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08. April 2011
Ein Dach über dem Kopf
Im vergangenen Jahr war die Notübernachtungsstelle im Erich-Reisch-Haus so gefragt, wie noch nie.
LÖRRACH. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Übernachtungen in der Notschlafstelle des Erich-Reisch-Hauses im Vergleich zum Vorjahr beinahe verdoppelt. Die Zahl derer, die im Landkreis ihre Wohnung verloren haben ist um 23 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der "verdeckten Obdachlosen", das sind Menschen, die bei Bekannten unterkommen, weil sie keine eigene Wohnung haben, nimmt zu – besonders bei Jüngeren.
"Ein sehr arbeitsreiches aber auch sehr erfolgreiches Jahr", so bilanziert der Leiter des Erich-Reisch-Hauses, Stefan Heinz, die Arbeit der Einrichtung für Wohnungslose 2010. Die größte Steigerung gab es dabei bei den Übernachtungen in der Notschlafstelle. Ursprünglich als Schutz gedacht, dass im Winter niemand erfriert, ist sie mittlerweile das ganze Jahr geöffnet. 2105 Übernachtungen wurden hier 2010 registriert, im Vorjahr waren es noch 1284. 199 Frauen und Männer bekamen hier kurzfristig ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. 46 von ihnen kamen aus Lörrach, 40 aus dem Ausland und 30 aus einem anderen Bundesland.Werbung
Die Fachberatungsstellen betreiben auch zwei Tagesstätten in Lörrach und in Weil am Rhein. Dort kooperieren sie mit dem Verein "Hilfe für Wohnungslose". Außer der Fachberatung gibt es hier ein warmes Essen, Zugang zu verschiedenen Medien oder auch nur ganz einfach Schutz vor Wind und Wetter. In die Tagesstätten kommen jedoch nicht nur Wohnungslose sondern auch bedürftige Bürger und von Wohnungslosigkeit bedrohte. 201 Menschen suchten 2010 die Lörracher Tagesstätte auf, 98 waren es in Weil. Das sind etwas weniger als im Vorjahr. Ein Grund hierfür ist, dass die Lörracher Tagesstätte im vergangenen Jahr acht Wochen lang geschlossen war, da sie komplett renoviert wurde.
77 Personen wurden im Aufnahmehaus begleitet, elf mehr als im Vorjahr. Dort werden Wohnungslose maximal drei Monate lang ambulant betreut, werden Perspektiven erarbeitet und nach Wohnraum gesucht. Im Durchschnitt blieben die Betroffenen 63 Tage. Nur fünf gingen im Abschluss an die Betreuung wieder auf die Straße. Eine engmaschige Wohn-und Betreuungsform bietet die stationäre Hilfe. 15 Wohngruppen-Plätze gibt es hier, zwischen 12 und 18 Monate blieben die Betreuten. Hier kümmern sich die Mitarbeiter um Menschen, die psychosozial belastet sind, sei es durch körperliche oder geistige Erkrankungen, familiäre Schwierigkeiten, Straffälligkeit oder Sucht.
Die Fachstelle Wohnungssicherung dient als Anlaufstelle für jene, denen die Kündigung droht. Hier gibt es Informationen über Mietschuldendarlehen, Kontakte zur Schuldnerberatung und Vermieter werden mit an den Tisch geholt. Seit 1. November 2009 gibt es das Pilotprojekt, 71 Prozent aller kontaktierten Haushalte konnten seitdem vom Verlust ihrer Wohnung bewahrt werden.
Die Arbeit des Erich-Reisch-Haus geht also nicht aus, doch Stefan Heinz zieht eine positive Bilanz: "Wir haben das Gefühl, dass wir in Lörrach akzeptiert sind und dass unsere Arbeit geschätzt wird."
Autor: Michael Reich
