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25. Mai 2010

Einmal im Jahr muss die Wolle runter

An Pfingsten war wieder Schafschur in der Schäferei Raufer im "Hummel" / Kinder warten auf die Flaschenkinder.

  1. Foto: Nikolaus Trenz

  2. Foto: Nikolaus Trenz

  3. Foto: Nikolaus Trenz

  4. Schafschur ist Knochenarbeit. Kaum ist das eine Schaf seine Wolle los (großes Bild), kommt das nächste an die Reihe. Auch wenn’s schnell geht, muss der Scherer aufpassen (rechs oben); die Wolle wird sackweise gesammelt (mitte rechts); die Schafe haben nach der Schur immer noch ein dünnes Fell (rechts unten). Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. An Pfingsten geht’s den Schafen von Jörg Raufer an die Wolle. Die Schafschur verbindet er in seiner Schäferei im Gewann "Hummel" am Tüllinger Berg alljährlich mit einem Fest auf dem Gelände.

Pünktlich zu Pfingsten kam die Wende: Die Temperaturen stiegen auf sommerliche Werte, das lockte viele hinaus in die Natur und mancher machte Station in der Schäferei Raufer. Nun kann man den Scherern ja nicht alle Tage auf die Finger schauen. Einmal im Jahr, an Pfingsten, müssen Raufers Merino-Schafe ihre Wolle hergeben. Das ist ein Knochenjob für die Scherer, die Kraft und Kondition, Geschicklichkeit und Geschwindigkeit an den Tag legen müssen. Ihre Kundschaft die im Stall zwischen den Gittern auf die Prozedur wartet, ist zahlenmäßig groß. 230 Mutterschafe, 35 Jährlinge und rund 200 Lämmer listet Raufer auf. Die Kleinen dürfen ihre Wolle noch behalten. Dennoch ist das reichlich Arbeit für die Männer vom Dinkelberg an den zwei Tagen und für die Schafe eine Erleichterung.

Ein großes Schaf gibt 2,5 bis drei Kilogramm Wolle. Für das Kilo gibt’s hierzulande dreißig Cent, sagt der Schäfer. Kein Wunder, dass er einer Besucherin, die ihn um ein wenig Wolle bittet, sagt: "Nehmen Sie mit, so viel sie tragen können." Und nur die weiße Wolle findet abnehmen, weil sie sich färben lässt. Ist schwarze Wolle darunter – und das eine oder andere schwarze Schaf steht auch in Raufers Herde –, will sie niemand mehr. "Das ist dann Sondermüll", sagt der Schäfer. Man muss die Wolle also sauber halten.

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Dessen Schafe beweiden Wiesen in und um Lörrach, immer dieselben. So wird die Landschaft gepflegt, wird ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt geleistet. Darauf weist Jörg Raufer besonders gerne hin. Ansonsten hätten seine Merino-Schafe und deren Lämmer das Bio-Siegel, weil sie immer auf denselben Weiden stünden und nicht wandern, also sicher sei, was sie fressen. Merino-Schafe hält der Nebenerwerbsschäfer deshalb, weil sie ganzjährig Lämmer kriegen können.

Der Schafschur zuzuschauen, ist für Groß und Klein interessant und nicht alltäglich. Die Kinder warten aber besonders auf den Moment, in dem der Schäfer die Milchflaschen verteilt. Dann dürfen die Kinder den Lämmern, die im Schafstall im "Hummel" mit der Flasche aufgezogen werden müssen, den Schoppen geben. Das ist dar nicht so einfach, wenn sich der einen Flasche gleich vier, fünf begierige Schnuten entgegen strecken.

Die Scherer haben die Schafe im Griff. Nur auf dem Weg zu ihnen, versuchen die Tiere zu entkommen, da wird es schon mal vom Helfer am Bein gepackt. Hat aber der Scherer ein Schaf im geübtem festen Griff, dann lässt es doch meist recht ruhig die Prozedur über sich ergehen. Ist es nach einigen Minuten sein Fell los, dann sucht rasch den Kontakt zu denen, die schon geschoren sind. In der Herde fühlt sich das Schaf doch am wohlsten. "Nein, die Schafe frieren nicht", sagt der Schäfer, der die Frage immer wieder hört. Die Schafskälte, also den möglichen Kälteeinbruch im Juni, muss man ihnen – und den Menschen – dennoch nicht wünschen.

Autor: Nikolaus Trenz