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22. September 2009

Ein Blinddarm aus Gummibärchen

Beim Tag der offenen Tür im St. Elisabethenkrankenhaus konnten Jungen und Mädchen selbst einmal Arzt spielen

  1. Beim „Tag des Kinderkrankenhauses“ konnten sich Kinder auch mal als Chirurg versuchen. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Ein buntes Aktionsprogramm mit Spiel und Spaß für Kinder und Eltern und die Möglichkeit, viel über die Klinik und ihren Alltag zu erfahren, wurde den Besuchern am Sonntag beim Tag der offenen Tür im St. Elisabethenkrankenhaus geboten. Zum vierten Mal erweiterte man so in bewährter Partnerschaft mit dem Aktionskomitee Kind im Krankenhaus Akik den "Tag des Kinderkrankenhauses" am 20. September.

Getreu dem Motto "Kinder in Bewegung", das sich das "Eli" in diesem Jahr auf die Fahnen geschrieben hat, wurde vor allem im Klinikinnenhof und im idyllischen Garten der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf der anderen Straßenseite mit Bewegungsparcours und Kletterwand versucht, möglichst viele Kinder in Bewegung zu bringen. "Eine Art von aktiver Prävention", nennt Verwaltungsleiter Andreas Heuser das. Wo sich jeweils zwei Besucher an der interaktiven Reaktionswand maßen, knallte es deshalb in kurzen Abständen. Die Kleinsten durften sich ausgiebig in einer großen Hüpfburg austoben, was nicht mit so vielen Geräuschen verbunden war.

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Den Kindern auf spielerische Art oftmals vorhandene Berührungsängste zu nehmen, dazu diente eine Schnitzeljagd durchs Haus mit verschiedenen Stationen. Wer sich mal als Chirurg versucht hat und mit den stabartigen Instrumenten, die bei minimal-invasiven Operationen verwendet werden, einen Gummibärchenmasse-Blinddarm erfolgreich aus einem fiktiven Bauchraum entfernt hat, fühlt sich im Ernstfall in der Krankenhausumgebung nicht mehr so fremd. Wie familiär es im St. Elisabethenkrankenhaus zugeht, bewies, dass sich alle Mitarbeiter gerne einbrachten. Kinderchirurg Dr. Vogel hatte wieder das Skalpell mit einer Grillzange getauscht und versorgte die Besucher mit Steaks und Würstchen.

Beim Tag der offenen Tür wollte das "Eli" zeigen, wie ernst man die Aufgabe nimmt, den Landkreis Lörrach als Kinderklinik mit einem multiprofessionellen Team und einem Rundherumkonzept mit vielen Ambulanzen uneingeschränkt zu versorgen. Für kleine und große Patienten ein verlässlicher Partner zu sein, wird den Krankenhäusern von der Politik aber immer schwieriger gemacht, weil die Rahmenbedingungen immer schlechter werden. Darüber sollte auch an so einem heiteren Tag informiert werden. Als eindrückliches Beispiel nannten Heuser und Monika Werner, die Bundes- und Landesvorsitzende von Akik, das von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkte Heraufsetzen der Zahl von Frühchen, die ein Perinatalzentrum pro Jahr behandeln muss, um überhaupt existieren zu können. "Die Konzentration von Leistungsstrukturen macht Sinn", räumte Heuser offen ein. "Das haben wir hier in Lörrach ja erfolgreich praktiziert." Das dürfe aber keineswegs auf Kosten der Qualität und wohnortnahen Versorgung geschehen. Werde die Frühchenquote, wie wohl bereits geplant, noch weiter steigen, würde es statt 22 bald nur noch fünf oder sechs Perinatalzentren in Baden-Württemberg geben – mit allen schlimmen Konsequenzen für Babys und Eltern. Akik hat deshalb im Mai bei seiner Bundesversammlung ein Manifest verfasst mit der Forderung, sämtliche Gesundheitskosten für Kinder ausschließlich aus Steueraufkommen und auf keinen Fall mehr nach den Fallpauschalenvergütungen für Krankenhäuser zu finanzieren. Wegen des überproportionalen Personaleinsatzes können Kinderkliniken in diesem System die Kosten nämlich nicht annähernd decken.

Vom Erlös des Tages sollen weitere Babyschlafsäcke angeschafft werden, die jedes im "Eli" zur Welt gekommene Neugeborene seit Sommer als Geschenk erhält. Grundgedanke ist die Prävention vor dem plötzlichen Kindstod. Akik spendete am Sonntag dafür 400 Euro.

Autor: Barbara Ruda