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12. November 2012

Ein Basler als Protektor in Lörrach

Stehende Ovationen für Kulissenmaler Dieter Roth und Ex-Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel / Schnäggeesse mit Überraschungen.

  1. Der neue Protektor der Lörracher Fasnacht ist zum ersten Mal ein Basler: Felix Rudolf von Rohr, Exobmann der Basler Fasnacht und langjähriger Freund der Lörracher Fasnacht, hier mit Obergildenmeister Jörg Roßkopf (links) und dem neuen Oberzunftmeister Stephan Vogt (rechts). Foto: Barbara Ruda

  2. Stehend Applaus gab’s für die Leistungen des langjährigen Oberzunftmeisters Karl-Heinz Sterzel (links) und von Zunftmeister Dieter Roth (Mitte) für seine Lebensleistung für die Zunft. Als aktiver Zunftmeister wurde Axel Leuger (rechts) mit herzlichem Dank und Applaus verabschiedet. Foto: Barbara Ruda

  3. Foto: Barbara Ruda

  4. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Das ist eine veritable Überraschung: Der frühere Obmann der Basler Fasnacht, Felix Rudolf von Rohr, ist Protektor der Lörracher Fasnacht 2013. Nach dem früheren Lörracher Migroschef Erich Fischer ist er der zweite Eidgenosse in diesem Amt – der erste Basler. Das Motto heißt "Afangs nimmt’s kei End". Für dessen Gestaltung mit Waggis im Hamsterrad gewann der Weiler Frank Schmohl den Plakettenwettbewerb. Erstmals trat am Schnäggeesse der Träger des Drochehüler-Ordens vom Rosenmontag – mit Verspätung – zu seiner Verteidigungsrede an. Und: Es wurden verdiente Zunftmeister gewürdigt.

Der Rahmen war wie immer am Elften-Elften: gut besetzter Lassersaal, Schnäggeesse zum Auftakt, launige, witzige, hintergründige Reden von Zunftmeistern (Klaus Ciprian-Beha, Ralf Buser, Hansi Gempp, Karl-Heinz Sterzel), dazu Losungsinterpretationen von Andreas Glattacker, gern gehörte Gastredner, dazu ein beifallfreudiges Publikum und ein gut aufgelegt durchs Programm führender Oberzunftmeister. Und doch war es nicht wie gewohnt.

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Jahrelang führte Karl-Heinz Sterzel als Oberzunftmeister die Zunft; im Sommer hatte er an der Hauptversammlung der Zunft sein Amt an Stephan Vogt abgegeben, der gestern in der neuen Funktion seinen Premierenauftritt hatte. Sterzel bereicherte jetzt die Rednerreihe mit einem kabarettistischem Jahresrückblick und ergriff dann nochmal offiziell das Wort. Er würdigte Axel Leuger, der sich nach sechs aktiven Zunftjahren zurückzieht und in schwieriger Zeit mithalf, das Narrenzunftschiff wieder flott zu machen. Auch Dieter Roth nahm seinen Abschied: nach 48 Jahren bei der Zunft, 43 Plakettengestaltungen, 140 Großkulissen für Zunftabend und 20 Drochehüler-Gestaltungen. Da geht ein Urgestein der Zunft in den Ruhestand – Standing Ovations waren Dank und Respekt des Auditoriums für dieses Lebensleistung im Dienst der Fasnacht. Und dann Sterzel selber: Stephan Vogt dankte für die in mehr als zehn Jahren erbrachte Arbeit für die Narrenzunft. Sterzel hat sie durch ihre schwerste Krise geführt, auch die Gemeinschaft mit der Gilde wieder hergestellt. Ohne die Kollegen, so Sterzel, wäre es nicht gegangen. Oberzunftmeister zu sein, sagte er, "war mir eine Ehre". Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm fügte hinzu: "Hier war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz." Auch für Sterzel gab es stehend Beifall. Sterzel bleibt der Zunft als Akteur und Zunftabendregisseur erhalten.

Am Elften-Elften wird der neue Protektor proklamiert, der alte verabschiedet sich. So machte Jürgen Schernhammer, Stadtbrandmeister der Lörracher Feuerwehr, noch einmal deutlich, dass ihm die Ausübung dieses "schönsten Amtes" in Lörrach viel Freude gemacht hat. Die Amtsinsignien wird er am 6. Januar beim Neujahrsempfang der Narrengilde an seinen Nachfolger weitergeben.

Felix von Rohr zeigte sich "tief berührt" von dieser Ehre und meinte in launigen Antrittsworten, dass sich Basler und Lörracher ohnehin näher stehen "als d’Clön in Bern und in Berlin". Grenzen überwinden und über die Fasnacht Freundschaften gründen, dazu wolle er mit seinem Protektorat beitragen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Alt-MdB Wilhelm Jung mit ein paar Witzen die Gastrednerliste eröffnete, in der der Kanderner Bürgermeister Bernhard Winterhalter am Elften-Elften unterdessen seinen festen Platz hat und diesen wieder bestens ausfüllte. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm hatte traditionell das letzte Wort und konterte darin den Drochehüüler Jochen Schicht, in dieser Rolle Lörrach kleinredete (siehe nebenstehenden Artikel): von wegen Lörrach ein Dorf bis ins 19. Jahrhundert. Im Herbst 1848 war es immerhin drei Tage lang Hauptstadt der deutschen Republik.

Autor: Nikolaus Trenz