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07. August 2009

Echte Gleichberechtigung erfordert Umdenken

SPD-Bundestagsabgeordnete Jana Zirra setzte sich im Gespräch mit den Rainbowstars mit Homosexualität auseinander

  1. Jana Zirra (vorne) mit dem Vorstand der Rainbowstars. Foto: BZ

LÖRRACH (BZ). Mit Problemen von Homosexuellen in der Region befasste sich die SPD-Bundestagskandidatin Jana Zirra im Gespräch mit der schwul-lesbischen Initiative Rainbowstars. Die Gruppe hatte die Kandidatin eingeladen.

"Hier im ländlichen Raum wird das Thema oft totgeschwiegen", so Jonny Schuler, stellvertretender Vorsitzender der Rainbowstars, "und die Vorurteile sind noch sehr groß." Selbst unter den Mitgliedern des Vereins, die an diesem Abend anwesend waren, gab es mehrere, die sich vor allem im beruflichen Umfeld nicht trauen, zu ihrer Sexualität zu stehen. "Ich weiß doch, wie meine Kollegen über Schwule reden – da werde ich bestimmt nicht sagen, dass ich seit Jahren glücklich mit einem Mann zusammenlebe", so einer der Anwesenden.

"Bei der rechtlichen Gleichstellung Homosexueller haben wir in den letzten Jahren viel erreicht. Für echte Gleichberechtigung brauchen wir aber ein gesellschaftliches Umdenken", kommentiert Zirra diese Erfahrungen. Dabei sei vor allem Aufklärungsarbeit, wie sie der Verein für betroffene Eltern anbietet, zentral. Auch aus dem Elternkreis waren Vertreter beim Gespräch anwesend. Die Elternvereinigung erstellt unter anderem Unterrichtsmaterial für Lehrer sowie Ratgeber für andere Eltern. "Diese Arbeit ist extrem wichtig" betont Zirra, "Eltern müssen ihre Kinder gerade in der Pubertät, wenn sie ihre Homosexualität entdecken, unterstützen. Das ist bestimmt keine einfache Zeit."

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"Ich finde es auch unglaublich, dass sich zwei Menschen, die sich füreinander entscheiden, im Landratsamt das "Ja-Wort" geben müssen. Dort hole ich mein Kfz-Kennzeichen und meinen Führerschein, romantisch ist etwas anderes", zeigt sich Zirra verwundert über die Praxis, die Eintragung der Lebenspartnerschaft nur auf dem Landratsamt – statt wie in allen anderen Bundesländern (außer Thüringen) in Standesämtern – durchzuführen.

Ein weiteres Beispiel, dass die Behörden oft nicht wüssten, wie sie mit Homosexuellen umgehen sollen, sei der Christopher Street Day (CSD) – eine Demonstration von Homosexuellen für den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Schwulen und Lesbischen, der am 18.April in Lörrach stattfand. Da dies eine politische Demonstration war, müsse die Stadt die Kosten für den THW-Einsatz sowie die Absperrung tragen wie bei jeder anderen Demonstration auch. Doch die Verwaltung weigere sich, berichteten die Rainbowstars.

Hier versprach Zirra diesen Vorgang über die SPD-Fraktion im Stadtrat prüfen zu lassen. Den Wunsch des Vereins, sie solle beim nächsten CSD mitzulaufen, nahm Zirra dann auch gerne an: "Wenn Politiker in der ersten Reihe dabei sind, ist das ein klares Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung", so die Kandidatin zum Abschluss des Gesprächs. Am vergangenen CSD hatte bereits Marion Caspers-Merk die Schirmherrschaft übernommen.

Autor: bz