Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. November 2009

Eine beispielhafte Gemeinde

Charlotte Knobloch besucht die jüdische Gemeinde in Lörrach / Von Synagoge beeindruckt.

LÖRRACH. Beeindruckt von der Synagoge und der jüdischen Gemeinde in Lörrach zeigte sich gestern Nachmittag Charlotte Knobloch. Die Präsidentin des Zentralsrats der Juden in Deutschland verband einen Termin in Basel mit dem Besuch in Lörrach.

Am 9. November 2008 war die neue Lörracher Synagoge eingeweiht worden. Damals wurde auch der 70. Jahrestag der Reichspogromnacht begangen, für die Zentralratspräsidentin ein Pflichttermin. Sie wäre gern bei der Feier in Lörrach dabei gewesen, denn, so sagte sie gestern, Synagogeneinweihungen seien das Zeichen dafür, "dass jüdisches Leben in Deutschland Zukunft hat". Knobloch bedauerte, dass in der "berechtigten Freude über die Wiedervereinigung", deren 20. Jahrestag am 9. November gefeiert wird, dieses Datum als Erinnerung an die Pogromnacht von 1938 kaum erwähnt werde. Sie hoffe nicht, dass dies in Vergessenheit gerate.

Beim Rundgang durch die Lörracher Synagoge hörte Knobloch, dass die jüdische Gemeinde viel Unterstützung erfuhr, von der Stadt, vom Synagogen-Förderverein, aus der Wirtschaft, vom Museum am Burghof. Deren Vertreter waren zusammen mit einigen Gemeindemitgliedern zu der Begegnung mit Charlotte Knobloch eingeladen. Sie war beeindruckt von dem, was die Gemeinde mit dieser Unterstützung auf die Beine gestellt hat. "Lörrach ist ein Beispiel für eine funktionierende Gemeinde", konstatierte die Zentralrats-Präsidentin.

Werbung


Ein großes Kompliment machte sie Architekt Fritz Wilhelm für den Synagogenbau. Viel Wertschätzung brachte sie auch Wolfgang Fuhl entgegen, dem Vorsitzenden des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden aus Lörrach. Dieser schilderte dem Gast die Entwicklung der Lörracher Gemeinde seit ihrer Wiedergründung 1995. Wenn der kürzlich ausgehandelte Staatsvertrag zwischen den jüdischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg und der Landesregierung das Parlament passiert hat, seien die Voraussetzungen geschaffen für die weitere Aufwärtsentwicklung auch der Lörracher Gemeinde, so Fuhl. Dann werde die Synagoge ins Eigentum der Gemeinde übergehen. Auf deren Wunschliste steht noch ein Tahara-Haus auf dem jüdischen Friedhof für die rituelle Reinigung der Toten.

Fuhl stützte ausdrücklich die Kritik des Zentralrats an den ausländerfeindlichen Äußerungen des Bundesbank-Vorstandsmitglieds Sarrazin.

Hanna Scheinker, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach mit jetzt 450 Mitgliedern, wertete den Besuch Knoblochs als Ehre für die Gemeinde und als Anerkennung der Arbeit vor Ort. Dagmar Fük-Baumann (Fachbereich Kultur und Bildung) überbrachte Grüße der Stadt.

Autor: Nikolaus Trenz