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12. Februar 2013

Josha Frey: Ein Robin Hood als Drochehüüler

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey ist neuer Ordensträger an der Ratssuppe / Höchst unterhaltsamer Redenreigen.

  1. Drochehüüler 2013: MdL Josha Frey (Grüne) flankiert von Oberzunftmeister Stephan Vogt (links) und seinem Stellvertreter Andreas Glattacker. Foto: Nikolaus Trenz

  2. Stadtratssinger (von links) Hans-Dieter Böhringer, Erika Brogle, Pitt Höfler, Hannelore Roßkopf, Christiane Cyperrek, Thomas Vogel; nicht im Bild die Musiker Thomas und Ulrich Denzer. Foto: Nikolaus trenz

  3. Justizminister Rainer Stickelberger mit Oberzentrumswendeschal in Lörracher und Weiler Farben. Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Das war eine Überraschung: Der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey wurde von den Zunftmeistern der "gar ehrbaren Narrenzunft Lörrach" auserkoren für den Drochehüüler-Orden 2013. Bekommen hat er die silberne Zitrone der Narren für einen Schlagabtausch mit dem Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz anlässlich des Neujahrsempfanges. Dass Frey und sein SPD-Kollege Justizminister Rainer Stickelberger ohne adäquates Geschenk kamen, begründete die Anklage der Narren.

So betrachtet hätte beiden der Drochehüüler-Orden gehört. Die koalitionsinterne Arbeitsteilung an diesem Rosenmontag im Lassersaal ließ dem Grünen die Ordenswürde und dem Roten einen Gastauftritt am Ratssuppenmikrofon. Erklärungsbedürftig ist der Vorgang, der zu dieser Entscheidung der Zunftmeister geführt hat: Beim Weiler Neujahrsempfang hatte Dietz offenbar launig gesagt, früher hätten die Gäste aus der Landeshauptstadt etwas mitgebracht. Heute müsse man aufpassen, dass sie nichts mitnehmen. So oder so ähnlich war’s auch zu lesen und ebenso, dass das die Abgeordneten Stickelberger und Frey gar nicht amüsierte und sie dann den OB der Nachbarstadt darauf hinwiesen, was dessen Kommune von der Arbeit der grün-roten Regierung in Euro habe. Das fanden nun die Lörracher Zunftmeister humorlos und dekorierten Frey für die Zwei mit dem Drochehüüler.

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Der Geehrte antwortete keineswegs humorlos in Reimen und stilisierte sich in der Tradition Robin Hoods als Helfer der Lörracher gegen die Weiler, so was will man an Fasnacht in der Kreisstadt hören. Rainer Stickelberger, der seinen Auftritt als Grußwort deklarierte, eine Rede könne die Zunft nicht zahlen (in der SPD hat Steinbrück die Preise verdorben), nahm den Kollegen Drochehüüler in Schutz und attestierte Dietz eine grün-rote Farballergie. Zwischen Lörrach und Weil zeigte er sich verbindlich mit Oberzentrumswendeschal: auf der einen Seite die Lörracher, auf der anderen die Weiler Farben.

Vorher hatte schon der Basler Felix Drechlser nach den unterhaltsamen Limmericks des Protektors Felix Rudolf von Rohr das Basler Fasnachtsmotto "Zu mir oder zu dir?" umgedeutet: Ob nicht Lörrach mit Basel … ? Dann wäre Lörrach Weil los und könnte die Zollfreie als Sackgasse enden lassen. Womit das Thema nicht zum ersten Mal an dieser Ratssuppe zur Sprache kam.

Das Stadtrot-Chörli glossierte dieses und andere kommunale Themen. Angesichts dessen, dass die Zollfreie ein beherrschendes Thema seit der Ratssuppe 2012 war, haben nicht wenige Manfred Steinbach, den Sprecher Lörracher Initiative Zollfreie, als Drochehüüler erwartet. Im Hinblick auf die schwebende Petition war das wohl nicht opportun. OB Gudrun Heute-Bluhm sprach diese Drochehüüler-Erwartung aus, stellte sich aber schnell auf die Gegebenheiten ein und setzte den launigen Schlusspunkt der Ratssuppenreden. Eröffnet hatten den Redenreigen die Zunftmeister selbst mit ihrem Spitzenquartett Karl-Heinz Sterzel, Klaus Ciprian-Beha, Andreas Glattacker und Hans Gempp. Sie unterhielten das närrische Auditorium bestens, nahmen menschliche Schwächen wie den Erhalt der Schönheit durch gleichnamige Chirurgen, Schweizer und Weiler aufs Korn. Oberzunftmeister Stephan Vogt führte seinerseits Pointen setzend durchs Programm. Darin leistete HTG-Direktor Hubert Bernnat, seit seiner Protektorenzeit der Fasnacht wissensschaftlich-witzig auf der Spur, einmal mehr volkskundlichen Nachhilfeunterricht, diesmal zu Narrenrufen und ihrer intellektuellen Anspruchslosigkeit (narri-narro, Hauge-hot hü, Wileri-Wilero). Welches Kaliber ist dagegen das Lörracher "Friß’n weg, dr Schnägg"? Mit dem Ruf beendete der Oberzunftmeister die Saalfasnacht in Lörrach – bis zum Elften-Elften.

Autor: Nikolaus Trenz