Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. März 2011

"Drochehüüler" für Verkehrsidee

Zunftmeister küren Stadtrat Bernhard Escher an der Ratssuppe mit ihrem Orden / Munterer Redner-Reigen von Zunft und Gästen.

  1. Stadtratsingers: (von links) Thomas Denzer, Hans Dieter Böhringer, Pitt Höfler, Christiane Cyperrek, Erika Brogle; nicht im Bild Hannelore Roßkopf, Bernhard Escher, Ulrich Lusche und Uli Denzer an der Gitarre. Foto: Barbara Ruda

  2. Bei der Ratssuppe glänzte der Basler „Zetteldichter“ Matthias Hofer mit eidgenössische r Schnitzelbankkunst (links). Zum „Drochehüüler 2011“ kürten Oberzunftmeister Karl Heinz Sterzel (großes Bild rechts) und sein Stellvertreter Stephan Vogt (links) Stadtrat Bernhard Escher Foto: Barbara Ruda

  3. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Nach dem CDU-Landtagsabgeordneten Ulrich Lusche (2010) nun der stadträtliche Parteifreund und Vorsitzende des FV Tumringen, Bernhard Escher: Ihn dekorierten die Zunftmeister der Narrenzunft Lörrach gestern an der Ratssuppe im Lasser-Saal mit dem "Drochehüüler"-Orden.

Für diese Art silberne Zitrone der Narrenzunft fiel den Urhebern eine besonders ausführliche Begründung auf der von Julia Moll-Rakus gestalteten Urkunde ein. In der Hauptsache ist es der "Maschall-Escher-Plan" zur Verkehrsführung in der Innenstadt, "welcher besagt, dass stadteinwärts der Verkehr nur stadteinwärts und daraus resultierend stadtauswärts nur stadtauswärts fließen soll". Kurz kommentiert: "Wenn de Verkehr dich triebt bis fascht zum Wahn, dann mach um Gottswille kei so Chaosplan." Nebenbei kommt die Bebauung des Postareals ins Spiel, wohin man den "führungstechnisch wankelmütigen FVL, das fußballtechnisch bildungsferne Rot-Weiß Lörrach und den unter akuter Platzangst leidenden FV Brombach" hin verbannen könnte, damit Eschers FV Tumringen dann das Grütt für sich allein hat. Dafür lockte der Ordensträger die Projektentwicklungsgruppe ECE (= "Escher cha es") von Weil nach Lörrach. Der solcherart Gerügte wies, wie es sich für einen "Drochehüüler" gehört, in einer gelungenen Rede alle Vorwürfe als "voll d’näbe" zurück. Beim Verkehr räumte er ein, dass der offenbar fließe, "nur d’Lütt sind verruckt", und die Fußballposition sei doch klar: "Die Spatze vu de Dächer singe, de bescht Fußball spielt me in Tumringen".

Werbung


Bis dieser natürliche Höhepunkt der Ratssuppe erreicht war, hatten die Zunftmeister und einige Gäste das Auditorium schon bestens unterhalten. Aus den eigenen Zunftreihen taten das Christoph Schuldt, der danach vom Stift zum Zunftgesell befördert wurde, Axel Leuger, der den Rentner-Termindruck durchwanderte, Stephan Vogt, der aus dem Hundeleben des tschechischen Terriers Vaclav fast ein Hörspiel machte, Klaus Ciprian-Beha, der sich überzeugend als Diät-Beauftragter der Zunft einführte, Andreas Glattacker, der die Zunft mit ihrer GFUS-Partei (Güggel, Frösch und Schnägge) nun auch politisch in Lörracher verankert sieht, und Hans Gempp, der sich über Fusionen von Kern bis Fußball ausließ. Tusch.

Vor den Rednerreigen brachten die "Stadtroot-Singers" Stimmung in den Saal mit lokalpolitischen Spitzen und bekannten Melodien. Natürlich kamen da auch die Weiler drin vor, zu denen auch den Zunftrednern wieder die eine oder andere Gemeinheit einfiel. Ein Beispiel: Frage: Wo darf man mitten auf der Autobahn wenden? Antwort: Nur an einer einzigen Stelle in Deutschland. Wo das Schild steht "Herzlich willkommen in Weil am Rhein" steht. Die Gästereihe am Ratssuppenmikrofon setzte Hubert Bernnat fort, der sich diesmal mit den Ursymbolen Kreuz und Kreis beschäftigte. Diese gehörten auf dem Wahlzettel zusammen, im Verkehr hingegen führe die Verbindung von Kreuz(ung) und Kreis(el) unweigerlich zum Chaos. Nach des Schulmeisters Rede verlieh der gestern bestens aufgelegte Oberzunftmeister/Moderator Karl Heinz Sterzel allen "fürs Alose von dem Vortrag" den Doktortitel.

Das Schweizer Idiom mussten die Zunftmeister diesmal nicht wie im Zunftabend selbst produzieren, dafür sorgten Felix Drechsler, der frühere Basler Regierungssprecher und Lörracher "Drochehüüler", der manche Pointe zu hiesigen und deutschen Themen setzte, sowie Mathias Hofer, der in bester Basler Schnitzelbankmanier über den "Ruf der Berge" (Alpenfolklore versus Schutzbedürfnis dieses Naturraums) begeisterte.

Im Schlusswort zollte Protektorin Gudrun Heute-Bluhm Zunft und Gilde Lob und Dank für die tollen Veranstaltungen zur Jubiläumsfasnacht 2011, in der beide 75-jähriges Bestehen feiern.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Zunftgeselle Lukas Grussenmeyer, der beim Zunftabend für Technik und Beleuchtung zuständig ist, zum Zunftmeister befördert wurde. Und: Fans der Zunftmeister sollten das Wiedersehen und Wiederhören am Elften-Elften vormerken, wenn es wieder heißt: "Friss’n weg, d’r Schnägg."

Bilder von der Ratssuppe unter    http://www.badische-zeitung.de

Autor: Nikolaus Trenz