gempp meldete, nachdem er vor 24 Jahren Rainer Offergeld und vor 19 Jahren Gudrun Heute-Bluhm auf der Suche nach einem sicheren Arbeitsplatz den Vortritt gelassen hatte, seine OB-Kandidatur an. Seine Chancen stünden gut, habe der ADAC ermittelt. Aus der Rednerriege der Zunftmeister würzten Christoph Schuldt und Philipp Buser (die Jungen machten ihre Sache bestens) sowie Andreas Glattacker und Karl-Heinz Sterzel (beide pointiert wie gewohnt) die Ratssuppe mit Witz(en). Den Basler Part spielte der am Ratssuppenmikrofon gern gehörte Felix Drechsler, dem nach der eigenössischen Einwanderungsabstimmung die guten Beziehungen am Herzen liegen: "Ohne Güggel, Schnägg und Frösch, gugge mir nur saublöd us dr Wösch." Matthias Hofer lieferte bissige Basler Narrenpoesie – der ganz andere, famose Bericht aus Basel.

Einblicke in eine "bewegte Zeit" als Protektor gab in seiner lakonisch-trockenen Art Michael Wilke. Er hat offenbar die Fasnächtler lieben gelernt, meinte aber, bevor er in Sitzungen unversehens zu schunkeln anfange oder im vollen Aufzug dem Vordermann die Hände zur Polonaise auf die Schultern lege, sei es gut, wenn die Protektoreneinsätze jetzt langsam enden.

Seit dieser Ratssuppe wissen wir: "HTG heißt Haus tiefschürfender Gedanken." HTG-Direktor Hubert Bernnat ist als Ratssuppenredner auf solche abonniert und machte sich diesmal Gedanken über den Gedanken an sich. Dem werde Heute-Bluhm in Stuttgart begegnen, denn so zitierte Bernnat aus einer Irgendwannmal- Sitzung mit einem Vertreter des Kultusministeriums: "Der Gedanke ist schon ist schon in Stuttgart und man arbeitet daran." Wow.

Das letzte Wort dieser wohlschmeckenden Ratssuppe mit Oberzunftmeister Stefan Vogt als launigem Moderator, hatte ein letztes Mal von Amts wegen OB Heute-Bluhm. Sie retournierte sicher Vorlagen ihrer Vorredner. Den Stadtratsingers hatte schon der Ozume nachgerufen, sie hätten etwa beim Verkehr Zustände beklagt, die sie selbst beschlossen haben. Heute-Bluhm gestand ein wenig Wehmut bei dieser Ratssuppe ein, aber sie hatte zuvor schon betont: "Ich bin ja nicht wirklich weg." Das ist in Lörrach beim Schnägg schon anders: Friss ’n weg!